EU-Arzneimittelbehörde rät trotz Thrombosen weiter zu Astrazeneca

Der Nutzen ist weiterhin größer als das Risiko, davon zeigen sich Experten überzeugt. Großbritannien will trotz guter Erfahrungen mit Astrazeneca jüngeren Menschen eine Alternative anbieten.

Medizinisches Personal befüllt eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff von Oxford/Astrazeneca im NHS Nightingale Hospital North East.
von Agentur DPAProfil

Trotz sehr selten auftretender Thrombosen im Gehirn empfiehlt die EU-Arzneimittelbehörde EMA weiterhin den uneingeschränkten Einsatz des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca für Erwachsene. Die Vorteile seien nach wie vor größer als die Risiken, teilte die EMA am Mittwoch mit. In Großbritannien, wo bisher besonders viel und ohne Einschränkungen mit Astrazeneca geimpft wurde, soll Menschen unter 30 Jahren allerdings künftig ein alternativer Impfstoff angeboten werden.

Die EMA erklärte, die meisten Fällen seien bei Frauen unter 60 Jahren innerhalb von zwei Wochen nach der Impfung aufgetreten. Angesichts der aktuell vorliegenden Daten sei es nicht möglich, Risikofaktoren zu ermitteln. Experten hatten mehrere Dutzend Fälle von Thrombosen überprüft, hauptsächlich aus der EU und Großbritannien, wo bereits rund 25 Millionen Menschen den Impfstoff erhalten haben.

Die britische Arzneimittelbehörde erklärte, ein möglicher Zusammenhang zwischen dem Wirkstoff von Astrazeneca und seltenen Blutgerinnseln werde noch untersucht. Die Vorsitzende June Raine betonte ebenfalls, für die Mehrheit der Menschen überwögen die Vorteile des Impfstoffs das Risiko deutlich.

Die berichteten Fälle von Blutgerinnseln nach einer Impfung mit dem Wirkstoff von Astrazeneca sollten als mögliche Nebenwirkungen aufgelistet werden, empfahl die Direktorin der EMA, Emer Cooke, am Mittwoch. Erst einen Tag zuvor sagte der Leiter der Abteilung für Impfstrategie der EMA, Marco Cavaleri, der italienischen Zeitung "Il Messagero", es bestehe ein kausaler Zusammenhang zwischen einer Impfung mit dem Wirkstoff von Astrazeneca und seltenen Blutgerinnseln. Auch er betonte jedoch, der Nutzen des Impfstoffs überwiege dennoch das Risiko.

Die EU-Arzneimittelbehörde, die Weltgesundheitsorganisation und andere Gesundheitsexperten haben wiederholt erklärt, der Impfstoff von Astrazeneca sei sicher und wirksam. Die meisten der Fälle von Blutgerinnseln traten bei jüngeren Frauen auf, die auch ohne Impfung mit höherer Wahrscheinlichkeit ein solches seltenes Gerinnsel entwickeln. "Das Problem ist, dass diese Gerinnsel sehr ungewöhnlich sind und wir die Hintergrundrate nicht wirklich kennen", erklärte der frühere Vorsitzende des Ausschusses für öffentliche Gesundheit bei der Mediziner-Organisation British Medical Association, Peter English. "Darum ist es so schwer herauszufinden, ob die Impfung dazu beiträgt."

In Deutschland werden wegen der Thrombosen in der Regel nur noch Menschen ab 60 Jahren mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft. Zuletzt setzte die spanische Region Kastilien und León den Einsatz des Wirkstoffs am Mittwoch aus. Die französischen Behörden kündigten an, sie wollten die Entscheidung der EMA abwarten und dann den Empfehlungen folgten. Südkorea stoppte am Mittwoch den Einsatz des Impfstoffs für Menschen unter 60 Jahren. Die Gesundheitsbehörden dort erklärten, sie wollten ebenfalls zunächst die EMA-Einschätzung hören.

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