Meinung: Und ewig grüßt Astrazenecas PR-Desaster

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Obwohl Englands Top-Uni Oxford das Vakzin Astrazeneca entwickelte, steht der Impfstoff ständig unter Beschuss. Das hat sich der Hersteller selbst zuzuschreiben, kommentiert Jürgen Herda.

Der Arzt Wolfgang Ritter impft zum Start der Corona-Impfungen in bayerischen Hausarztpraxen das Ehepaar Edith und Erich Dengler. Geimpft wurde der Impfstoff von Astrazeneca.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Wenn sich Impfgegner etwas hätten wünschen dürfen, eine PR-Abteilung wie die von Astrazeneca wäre sicher ganz weit mit vorne dabei gewesen. Recht viel nachhaltiger kann man das Vertrauen in einen Impfstoff nicht erschüttern. Nicht nur theoretisch, ganz konkret.

Ist der Ruf erst ruiniert ...

Vergangene Woche hätte die Mutter einer Freundin geimpft werden sollen. Eine alles andere als hysterische 77-Jährige. "Wenn die mit Astrazeneca kommen, gehe ich gleich wieder heim."

Es dauerte eine Stunde, ihr klar zu machen, dass nur eine zweistellige Zahl von jüngeren Frauen mit solchen Blutgerinnseln unter mehreren Millionen Geimpften bekannt ist - das Risiko, durch den Impfstoff an einer Hirnvenenthrombose zu erkranken, also um ein Vielfaches geringer ist als sich mit Corona zu infizieren und dann an schweren Symptomen zu laborieren.

Astras Pannenserie

Das Misstrauen hat sich der schwedisch-britische Konzern selbst zuzuschreiben. Schon zu Beginn ließen es sich einzelne Arbeitsgruppen der an der Eliteuni Oxford am Vakzin forschenden Wissenschaftler nicht nehmen, mehrere Zwischenberichte zu veröffentlichen, die zu kontroversen medialen Diskussionen führten. Dann gab der Konzern eine aus kombinierten Studien errechnete Wirksamkeit bekannt, die von der US-Zulassungsbehörde als falsch zurückgewiesen wurde.

Zusätzlich erweckte das Unternehmen den Verdacht, bewusst Impfdosen für die EU zurückzuhalten. Schließlich musste Astrazeneca auch noch einräumen, dass tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Impfung und den äußerst seltenen Thrombosen besteht.

Vergebliche Hoffnung für die Welt?

Ein Debakel nicht nur für das Unternehmen, sondern für die Impfstrategie weltweit. Galt der weniger empfindliche Impfstoff doch als große Hoffnung für die Massenimpfung in Entwicklungsländern - und damit auch als Instrument gegen immer neue Mutationen.

Besonders bitter ist das, weil die allermeisten Mediziner Astrazeneca dennoch für einen guten Impfstoff halten - mit weit selteneren Nebenwirkungen als viele Medikamente, die wir bedenkenlos einnehmen. Ob diese Argumentation bei der Dame aus Regensburg genützt hat? Man weiß es nicht, sie bekam Biontech - ohne jede Nebenwirkung.

Die Politik diskutiert über die Folgen des Astrazeneca-Debakels

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