Faktencheck: Kann die Corona-Impfung zu Genveränderungen führen?

In den sozialen Medien kursieren etliche Thesen über die neuartigen mRNA-Impfstoffe, die im Kampf gegen die Corona-Pandemie eingesetzt werden. Das Faktencheck-Team der Deutschen-Presse-Agentur überprüfte diese Aussagen.

Die Corona-Impfung im Faktencheck.
von Agentur DPAProfil

In den sozialen Medien heißt es etwa, mit dem Vakzin werde erstmals fremdes Erbgut in den Körper eingeschleust. Mitunter heißt es auch, der in der Impfung enthaltene Gencode werde ins Erbgut der Impflinge eingebaut.

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FAKTEN:

Zum Kampf gegen SARS-CoV-2, das erst seit der Jahreswende 2019/2020 bekannt ist, sind in kurzer Zeit weit mehr als 200 Impfstoffprojekte angelaufen. In der Europäischen Union zugelassen wurden bisher die sogenannten mRNA-Impfstoffe der Pharmakooperation Biontech/Pfizer sowie des US-Herstellers Moderna (Stand: 8. Januar). Ihre Technik ist vergleichsweise neu.

Etablierte Impfstoffe beinhalten bislang meist abgetötete oder geschwächte Erreger oder Teile davon; sie werden in den Körper eingeschleust, damit das Immunsystem reagiert. Dabei bilden sich Abwehrzellen und spezielle Eiweiße - Antikörper - die uns gegen den entsprechenden Erreger schützen.

mRNA-Impfstoffe funktionieren anders

Das Botenmolekül mRNA (m für "messenger") ist eine Art Datenkurier, den man "beladen" kann. Mit der mRNA enthalten die Impfstoffe die Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers. Auf dieser Grundlage stellen die Körperzellen Teile des Hüllproteins her. Gegen dieses entwickelt der Körper seine Immunantwort. Die mRNA wird dabei nicht in das Erbgut des Menschen eingebaut.

Der Impfstoff wurde wie in solchen Fällen üblich in mehreren Studien an Tieren und Zehntausenden Menschen getestet. Dabei ergaben sich keine Hinweise auf schwerwiegende Nebenwirkungen. Absolute Sicherheit aber gibt es bei keinem Medikament, auch bei Vakzinen nicht. Jedoch werden viele Impflinge über einen langen Zeitraum begleitet. Außerdem sind Beobachtungsstudien geplant, damit der Forschung eventuelle Komplikationen nicht entgehen.

Als ausgeschlossen jedoch gilt, dass ein mRNA-Impfstoff - wie vielfach behauptet - zu Veränderungen im Erbgut des Geimpften führt. Clemens Wendtner, Chef der Infektiologie an der München Klinik Schwabing, nennt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) gleich mehrere Gründe dafür.

Erstens: Die völlig andere chemische Struktur der mRNA schließt eine Integration in die DNA, das Erbgut, aus.

"Zweitens läuft der Informationsfluss ausschließlich in eine Richtung: von der DNA in die RNA", erklärt Wendtner. Die Erbinformation wird im Zellkern, wo sie gelagert ist, kopiert. Als mRNA wandert sie in jene Zellbereiche, wo sie - verkürzt gesagt - für den Nachbau der Zelle abgelesen wird. Die mRNA-Impfstoffe machen sich genau diesen Mechanismus zunutze. Die Baupläne für das Virus gelangen - am Zellkern vorbei - direkt dorthin, wo Teile des Erregers nachgebaut werden.

Auch darum kann der Gencode einer Impfung nicht ins menschliche Erbgut eingebaut werden, wie der Mediziner erklärt. "mRNA sind recht instabil. Die mRNA lange genug stabil zu halten, dass sie überhaupt wirken kann, war eine der größten Herausforderungen bei der Impfstoffentwicklung." Biontech etwa ummantelt die fragilen mRNA mit Lipiden, also Fettsäuren.

Wendtner resümiert: "Wenn unser Erbgut so leicht veränderbar wäre, dann dürften wir wohl auch keine genveränderten Lebensmittel oder mittels Gentechnik produzierte Medikamente zu uns nehmen."

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