Faktencheck: Kann der PCR-Test das neuartige Coronavirus diagnostizieren?

Das dpa-Facktencheck-Team nimmt den Vorwurf, der PCR-Test tauge nicht dazu, das Coronavirus nachzuweisen, genauer unter die Lupe.

22 Forscher stellen in einem Report die wissenschaftliche Basis des Coronatests infrage.
von Agentur DPAProfil

Der Vorwurf ist altbekannt - schallt nun aber in neuer Schärfe: 22 Forscher stellen in einem Report die wissenschaftliche Basis des Coronatests infrage. Das angewandte Diagnosewerkzeug, entwickelt vom Team des deutschen Virologen Christian Drosten, tauge nicht dazu, das neuartige Sars-CoV-2 nachzuweisen. Die Autoren fordern, die grundlegende Veröffentlichung zurückzuziehen.

BEWERTUNG

Es gibt keinen Beleg dafür, dass der aktuell verwendete PCR-Test das Sars-CoV-2-Virus nicht nachweisen kann. Der kritische Report, der dies behauptet, umging tradierte wissenschaftliche Kontrollinstanzen.

FAKTEN

Bereits Mitte Januar 2020, nur wenige Wochen nach Auftauchen von Sars-CoV-2 in der chinesischen Metropole Wuhan, entwickelte ein Team des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) an der Berliner Charité ein entsprechendes Nachweisverfahren für das neuartige Coronavirus.

Am 23. Januar 2020 stellten die Wissenschaftler um den deutschen Virologen Christian Drosten das Diagnoseverfahren in der Zeitschrift Eurosurveillance vor. Laboren weltweit gilt das Testprotokoll seither als Leitfaden für ihre Arbeit.

Ein internationales Team aus 22 Wissenschaftlern bezeichnet das PCR-Verfahren in einem prüfenden Bericht nun als "nutzlos". Auffällig: Der Report ist auf einer eigens errichteten Website veröffentlicht. In einem Untermenü findet sich der Hinweis, er sei parallel auch bei Eurosurveillance zur Prüfung und Veröffentlichung eingereicht worden - jener Zeitschrift, in der auch die kritisierte Studie erschienen war.

Die entspricht nicht der wissenschaftlichen Publikationskultur: Üblicherweise reichen Forscher ihre Artikel bei Fachmagazinen ein, warten die Begutachtung durch Experten ab (Peer-Review-Prozess) und überarbeiten kritisierte Stellen, bis der Artikel akzeptiert und publiziert wird.

Alternativ veröffentlichen Wissenschaftler ihre Arbeiten bisweilen auch auf sogenannten Preprint-Servern - und stellen Kollegen damit ihre Daten und Erkenntnisse vor der regulären Veröffentlichung zur Verfügung. In Corona-Zeiten beschritten Forscher vielfach diesen Weg, um etwa die Behandlungsmethoden von Covid-19-Patienten rasch voranzubringen.

Unbeteiligten Forschern steht immer die Möglichkeit offen, vorläufig oder endgültig veröffentlichte Studienergebnisse zu kritisieren, was zur Korrektur und manchmal gar zum Zurückziehen von Arbeiten führt. Auch die Drosten-Studie wurde zweimal geringfügig verbessert.

Eine solche Diskussion findet stets in Fachkreisen statt. Es ist darum unüblich und mutet sonderbar an, dass die 22 Forscher ihre Thesen noch vor den Experten Laien präsentieren. Übliche wissenschaftliche Kontrollinstanzen werden damit umgangen.

Bemerkenswert auch:

Unter den 22 Personen, die den Artikel veröffentlicht haben, finden sich etliche fachfremde Forscher, die mit den Details und Herausforderungen des Virusnachweis nicht unmittelbar vertraut sind. Darunter etwa ein Urologe, ein ehemaliger 3-D-Künstler und eine Kinderärztin.

Die 22 Kritiker bemängeln unter anderem das Design der sogenannten "Primer", Moleküle, die sich - wie passende Puzzleteile - an die Erbgutstücke des Sars-CoV-2 heften und damit eine Infektion zu erkennen geben.

Das Berliner Team, das das Corona-Diagnoseverfahren entwickelte, gilt als eines der renommiertesten weltweit. Die zugrundeliegende Studie wurde in der wissenschaftlichen Gemeinde darum weithin wahrgenommen, Google-Scholar zählt weit über 2500 Zitationen des Aufsatzes. Fachkollegen entdeckten bis dato darin keine schwerwiegenden Fehler und Mängel.

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