Faktencheck: Ist die Rechnung zur Risikominderung durch den Impfstoff korrekt?

Ein Facebook-Post behauptet die Ergebnisse einer Studie zum Corona-Impfstoff von Biontech seien geschönt. Die Behauptung im Faktencheck.

Ein Facebook-Post zum Corona-Impfstoff im Faktencheck.
von Agentur DPAProfil

Anfang November veröffentlichten das Mainzer Unternehmen Biontech und der Pharmakonzern Pfizer Ergebnisse einer Studie zu ihrem Corona-Impfstoff. Demnach bietet das Produkt einen zuverlässigen Schutz vor Covid-19. Zunächst war von 90,7 Prozent Risikominderung die Rede, mittlerweile liegt der angegebene Wert gar bei 95 Prozent. Doch wurden die Ergebnisse der Studie etwa geschönt? Das behauptet ein Facebook-Post.

Angeblich sei die Risikominderung durch die Impfung vorsätzlich falsch berechnet worden, denn mit den echten Ergebnissen habe man "nicht vor die Öffentlichkeit treten" können. Die Minderung liege bei nur 0,39 Prozent und nicht, wie angegeben, bei mehr als 90 Prozent. Zudem sei das Risiko, schwer zu erkranken, nicht untersucht worden.

BEWERTUNG

Die Werte wurden nicht manipuliert, die Berechnung genügt international anerkannten Standards. Denn bei einer Größenordnung von 0,43 Prozent Infizierten entspricht eine Verringerung der Ansteckungsrate um 0,39 Prozentpunkte auf 0,04 Prozent tatsächlich den genannten gut 90 Prozent Risikominderung. Die Zahl der schweren Krankheitsverläufe war in der Gruppe der Geimpften ebenfalls deutlich niedriger als bei den Ungeimpften.

FAKTEN

Biontech und Pfizer veröffentlichten am 9. November eine Pressemitteilung zu ihrem Impfstoffkandidaten BNT162b2 (deutsche Fassung). Zu diesem Zeitpunkt gab es unter den Studienteilnehmern 94 bestätigte Covid-19-Fälle - der größte Teil der Betroffenen war nicht geimpft worden.

Der Rechenweg, der eine Wirksamkeitsrate von über 90 Prozent ergab, ist eine Standardformel für Impfstoffe, die sich auch auf der Seite der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) findet.

Berechnet wird:das Risiko bei ungeimpften Personen abzüglich des Risikos bei geimpften Personen - geteilt durch das Risiko bei ungeimpften Personen. In diesem Fall also:

(0,43-0,04)/0,43 = 90,7 Prozent

Laut dem täglichen Corona-Lagebericht des Robert Koch-Instituts (RKI) haben sich in Deutschland bislang 1 379 238 Menschen nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert (Stand 16. Dezember 2020) - das sind gut 1,6 Prozent der Bevölkerung. Wäre die gesamte Bevölkerung (etwa 83 Millionen) zuvor geimpft worden, hätten sich rein rechnerisch bei einer Wirksamkeitsrate von 90,7 Prozent statt der 1,6 nur 0,15 Prozent der Bevölkerung infiziert - das wären statt fast 1,4 Millionen nur rund 125 000 Menschen.

In der Studie wurden zehn schwere Verläufe von Covid-19 beobachtet - neun davon in der Placebogruppe und nur einer in der Gruppe der Geimpften, wie die "Zeit" berichtet. Zudem stellte ein Gutachterteam der US-Arzneimittelbehörde FDA fest, dass dieser eine Fall in der Gruppe der Geimpften vergleichsweise harmlos verlief. (Seite 30 unten).

Weitere Studien zur Evaluierung von BNT162b2 bei Schwangeren, Kindern unter 12 Jahren und speziellen Risikogruppen sind nach Angaben von Biontech geplant.

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