Der Fußball und das öffentliche Interesse

Champions-League: Da will der Fan wissen, welcher Fernsehsender oder Streaming-Dienst überträgt. Eine Zeitung teilt das mit. Das sei Schleichwerbung, meint ein Leser.

Der ehemalige Leipzig- und jetzige Bayern-Trainer Julian Nagelsmann unter einem Regenschirm mit dem Logo der Champions-League. Inzwischen sind die Spiele nur noch bei DAZN und zum Teil bei Amazon Prime zu sehen.
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

Wer sich für die Fußball-Champions-League interessiert, der möchte natürlich immer erfahren: Wo läuft denn eigentlich welches Spiel live? Inzwischen teilen sich Amazon und der Streamingdienst DAZN die begehrten Übertragungsrechte, Sky ist hier nicht mehr zum Zuge gekommen. In der vergangenen Saison war der Bezahlsender jedoch noch mit von der Partie.

In diesem Zusammenhang hatte eine regional erscheinende Zeitung es für eine gute Idee gehalten, Leserservice zu bieten, sich damit aber eine Beschwerde beim Presserat eingehandelt: Der Vorwurf, der gegen das Blatt erhoben wurde: Schleichwerbung. Wie der Rat entschieden hat, ist in dessen Online-Archiv oder im Netz aktuell bei der "drehscheibe" nachzulesen, dem Lokaljournalismus-Forum der Bundeszentrale für politische Bildung.

Der Fall, wie ihn der Presserat schildert:

Eine Regionalzeitung bringt einen Vorbericht zum Champions-League-Spiel des FC Bayern München gegen Lokomotive Moskau. Die Redaktion informiert dabei auch über die TV-Rechte der Königsklasse. Um die Begegnung live verfolgen zu können, benötigt man DAZN. "Auf den Anbieter wird unter der Angabe ,Hier können Sie ein DAZN-Abo abschließen (werblicher Link)' verwiesen", so der Presserat.

Einen Tag später kündigt die Redaktion das Spiel von Borussia Dortmund gegen Zenit St. Petersburg an. In diesem Zusammenhang macht sie darauf aufmerksam, dass hier Sky der Anbieter ist. Auch teilt die Redaktion mit, wie man an ein Sky-Abo kommt.

Einem Leser der Regionalzeitung missfällt das, er empfindet das als Schleichwerbung für die Pay-TV-Sender Sky und DAZN.

So reagiert die Redaktion:

Der Chefredakteur der Zeitung erklärt laut Presserat, die Beschwerde beziehe sich auf einen Artikel, der über die Möglichkeiten informiert, ein Champions-League-Spiel im Fernsehen zu sehen. Diese Art von Service erfreue sich bei den Lesern einer starken Nachfrage und habe an Bedeutung gewonnen, seit TV-Übertragungen von Top-Spielen auf unterschiedlichen Wegen und auf wechselnden Sendern erfolgten.

Es gehe hier nicht um Werbung für TV-Anbieter, sondern um einen bewährten Service für die Leserschaft, argumentiert der Chefredakteur. Und er hebt gegenüber dem Presserat hervor: Wären die Spiele im frei empfangbaren Fernsehen übertragen worden, hätte die Redaktion auch kostenfreie Angebote von ARD und ZDF genannt.

So entscheidet der Presserat:

Der Beschwerdeausschuss, berichtet der Presserat, habe keinen Verstoß gegen das in Ziffer 7 des Pressekodex festgeschriebene Gebot zur strikten Trennung von redaktionellen und werblichen Inhalten erkannt. Also sei die Beschwerde unbegründet. Das Gremium sei in seiner Bewertung weitgehend der Argumentation der Zeitung gefolgt. An den unternehmensbezogenen Informationen dürfte ein "ausreichendes öffentliches Interesse" bestehen. Die Grenze zur Schleichwerbung werde damit nicht überschritten, betont der Presserat.

Redakteure sollten keine Floskeln übernehmen

Amberg
Hintergrund:

Pressekodex

Auszug aus der Richtlinie 7.2 (Schleichwerbung): „Redaktionelle Veröffentlichungen, die auf Unternehmen, ihre Erzeugnisse, Leistungen oder Veranstaltungen hinweisen, dürfen nicht die Grenze zur Schleichwerbung überschreiten. Eine Überschreitung liegt insbesondere nahe, wenn die Veröffentlichung über ein begründetes öffentliches Interesse oder das Informationsinteresse der Leser hinausgeht oder von dritter Seite bezahlt bzw. durch geldwerte Vorteile belohnt wird.“

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