Gesichter von Straftätern werden oft verpixelt

Ein Mann schlägt einen Polizisten. Auf dem Symbolfoto ist das Gesicht des Angreifers unkenntlich gemacht. Ein Leser aus Amberg kann das nicht nachvollziehen.

Ein gewalttätiger Demonstrant schlägt auf einen Polizisten ein. Dieses Bild zum Artikel „Schmerzensgeld für rund 200 Beamte“ warf bei einem Leser aus Amberg Fragen auf. Unter anderem diese: Darf das Gesicht des Täters denn nicht gezeigt werden?
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

Erich Wein hat mir geschrieben. Seine Mail beginnt er mit einem Lob: "Als eifriger Leser der Amberger Zeitung schätze ich Ihre auch oft kritische Berichterstattung." Nun, so der Amberger, sei ihm in der AZ etwas aufgefallen, das ihn als Thema schon länger bewege: "Unter der Überschrift ,Schmerzensgeld für rund 200 Beamte' platzierten Sie ein Foto, das einen tätlichen Angriff auf einen Polizeibeamten zeigt. Das Bild des Angreifers ist aber verpixelt. Das irritiert mich doch einigermaßen und das wirft für mich Fragen auf: Ist dieses Unkenntlichmachen des brutalen Angreifers unserem überbordenden und nahezu perversen ,Datenschutz' geschuldet? Einem Datenschutz, der sich inzwischen zum veritablen Täterschutz gewandelt hat? Obwohl der abgebildete Schläger unzweifelhaft Täter war, darf sein Gesicht nicht gezeigt werden? Oder (ketzerisch) - scheuen Sie eine eventuelle Auseinandersetzung mit den allmächtigen Datenschützern?" Für Wein "läuft hier gewaltig etwas aus dem Ruder".

Grundsätzlich lässt sich dazu sagen: Eine identifizierende Bildberichterstattung über Straftäter ist in vielen Fällen nicht zulässig. Abgebildete Personen unkenntlich zu machen, ist oftmals die richtige Entscheidung einer Redaktion. Abzuwägen ist hier zwischen dem Grundrecht der Pressefreiheit und dem Recht eines (mutmaßlichen) Straftäters auf Schutz seiner Persönlichkeit. Selbst für Straftäter gilt das Recht am eigenen Bild.

Die Presserechts-Experten der Initiative Tageszeitung (ITZ), in der auch unser Verlag Mitglied ist, halten ausdrücklich fest: Für die Veröffentlichung von Bildern von Straftätern oder Verdächtigen gelten besondere Regeln. Auch aus folgendem Grund: Die betroffenen Personen sollen nicht an den Pranger gestellt werden. Redaktionen müssen beachten: Wenn es möglich ist, das Informationsinteresse der Öffentlichkeit, also der Leser, auch durch das Unkenntlichmachen einer fotografierten Person zu befriedigen, dann muss eine Verpixelung erfolgen. Als Orientierungshilfe dient der Pressekodex: "Bei einer identifizierenden Berichterstattung muss das Informationsinteresse der Öffentlichkeit die schutzwürdigen Interessen von Betroffenen überwiegen. Bloße Sensationsinteressen rechtfertigen keine identifizierende Berichterstattung. Soweit eine Anonymisierung geboten ist, muss sie wirksam sein." So steht es in Ziffer 8 (Schutz der Persönlichkeit).

In der dazugehörigen Richtlinie 8.1 (Kriminalberichterstattung) heißt es dann unter anderem: "Bei der Abwägung sind insbesondere zu berücksichtigen: die Intensität des Tatverdachts, die Schwere des Vorwurfs, der Verfahrensstand, der Bekanntheitsgrad des Verdächtigen oder Täters, das frühere Verhalten des Verdächtigen oder Täters und die Intensität, mit der er die Öffentlichkeit sucht." Für ein überwiegendes öffentliches Interesse spreche zum Beispiel, wenn eine außergewöhnlich schwere oder in ihrer Art und Dimension besondere Straftat vorliegt.

Damit zurück zu dem Artikel "Schmerzensgeld für rund 200 Beamte" und dem Foto, das dazugestellt wurde und einen gewalttätigen Demonstranten zeigt, der einen Polizisten niederschlägt. Das monierte Bild fungiert lediglich als symbolische Illustration des Themas. Insofern besteht nach Ziffer 8 des Pressekodex keinerlei öffentliches Interesse an der Identität der Abgebildeten.

Wohl auch vor diesem Hintergrund hatte die Deutsche Presse-Agentur (dpa) das Bild den Redaktionen von vorneherein mit Pixelung zur Verfügung gestellt.

Nicht immer müssen Gesichter verpixelt werden

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