Meinung Was dieses Jahr unter Nächstenliebe zu verstehen ist

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Das Weihnachtsfest 2020 wird in jeder Hinsicht unvergesslich. Verabschieden wir uns diesmal von Ritualen, fordert Frank Werner.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verlässt mit Michael Müller (SPD,l), Regierender Bürgermeister von Berlin, Markus Söder (CSU, 2.v.r), Ministerpräsident von Bayern, und Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister, die Pressekonferenz im Bundeskanzleramt.
von Frank Werner Kontakt Profil
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Auf einmal geht es ruckzuck. Angela Merkel und die Ministerpräsidenten ziehen die Corona-Notbremse. Endlich Einigkeit. Endlich klare Ansagen. Es hat viel zu lange gedauert, bis der knallharte Lockdown ausgerufen wurde. Der Großteil der Bevölkerung war längst bereit für die einschneidenen Maßnahmen. Schluss mit den Ausreden, diesen kleinen Tricks, um vor dem Unvermeidlichen zu flüchten: dem Weg in die Isolation, die ein ungeheueres Maß an Selbstdisziplin erfordert.

Das nahende Weihnachtsfest hat sich als Gift für die Corona-Zahlen entwickelt. Wer dieser Tage in den Innenstädten und Shoppingmeilen unterwegs ist, kann den Irrsinn hautnah miterleben. Im wahrsten Sinne des Wortes. Dicht an dicht wird um die Präsente gekämpft. Die Vernunft hält sich in den Einkaufstüten versteckt. Dabei ist das größte Geschenk, das wir uns machen können, die Gesundheit. Diese banale Feststellung bekommt an dieser Corona-Weihnacht eine neue Dimension.

Wir wissen alle nicht, wie das nächste Jahr wird. Aber es besteht die berechtigte Hoffnung, dass es um einiges besser wird als 2020. Die Weichen dafür werden gerade gestellt. Jeden Tag. Es gilt, sich diesmal von etlichen Ritualen zu verabschieden. Den Weihnachtsgottesdiensten in überfüllten Kirchen, die viele eh nur einmal im Jahr von innen sehen. Den Verwandtschaftsbesuch im XXL-Format, den man außerhalb der Festtage niemals vornehmen würde. Das Silvesterfest mit Böllerorgien und Alkoholexzessen. Heuer lassen wir es nicht ins neue Jahr krachen. Ist das so schlimm?

Die Kanzlerin hat es im Bundestag auf den Punkt gebracht, worum es jetzt geht: Wenn wir dieses Jahr nicht mit den Großeltern Weihnachten feiern, werden wir und Oma und Opa das überleben. Wenn wir es aber doch tun, ist das mit dem Überleben nicht garantiert. Deshalb können wir Nächstenliebe in diesem Jahr besonders intensiv praktizieren: durch Verzicht.

Ein "Fest der Liebe" ohne Umarmung, mit viel Improvisation. Virtuell, am Telefon, mit vielen Worten. Versuchen wir es. Denn dieses Jahr muss es eine besonders stille Nacht werden. Umso heller und fröhlicher wird Weihnachten 2021.

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