Keine Belege für angeblich tausende Todesopfer durch Corona-Impfungen

Im Internet - vor allem in sozialen Netzwerken - kursieren Behauptungen und Gerüchte rund um angebliche Gefahren der Corona-Impfung. Auch in Bezug auf Tote nach der Impfung. Das sind die Fakten dazu.

Rund um die Corona-Impfung kursieren viele Falschmeldungen.
von Agentur DPAProfil

Seit Impfstoffe gegen das Coronavirus zur Verfügung stehen, halten sich Behauptungen und Gerüchte rund um angebliche Gefahren der Vakzine. Auf Facebook beispielsweise wird Anfang August 2021 in einem Post (archiviert) behauptet, nach Angaben der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) gebe es bereits hunderttausende Impfschäden und tausende Impftote. Wörtlich heißt es: "300'000* Imp fschäden 8000* Imp ftote Po litiker lügen! *Gem. EMA".

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Für diese Behauptung gibt es keine Belege. Tatsächlich verzeichnet eine Datenbank der EMA im Zusammenhang mit den Corona-Impfstoffen eine Vielzahl an Einträgen möglicher Nebenwirkungen. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um gemeldete Verdachtsfälle. Dass die Impfungen die Ursache sind, ist nicht belegt.

Fakten

Eine Internetrecherche liefert keine Hinweise darauf, dass die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) die im Post genannten Zahlen in irgendeiner Weise bestätigt hat. Allerdings finden sich im Netz mehrere Beiträge mit ähnlichen Behauptungen. Auch sie suggerieren, infolge der Corona-Impfungen sei es zu hunderttausenden Impfschäden und tausenden Todesfällen gekommen.

Viele dieser Beiträge beziehen sich auf die EMA-Datenbank "EudraVigilance". Dort tragen die EU-Mitgliedstaaten Fälle möglicher Nebenwirkungen durch Arzneimittel und Impfstoffe ein. Tatsächlich finden sich dort hunderttausende Einträge zu den Corona-Impfstoffen. Darunter sind auch tödliche Ereignisse.

Die in den Beiträgen behaupteten Zahlen über vermeintliche Impfschäden und Todesopfer infolge von Corona-Impfungen kommen häufig wie folgt zustande: Die Einträge, die in der EMA-Datenbank in Verbindung mit den einzelnen Corona-Impfstoffen aufgeführt sind, werden summiert. Das Ergebnis zeige angeblich die Gesamtzahl der Impfschäden bzw. Todesopfer infolge von Corona-Impfungen, behaupten die Verfasser. Auf diese Weise werden die Daten allerdings falsch interpretiert. Ein solcher Schluss ist aus zwei Gründen nicht haltbar.

Erstens führt die Tabelle lediglich Verdachtsmeldungen von Fällen auf, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung registriert wurden. Der Datensatz trifft also keine Aussagen darüber, ob die Impfungen die Ursache für die Beschwerden oder die Todesfälle sind. Dazu teilte eine EMA-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur im Rahmen der Recherche für einen ähnlichen Faktencheck mit: "Die Tatsache, dass jemand ein medizinisches Problem hatte oder nach der Impfung gestorben ist, bedeutet nicht unbedingt, dass dies durch den Impfstoff verursacht wurde. Dies kann zum Beispiel durch gesundheitliche Probleme ausgelöst worden sein, die nicht mit der Impfung zusammenhängen."

Zweitens werden in der EMA-Datenbank einzelne Fälle mitunter mehrfach aufgeführt, wenn Betroffene nach der Impfung mehrere Symptome zeigen, also mehrere mögliche Nebenwirkungen. Das ist auch der Fall, wenn sie sterben. "Da ein Einzelfall mehr als eine vermutete Nebenwirkung enthalten kann, ist die Summe der tödlichen Fälle (...) immer höher als die Gesamtzahl der tödlichen Fälle", so die EMA-Sprecherin. Die tatsächliche Zahl der Todesopfer ist also geringer und lässt sich nicht aus der Datenbank ableiten.

Das Beispiel Deutschland zeigt, wie die Zahlen zu solchen Verdachtsfällen zu bewerten sind. Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) verzeichnet dem aktuellem Sicherheitsbericht zufolge (Stand 30. Juni 2021) 1028 Todesfälle, die in zeitlichem Zusammenhang mit Corona-Impfungen aufgetreten sind.

Darunter sind auch einige Fälle infolge sogenannter Sinusvenenthrombosen, die das PEI ursächlich auf die Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson zurückführt. Für die Mehrheit der 1028 Fälle sieht die Behörde allerdings nicht die Corona-Impfungen als Todesursache, wie eine Sprecherin der dpa mitteilte: "Es ist davon auszugehen, dass die meisten Todesfälle nach der Impfung (nicht wegen der Impfung) zufällig im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung aufgetreten sind."

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