Kommentar: Europa muss Putin, den Schrecklichen, bremsen

Der russische Präsident regiert mit den mörderischen Mitteln des Geheimdienstes. Mit moralischer Empörung ist Putin nicht zu stoppen. Jürgen Herda kommentiert den mutmaßlichen Anschlag auf Regimekritiker Nawalny.

Keine Freunde: Oppositionsführer Nawalny hatte schon lange Sanktionen gegen Kremlchef Putin gefordert.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Wenn ein russischer Regimekritiker ins Koma fällt, mag man kaum noch an seltsame Zufälle glauben. Die Liste prominenter Giftopfer ist zu lang: Boris Nemzow, 2015 nahe dem Kreml erschossen: sein Berater Wladimir Kara-Mursa vergiftet; Ex-Doppelagent Sergej Skripal und Tochter überleben einen Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok 2018 im englischen Salisbury knapp; Ex-Agent Alexander Litwinenko in London mit Poloniu, Wiktor Juschtschenko, Symbolfigur der „Orangenen Revolution“ in der Ukraine, mit Dioxin vergiftet; der Tiergartenmord in Berlin 2019 an dem Georgier Selimchan Changoschwili laut Ermittlern ebenfalls in russischem Auftrag.

Anhänger von Alexej Nawalny hoffen auf Aufklärung durch die Berliner Charité

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Mit moralischer Entrüstung nicht zu stoppen

Und dann soll Putins schärfsten Kritiker Nawalny laut sibirischer Diagnose wegen Unterzucker sein Bewusstsein verloren haben? Was immer die Berliner Charité zu Tage fördert, eines steht jetzt schon fest. Der „lupenreine Demokrat“, an den immer noch einige glauben, hat sich längst als Putin, der Schreckliche, entpuppt. Das Regime duldet keinen Widerspruch und geht mörderisch gegen Kritiker vor – im In- und Ausland. Der gelernte Agent Putin destabilisiert mit Mitteln des Geheimdienstes Nachbarstaaten, die sich dem Einflussbereich Russlands entziehen.

So empörend Putins perfide Methoden auch sind: Mit moralischer Entrüstung lässt er sich nicht stoppen. Der blasse Diktator ist skrupellos, aber nicht dumm. Ein geeintes und starkes Europa, das sich von „Russia today“ nicht spalten lässt, kann dem angeschlagenen Russland Alternativen bieten: Wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit, wenn Moskau auf seine Großmachtsucht verzichtet. Auf Dauer werden sich die unzufriedenen Russen vom Muskelspiel Putins nicht blenden lassen.

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