Kommentar zum Lokführerstreik: Der Fehler der kleineren Gewerkschaft

Die Mitglieder der Gewerkschaft GDL streiken – erneut. Was viele Bahnreisende ärgert, ist zwar gut begründet. Trotzdem hat GDL-Chef Weselsky sich vergaloppiert. Ein Kommentar von Hanna Gibbs.

Mitglieder der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) stehen mit einem Schild mit der Aufschrift «Dieser Betrieb wird bestreikt!» auf einem Bahnhofsvorplatz.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil
Kommentar

Lokführer haben einen verantwortungsvollen Job. Sie sorgen dafür, dass die Fahrgäste sicher von A nach B kommen. Dazu gehört, dass die Lokführer anständig bezahlt werden müssen. Und sie brauchen einen Schichtplan, der es ihnen erlaubt, sich körperlich zu regenerieren. Der Arbeitstag kann für Lokführer zu jeder Tages- und Nachtzeit beginnen – das schlaucht die älteren Kollegen und schreckt die Nachwuchskräfte ab. Dass die Lokführer auf ihre Arbeitsverhältnisse aufmerksam machen, ist völlig richtig. Und dass die GDL einen besseren Tarifvertrag erzielen will als es die größere Konkurrenz-Gewerkschaft EVG im vergangenen Herbst tat, ist verständlich. Die EVG hatte sich mit einer Nullrunde 2021 und einer Lohnerhöhung um 1,5 Prozent 2022 zufriedengegeben. Unklug war es aber, dass die GDL das neue Angebot der Deutschen Bahn, über eine Corona-Prämie der Beschäftigten zu verhandeln, abgelehnt hat. Das ist Nahrung für die Kritiker, die sagen, die GDL würde den Tarifkonflikt nur nutzen, um Mitglieder von der EVG abzuwerben. Am Verhandlungstisch hätte die GDL zumindest die Möglichkeit gehabt, ihre Vorstellungen durchzusetzen. Bei einem Scheitern hätte sie immer noch zum Streik aufrufen können – und dafür aus Sicht der frustrierten Bahngäste bessere Argumente gehabt.

Zwei "Bahnerer" im Gespräch – einer von der GDL, einer von der EVG

Regensburg

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