Leserbriefe: Ohne Regeln geht's nicht

„Ich möchte einen Leserbrief schreiben. Was muss ich da beachten?“ Zuletzt häuften sich solche Anfragen. Zeit für eine kleine Regelkunde.

Blick in die Zeitung auf unsere überregionale Leserbriefseite. „Es dient der wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit, im Leserbriefteil auch Meinungen zu Wort kommen zu lassen, die die Redaktion nicht teilt“. So steht es im Pressekodex, der für uns Maßstab ist..
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

Es ist keine Floskel, sondern ehrlich gemeint: Wir veröffentlichen Leserzuschriften gerne. Das heben wir auch immer wieder hervor im obligatorischen Info-Kasten auf unserer in der Regel einmal wöchentlich erscheinenden überregionalen Leserbriefseite. Einmal wöchentlich: Das heißt leider auch, dass wir nicht alle Leserbriefe veröffentlichen können, auch wenn wir das gerne tun würden. Auf eine Seite mit Lesermeinungen zu überregional abgedruckten Artikeln passen höchstens fünf, sechs Beiträge.

Das bedeutet bedauerlicherweise, dass viele Leserbriefe eben vergeblich verfasst werden. Doch mehr als eine Leserbriefseite pro Woche im Mantelteil unserer Zeitung ist aus produktionstechnischen Gründen nicht machbar. Anders sieht es da in den Lokalteilen aus, dort haben die Kollegen mehr Möglichkeiten, Platz freizuschlagen für Leserzuschriften.

Grundsätzlich gilt:

Wer sich entschließt, einen Leserbrief zu schreiben, der sollte stets beachten, dass sich dieser auf Inhalte unserer Zeitung beziehen muss. Der Leserbrief-Redaktion erleichtert es die Arbeit, wenn der Verfasser der Zuschrift den Artikel und den Erscheinungstag nennt. Auf keinen Fall vergessen: den Namen, den Vornamen, die Adresse (veröffentlicht wird freilich nur der Wohnort) und eine Telefonnummer für eventuelle Rückfragen angeben.

Je kürzer, desto besser

Es ist kein Geheimnis: Je kürzer ein Leserbrief ausfällt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er auch in der Zeitung landet. Wir wissen, dass es mitunter nicht einfach ist, sich einigermaßen kurz zu fassen. Aber das kann gelingen.

Kürzungen

Hier orientieren wir uns am Pressekodex, in dem es dazu heißt: "Änderungen oder Kürzungen von Zuschriften ohne Einverständnis des Verfassers sind grundsätzlich unzulässig." Kürzungen sind demnach jedoch möglich, wenn die Rubrik Leserbriefe den regelmäßigen Hinweis enthält, dass sich die Redaktion das Recht der sinnwahrenden Kürzung vorbehält. Es kann aber durchaus sein, dass der Einsender Änderungen oder Kürzungen verbietet. Dann hat die Redaktion zwei Möglichkeiten: Entweder sie hält sich daran oder sie verzichtet auf den Abdruck.

Die Initiative Tageszeitung (ITZ), einst von Verlegern und Journalisten ins Leben gerufen, um unter anderem die Redaktionen in ihrer Alltagsarbeit zu unterstützen, sagt: "Problematische Aussagen in einem Leserbrief einfach zu streichen, ist nicht immer der Königsweg. Auch wenn es sich die Redaktion auf ihrer Leserbriefseite ausdrücklich vorbehält, Leserbriefe gekürzt zu veröffentlichen, sind ihr hierbei Grenzen gesetzt.

Der Redakteur darf weniger wichtige Passagen weglassen und so den Leserbrief auf die Kernaussage reduzieren. Er kann auch ganze Themen weglassen, wenn ein Brief zu mehreren Themen Stellung bezieht. Der ausdrückliche Kürzungsvorbehalt berechtigt allerdings nicht dazu, Leserbriefe sinnentstellend zusammenzustreichen. Dadurch würde das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Leserbriefschreibers verletzt."

Keine Beleidigungen

Beleidigende Ausdrücke oder ehrabschneidende Äußerungen haben in Leserbriefen nichts verloren. Schließlich trägt die Redaktion die Verantwortung für die von ihr veröffentlichten Zuschriften, wie auch sonst müssen sie und die Zeitung für die Verbreitung von Aussagen Dritter geradestehen. "Enthält ein Leserbrief unwahre Tatsachenaussagen, haftet neben dem Leserbriefschreiber grundsätzlich auch die verbreitende Zeitung", verdeutlichen die Presserechts-Experten der Initiative Tageszeitung. Unwahre Aussagen, so warnt die ITZ, dürfe man nicht bloß deshalb verbreiten, weil man sie nicht selber aufgestellt hat, sondern nur weitergibt. Das ergebe sich aus dem Paragrafen 186 des Strafgesetzbuches (üble Nachrede). Auch wahre Tatsachenbehauptungen dürften die Medien nicht unbedingt weitergeben, wenn sie damit die Persönlichkeitsrechte Dritter verletzen.

Der "Meinungshinweis"

Diese Formulierung finden Sie auch wiederkehrend auf der überregionalen Leserbriefseite: Die Zuschriften geben "nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder". Wir halten diesen Hinweis durchaus für wichtig, die Initiative Tageszeitung führt dazu aber aus: "Viel mehr als eine Klarstellung gegenüber dem Leser ist so etwas nicht. Rechtlich gesehen dürfte man darauf sehr wohl verzichten. Denn: Eine Leserzuschrift, die mit dem Namen des Absenders versehen ist, wird nicht dadurch zur eigenen Behauptung der Redaktion oder des Verlages, weil ein solcher Hinweis fehlt." Auch ein Durchschnittsleser werde Behauptungen eines Leserbriefschreibers nicht als Behauptungen der Redaktion oder des Verlages missverstehen.

Leserbriefe von Mandatsträgern

Meinungsäußerungen von Mandatsträgern drucken wir nur im Ausnahmefall, das ist unsere Position. Was könnte ein "Ausnahmefall" sein? Wenn zum Beispiel ein Mandatsträger in einem Leserbrief persönlich angegangen wurde und er sich in einem entgegnenden Leserbrief zur Wehr setzt.

Ansonsten halten wir uns an folgende journalistischen Leitlinien: Unmittelbar an Nachrichten, am Geschehen, an Ereignissen, Themen oder Vorgängen beteiligte Personen und Institutionen (zum Beispiel Parteien) kommen mit Leserbriefen nicht zu Wort. Sie haben ja die Möglichkeit, sich in Stellungnahmen (die meistens nicht in voller Länge erscheinen werden) an die Redaktion zu wenden. Das gilt in der Regel auch für Vereine, Verbände und sonstige Organisationen.

Meinungsäußerungsfreiheit

Wir nehmen wiederum Bezug auf die sich mit der Rechtssprechung bestens auskennenden ITZ-Experten: Beinhaltet ein Leserbrief Meinungsäußerungen oder Kritik, ist das normalerweise kein Problem - sofern strafrechtliche Grenzen nicht überschritten werden. Wenn Leser lediglich ihre negative Meinung zum Verhalten in der Öffentlichkeit stehender Personen oder Unternehmen kundtun, sei das so in Ordnung. Meinungsäußerungen stünden unter dem Schutz des Grundrechts auf freie Meinungsäußerung. "Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche gibt es nur, wenn die Meinungsäußerung die Grenze zur sogenannten Schmähkritik überschreitet, das heißt, wenn die Absicht zu verletzen in den Vordergrund und die Sachnähe zum kritisierten Tatbestand in den Hintergrund tritt", so die ITZ.

Überprüfung von Leserbriefen

"Der Bundesgerichtshof hat (...) anerkannt, dass eine eigenständige Pflicht der Redaktionen zur Überprüfung von Leserbriefen erst dann besteht, wenn darin im Einzelfall schwere Beeinträchtigungen der Rechte Dritter verbunden sind", betonen die Presserecht-Anwälte der Initiative Tageszeitung. In der Rechtssprechung, das lässt sich hierzu ergänzen, wird Redaktionen nicht abverlangt, Leserzuschriften vor der Veröffentlichung genauso intensiv zu prüfen, wie es bei eigenen Berichten der Fall sein muss.

Der Leserbrief – die klassische Meinungsäußerung

Weiden in der Oberpfalz
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