Das Medienwissen von Lehrern auf dem Prüfstand

Eine Studie kommt zu dem Resultat: Im Osten Deutschlands hat rund die Hälfte der Lehrkräfte kein großes Vertrauen in die Medien, im Westen sind es 22 Prozent.

Das Institut für Demoskopie Allensbach nahm in einer Studie die Vermittlung von Nachrichtenkompetenz in der Schule unter die Lupe. Teilgenommen an der repräsentativen Befragung haben mehr als 500 Lehrkräfte.

Lehrerinnen und Lehrer an deutschen Schulen legen großen Wert auf die Vermittlung von Nachrichtenkompetenz. Das dokumentiert eine im Frühjahr erhobene und kürzlich veröffentlichte Studie, die das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag der Stiftervereinigung der Presse mit mehr als 500 Lehrkräften durchgeführt hat. Zugleich zeigt das Lehrpersonal selbst deutliche Defizite in der Medienkunde. Dabei tun sich klar erkennbare Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland auf.

"Das ist ein besorgniserregender Befund", erklärt Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des BDZV (Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger), ebenfalls Mitglied der Stiftervereinigung der Presse. "Angesichts der alarmierenden Verbreitung von sogenannten Fake News und Verschwörungstheorien wird es immer wichtiger, Kinder und Jugendliche so fit zu machen, dass sie kompetent mit Nachrichten und ihren Quellen umgehen können", heißt es in einer Pressemitteilung des BDZV. Gerade in Zeiten von Corona werde gut ausgebildetes Lehrpersonal benötigt, das flexibel auf Informationsbedürfnisse reagiere. "Nachrichtenkompetenz" werde bei Lehrenden und Lernenden damit immer stärker zu einer Schlüsselkompetenz in der demokratisch verfassten Gesellschaft.

Wie die Glaubwürdigkeit von Medien eingeschätzt wird

Deutschland und die Welt

Dies sind die zentralen Ergebnisse der Studie:

  • Die Vermittlung von Nachrichtenkompetenz in der Schule halten 55 Prozent der Lehrkräfte für "besonders wichtig", darunter Lehrkräfte in den westlichen Bundesländern deutlich häufiger (60 Prozent) als im Osten (39 Prozent). Weitere 40 Prozent halten die Vermittlung von Nachrichtenkompetenz für "auch noch wichtig", nur fünf Prozent beurteilen sie als "weniger wichtig". Klar im Vordergrund steht dabei die Vermittlung der Fähigkeit, sich in den Informationsangeboten orientieren zu können.
  • Die gedruckte Zeitung ist das mit Abstand am häufigsten genutzte Anschauungsmaterial. Pädagogische Projekte wie "Zeitung in der Schule" werden von den Teilnehmern als hilfreiches Angebot geschätzt.
  • Der Lehrplan sieht zwar in aller Regel Raum für das Thema Nachrichtenkompetenz vor, bietet aber nach Auffassung nur einer Minderheit der Lehrkräfte auch ausreichend Zeit, den Schülerinnen und Schülern zumindest ein Grundverständnis in diesem Bereich mitzugeben. Dennoch ist die Mehrheit der befragten Lehrer überzeugt, dass es ihnen gelingt, den Schülern Basiskenntnisse in diesem Bereich zu vermitteln.
  • Unsicherheiten treten beim eigenen Wissen über das Mediensystem in Deutschland auf. So meinen 40 Prozent der Lehrkräfte, Medien hätten die Aufgabe, die Bevölkerung für bestimmte Anliegen zu mobilisieren.
  • Im Osten hat rund die Hälfte der Lehrkräfte kein großes Vertrauen in die Medien, im Westen sind es 22 Prozent. 19 Prozent der Lehrkräfte insgesamt glauben, dass viele Nachrichten, die eigentlich wichtig sind, verschwiegen werden und nur in sozialen Netzwerken zu finden sind.
  • Nur noch rund ein Viertel der Lehrkräfte unter 40 Jahren hat feste zeitliche Gewohnheiten bei der Information über das aktuelle Geschehen.

An der Studie haben nach Angaben des Bundesverbandes Digitalpublisher und Zeitungsverleger gut 500 Lehrkräfte an Realschulen, Gesamtschulen und Gymnasien teilgenommen, die in den Klassenstufen 7 bis 10 ein sozialwissenschaftliches Fach oder Deutsch unterrichten. Anlass waren wissenschaftliche Untersuchungen, die eine Vernachlässigung von Nachrichtenkompetenz in Lehrplänen, Schulbüchern sowie Studien- und Prüfungsordnungen von Lehramts-Studiengängen zeigen.

Hintergrund:

95 Prozent der unter 50-Jährigen sind online

„Das Mediennutzungs- und Informationsverhalten der Bevölkerung hat sich mit der Einführung und Durchsetzung des Internets in den letzten zwei Jahrzehnten in vielerlei Hinsicht deutlich verändert und verändert sich weiter“, wird in der Allensbacher Studie festgehalten. Dazu heißt es:

  • Zusätzliche Reichweite gewinnt das Internet derzeit vor allem noch unter Personen ab 60 Jahren.
  • Von den unter 50-Jährigen sind über 95 Prozent online, von den 50- bis 59- Jährigen 91 Prozent.
  • Lediglich in der Altersgruppe der ab 70-Jährigen sind die Internetnutzer noch in der Minderheit.
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