Meinung: Die vegane eierlegende Wollmilchsau

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Bundeskanzlerin Angela Merkel versucht die Quadratur des Kreises: Der Umbau der Landwirtschaft soll ohne Verlierer klappen. Jürgen Herda meint: Nur, wenn wir weniger Geiz und Gier walten lassen.

Nicht nur Daimler-Chef Dieter Zetsche, auch die Landwirtschaft ist auf der Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
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Über die formulierten Ziele sind sich nicht nur die Mitglieder der Zukunftskommission Landwirtschaft in ihrem Abschlussbericht einig: Die Massentierhaltung stößt längst an die Grenze des Wachstums, dafür wird Geld für eine umwelt- und tiergerechte Produktion benötigt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die das Gremium mit Fachleuten aus Landwirtschaft, Handel, Industrie und Umweltschutz ins Leben gerufen hatte, unterstützt die Forderungen. Sie weiß, dass auch die Mehrheit der Deutschen dahintersteht.

Geiz ist nicht geil, sondern schäbig

Nicht nur tierliebe Ökopazifisten haben längst die Schattenseite der Massenproduktion erkannt: Nitratbelastete Böden, Einsatz von Antibiotika mit der gefährlichen Folge resistenter Bakterienstämme, Landwirte, die von ihrem Beruf kaum mehr leben können. Die Schizophrenie des Systems: Von den Bauern Bio und Tierwohl fordern, selbst aber Geiz geil finden.

Der Weg zur visionären veganen eierlegenden Wollmilchsau wird kein leichter sein. Auf über 170 Seiten beschreibt das Gremium die Kriterien für eine gemeinwohlorientierte Landwirtschaft: Fairness für Erzeuger, aber auch faire Preise, die sich nicht nur der gehobene Mittelstand aufwärts leisten kann. Notwendig ist ein fundamentaler Umbau der Agrarsubventionen, den bisher Deutschland in Brüssel zu verhindern wusste.

Umbau der EU-Agrarsubventionen

Seit Jahrzehnten fordern Kritiker ein Ende der Verteilung der milliardenschweren Fördergelder aus dem EU-Budget nach der Größe der bewirtschafteten Fläche. Sie müssen in eine regionale Landwirtschaft fließen, die eine artgerechte und nachhaltige Produktion gewährleistet.

Je nach Schätzung müsste die Politik zusätzliche 1,5 bis 4,5 Milliarden Euro pro Jahr aufwenden, um allen Interessen gerecht zu werden. Woher nehmen? Rund drei Milliarden Euro pro Jahr könnte die Politik schon mal an Umweltschäden einsparen, die durch die Überdüngung in der deutschen Landwirtschaft jährlich zu Buche schlagen. Das rechnete übrigens nicht Greta Thunberg sondern der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft in einem Gutachten vor.

Das fordert die Kommission, das sagen die Kritiker

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