Meistens Zweifel am Wahrheitsgehalt der Berichterstattung

Der Presserat hat im vergangenen Jahr 80 Prozent der Corona-Beschwerden als unbegründet zurückgewiesen.

Ein Mann trägt auf einer Querdenker-Kundgebung einen Aluhut mit einem Schild, auf dem "Verschwörungstheoretiker" steht. Zu den Beschwerden über die Corona-Berichterstattung sagte Presserats-Sprecher Sascha Borowski: „Wir haben schon den Eindruck, dass auch viele Corona-Skeptiker mit dabei sind."

(nt/az) 581 Leser baten den Presserat laut Jahresbericht 2020 im vergangenen Jahr um eine Einschätzung zu Presse- und Online-Berichten über die Corona-Pandemie. Das Gremium prüfte beziehungsweise prüft 398 Artikel zu diesem Thema, da sich teilweise auch hier mehrere Leser über dieselben Beiträge beschwert hatten. Insgesamt bewertete der Presserat etwa 80 Prozent der behandelten Corona-Beschwerden als unbegründet.

Den größten Teil, so heißt es im Jahresbericht weiter, wies der Presserat sogar als offensichtlich unbegründet ab, weil bereits in der Vorprüfung festgestanden habe, dass hier keinerlei Anhaltspunkte für eine Verletzung des Pressekodex vorlagen. Dazu gehörten laut Presserat Beschwerden über Berichte, in denen Teilnehmer von Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen als "Verschwörungstheoretiker" oder "Corona-Leugner" bezeichnet wurden und die einige Leser für falsch beziehungsweise ehrverletzend hielten.

Der Presserat stellte hierzu klar: "Welche Deutung von Ereignissen richtig oder falsch ist, darüber kann und soll eine Freiwillige Selbstkontrolle nicht entscheiden." Zudem wies er Vorwürfe zurück, manche Medien hätten reißerisch berichtet - etwa über drohende Versorgungsengpässe oder mögliche Todesopfer. Auch plakative Überschriften und Texte seien zulässig, solange sie einen Tatsachen-Kern enthielten oder transparent werde, ob es sich hier um Szenarien handelt.

Die meisten Personen, die sich zum Thema Corona an den Presserat wandten, äußerten dem Jahresbericht zufolge Zweifel am Wahrheitsgehalt der Berichterstattung. So hätten etliche Leser um Prüfung gebeten, ob Redaktionen die Teilnehmerzahlen bei Demonstrationen oder die vom Robert-Koch-Institut genannten Zahlen und Begriffe korrekt wiedergegeben hatten. Diese Beschwerden wies der Presserat ebenfalls mehrheitlich in der Vorprüfung ab, da die betroffenen Medien ihre Quellen angegeben und sauber gearbeitet hätten.

Kleinere Verstöße gegen die Sorgfaltspflicht sah der Presserat hingegen in Ungenauigkeiten bei der Verwendung des Quarantäne-Begriffs oder wenn Medien die behördlichen Warnstufen falsch einordneten.

Scharf kritisierte der Presserat Berichte, in denen Corona-Infizierte erkennbar wurden, ohne dass ein öffentliches Interesse an deren Identität bestand.

Der Presserat über seine Arbeit im Jahr 2020

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