Neben der Pandemie grassiert eine "Infodemie"

Laut einer Studie fordert eine große Mehrheit junger Menschen, das Thema Desinformation verpflichtend in die Lehrpläne an Schulen aufzunehmen.

Viele Verschwörungserzählungen ranken sich um Bill Gates. Bei einer Demo in Frankfurt sah man dieses Plakat mit der Aufschrift „Bill Gates ’Geschäft = Impfungen“. Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene, so eine Studie, begegnen in der Coronakrise Falschnachrichten.

(nt/az) Fragwürdige Tipps zum Gesundheitsschutz, Verharmlosungen der Auswirkungen des Virus, jede Menge Verschwörungserzählungen: Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland, so heißt es in einer Studie, begegnen in der Coronakrise Falschnachrichten. Neben der Pandemie, sagt die Weltgesundheitsorganisation WHO, grassiere eine "Infodemie".

Befragt wurden 14- bis 24-Jährige zu ihrem Umgang mit Desinformation. Eines der Ergebnisse der im Auftrag der Vodafone-Stiftung Deutschland erstellten Studie lautete: 76 Prozent werden mindestens einmal pro Woche mit Falschnachrichten konfrontiert, online oder in den sozialen Medien. Das seien 50 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren. Zudem habe sich die Zahl derjenigen, die mehrmals täglich auf Falschnachrichten stoßen, seit dem Jahr 2019 fast verdoppelt.

Um Falschnachrichten kompetenter zu begegnen, schreibt die Vodafone-Stiftung, fordere die große Mehrheit Jugendlicher und junger Erwachsener, nämlich 85 Prozent, das Thema Desinformation verpflichtend in die Lehrpläne an Schulen aufzunehmen.

Die Studie zeigt auch: Während die Verbreitung von Falschnachrichten während der Corona-Pandemie deutlich zunimmt, wächst die Kompetenz im Umgang mit Desinformation nur langsam. Immerhin ein Drittel der jungen Menschen traue sich nicht zu, Falschnachrichten als solche zu erkennen. Unter denen mit "formal niedrigem Bildungs-Hintergrund" seien es 39 Prozent - 10 Prozent mehr als bei jungen Leuten mit einem "formal hohen Bildungs-Hintergrund.

Lebensalltag im digitalen Raum

"Bildungseinrichtungen erfüllen ihre Aufgabe hier insgesamt unzureichend", stellt die Studie fest. Nur bei 30 Prozent der jungen Deutschen seien Falschnachrichten ein Thema für den Unterricht. "Seit Beginn der Corona-Pandemie findet der Lebensalltag junger Menschen noch mehr als bisher im digitalen Raum statt. Gleichzeitig haben wir in den letzten Jahren versäumt, junge Menschen ausreichend im Umgang mit der digitaler Desinformation zu stärken", wird Inger Paus zitiert, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Vodafone-Stiftung ist. Auch Paus bekräftigt: Medieninformations-Kompetenz gehöre genauso auf die Lehrpläne wie Deutsch und Mathematik. "Wir sollten auf die Jugend hören - und die Entwicklung von Unterrichtsmaterialien und Fortbildungen für Lehrkräfte zügig vorantreiben."

Bei der Befragung gaben 64 Prozent der 14- bis 24-Jährigen an, dass es ihnen bei Nachrichten zum Covid-19-Virus schwerer falle als bei anderen Themen, glaubwürdige von unglaubwürdigen Informationen zu unterscheiden. Desinformation ist aus Sicht dieser Gruppe nicht nur ein Online-Phänomen, sondern auch Thema für klassische Medien und politische Akteure: Während die Mehrheit Falschnachrichten erwartungsgemäß mit dem Internet (75 Prozent) oder betrügerischen Absichten (73 Prozent) in Zusammenhang bringt, denkt immerhin die Hälfte bei Desinformation auch an klassische Medien wie Radio, Fernsehen oder Zeitungen (45 Prozent), oder bestimmte Politiker beziehungsweise Parteien (54 Prozent). 81 Prozent der jungen Menschen sehen in der Verbreitung von Falschnachrichten daher auch eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland.

2064 junge Leute befragt

Zur Methodik der Studie: Bei der Online-Erhebung befragte das Institut Infratest dimap Gesellschaft für Trend- und Wahlforschung mbH deutschsprachige 14- bis 24-Jährige (in Privathaushalten), die das Internet nutzen. Insgesamt waren es 2064 Studienteilnehmer.

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