Meinung: Scheinriese Söder und der Schatten Aiwangers

Markus Söder übt nach der Pleite der Union bei der Bundestagswahl spät Selbstkritik. Die Situation ist auch für die CSU brandgefährlich, meint Frank Werner.

Markus Blume (l-r), Generalsekretär der CSU, Markus Söder, CSU-Vorsitzender und Alexander Dobrindt, CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, nehmen in der Parteizentrale nach einer Sitzung des CSU-Vorstands an einer Pressekonferenz teil.
von Frank Werner Kontakt Profil
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Soll keiner behaupten, die CSU wäre auf das Debakel bei der Bundestagswahl nicht vorbereitet gewesen. Am Sonntagabend hätte man jedenfalls diesen Eindruck bekommen können. 31,7 Prozent zunächst auch noch als Erfolg zu verkaufen, dafür braucht es schon einige Mass Bier. Klar liegen die Christsozialen noch ein paar Prozent über der CDU. Aber das ist ja schon fast wie der Blick auf den Scheinriesen bei Jim Knopf in der "Augsburger Puppenkiste".

Herr Tur Tur heißt der Mann dort, vor dem sich alle wegen seiner scheinbaren Größe fürchten. Doch je näher er kommt, desto kleiner wird Herr Tur Tur. Alles eine Frage der Perspektive. Und tatsächlich scheint auch Markus Söder unter Sinnestäuschungen zu leiden. Der CSU-Chef musste erst einmal eine Nacht darüber schlafen, um festzustellen, dass die Union aus den miserablen Zahlen keinen Regierungsanspruch ableiten kann. Stehaufmännchen Olaf Scholz ist der erste Kandidat fürs Kanzleramt, das müssten auch die Zahlenakrobaten aus München erkennen.

Was ist bloß aus dem unerschütterlichen "Mia-san-mia"-Gefühl der CSU geworden? "Mia san Verlierer" geht natürlich deutlich schwerer über die Lippen. Markus Söder steht in Verantwortung für das schlechteste Ergebnis der Christsozialen seit 1949. Es sind schon Parteivorsitzende wegen weit weniger schlechten Ergebnissen zurückgetreten

Der Franke wird diesen Schritt natürlich nicht tun. Söder bleibt trotz aller Probleme unverzichtbar. Aber er hat es versäumt, neben sich starke Persönlichkeiten aufzubauen oder zuzulassen. Die Zeiten der politischen One-Man-Shows sind vorbei. Alleingänge von Alphatier Söder bringen die Partei nicht weiter. Den schwachen Unionskandidaten Armin Laschet hat er viel zu spät und viel zu halbherzig unterstützt. Dass dieser jetzt als Hauptschuldiger für das Unions-Fiasko herhalten muss, gehört zum politischen Geschäft, spricht aber nicht für eine echte Aufarbeitung der Fehler in den eigenen Reihen.

Dazu gehört auch, dass sich Söder viel zu lange von Hubert Aiwanger auf der Nase hat herumtanzen lassen. Der Stellvertreter des Ministerpräsidenten befindet sich auf einer politischen Irrfahrt, die vielleicht am rechten Rand des politischen Spektrums Beifall bringt, aber für eine bürgerliche Regierung brandgefährlich ist.

Aiwanger wird keine Ruhe geben. Der Niederbayer verspürt viel zu viel Oberwasser wegen seiner paar Prozentpunkte Zugewinn im Freistaat. Für Söder und die CSU ist das alles sehr heikel. Der Scheinriese ist stärker am Wanken, als es selbst Jim Knopf je geschafft hätte.

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Amberg
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