Kommentar Schluss mit der Bürgerbeschimpfung

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Markige Worte sind nichts Ungewöhnliches bei Markus Söder. Zu leicht machen sollte es sich der bayerische Ministerpräsident aber nicht: ein Kommentar.

Der bayerische CSU-Chef und Ministerpräsident Markus Söder lässt sich zum digitalen Neujahrsempfang der CDU in Nordrhein-Westfalen zuschalten.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil
Kommentar

Die Lockdown-Spirale nimmt immer mehr an Fahrt auf. Kaum sind die neuesten Regeln beschlossen, schon prescht Bayerns Ministerpräsident Markus Söder vor und bringt weitere "Vertiefungen" ins Gespräch. Viele Bürger, sagte Söder am Samstag beim digitalen Neujahrsempfang der nordrhein-westfälischen CDU sinngemäß, stellten sich zu Unrecht als Opfer der Pandemie dar. Denn die wahren Opfer seien die über 40 000 Toten im Zusammenhang mit dem Virus.

Das ist einerseits zwar richtig, andererseits aber auch arrogant. Corona kostet Leben, das ist die bittere Wahrheit. Doch Corona kostet auch Existenzen - in Tourismus und Gastronomie, im Einzelhandel und Kulturbereich, um nur einige zu nennen. Die wirtschaftlichen Kollateralschäden der Pandemiebekämpfung durch "Lockdown" dürften inzwischen riesig sein.

Viel zu viele Menschen suchten nach "Schlupflöchern", kritisiert Söder. Was er nicht sagt: Viel zu viele Menschen versuchen inzwischen verzweifelt zu verstehen, was bei den immer neuen Regeln genau erlaubt ist. Viel zu viele Menschen wissen nicht, wann und wo sie sich gegen Covid impfen lassen können, wie es an den Schulen ihrer Kinder weitergeht, wann sich ihre Selbsthilfegruppe wieder treffen kann, wann die Enkel endlich wieder zu Besuch kommen dürfen. Und nein, das sind keine Kinkerlitzchenprobleme, weil die andere, die unmittelbar tödliche Seite von Covid-19 so viel schlimmer ist.

Die bayerischen Bürger müssen sich von ihrem "Landesvater" nicht wie unmündige Kinder beschimpfen lassen. Auch Söder muss sich an seinen Taten messen lassen und nicht an wohlfeilen Worten.

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