Spahn fordert Vorsicht im Urlaub: Impfzentren in Bereitschaft

Die Corona-Lage entspannt sich - trotzdem zeigen sich Bund und Länder weiter besorgt über die riskanteren Virusvarianten. Doch Deutschland soll gewappnet bleiben, auch wenn jetzt viele in die Ferien wollen.

Touristen genießen die Sonne an einem Strand nahe der Stadt Kos auf der gleichnamigen griechischen Insel. Viele Menschen wollen nun angesichts der sinkenden Corona-Zahlen wieder in den Urlaub.
von Agentur DPAProfil

Bei Urlaubsreisen ins Ausland sollen trotz sinkender Corona-Zahlen den ganzen Sommer über Vorgaben zu Tests und Quarantäne greifen. "Reisen ja - aber bitte weiterhin mit Vorsicht und Umsicht", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwoch in München nach Beratungen mit seinen Länderkollegen. Die Regeln für Reiserückkehrer sollten bis mindestens Mitte September verlängert werden. Ziel sei auch, den Eintrag riskanterer Virusvarianten so lange es gehe zu verhindern. Für einen weiteren Betrieb der regionalen Impfzentren soll ein Konzept erarbeitet werden. Die Impfkampagne soll nun auch die Zahl der Menschen mit vollem Impfschutz zügig steigern.

Im Lauf der Woche werde in Deutschland die 50-Prozent-Marke bei den Erstimpfungen geknackt, so Spahn. Bis Ende Juli, Anfang August solle jedem Erwachsenen, der sich impfen lassen will, ein Impfangebot gemacht werden. Wichtiger als mitunter angenommen sei die Zweitimpfung - erst sie schütze etwa gegen die Delta-Variante des Coronavirus. 48,9 Prozent der Bevölkerung haben mittlerweile die Erstimpfung, 27,6 Prozent den vollen Impfschutz.

REISEN:

Zum Start der Sommerreisesaison rief Spahn zu Vorsicht im Urlaub auf. Die Gesundheitsminister hätten sich verständigt, dass die Reiseregeln bis mindestens Mitte September weiter gelten sollten - "mindestens bis zum Ende der Reisezeit", betonte Spahn. Festgehalten wird an der generellen Testpflicht für Flugreisende vor dem Abflug. Im Straßen- und Bahnverkehr an den Grenzen soll es verstärkt Kontrollen geben.

Spahn nannte die Regeln noch einmal: Wer aus Risikogebieten zurückkehrt, muss 10 Tage in Quarantäne, außer man weist aktiv eine Negativtestung nach. Wer aus Hochinzidenzgebieten einreist, muss 10 Tage in Quarantäne - frühestens nach 5 Tagen ist eine Freitestung möglich. Bei der Rückkehr aus einem Virusvariantengebiet gilt 14 Tage Quarantäne ohne Möglichkeit zum Freitesten. Welche Länder so eingestuft sind, veröffentlicht das Robert Koch-Institut (RKI).

REGIONALE IMPFZENTREN:

Sie sollen über den Sommer hinaus in Bereitschaft gehalten werden - etwa falls sie für Auffrischimpfungen gebraucht werden. Bund und Länder vereinbarten, dass die Länder binnen zwei, drei Wochen ein entsprechendes Bereitschaftskonzept entwickeln, wie Spahn mitteilte. Gewährleistet werden solle ein Mindestbetrieb der Zentren. Bei Bedarf sollten die Zentren schnell wieder hochgefahren werden. Der Bund sei weiter zur Finanzierung bereit, vorerst ist es bis Ende September vereinbart. In mehreren Ländern gibt es aber Pläne zu einem längeren Erhalt der Zentren, etwa in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern.

TESTS UND LONG COVID:

Die Länder wollen zudem flächendeckende Schnelltests zwei Mal pro Woche in Schulen und Kitas aufrechterhalten. Bund und Länder wollen über den Sommer ein Konzept erarbeiten, um kostenlose Bürgertests gegebenenfalls auch im Herbst und Winter fortzusetzen. Firmen sollen verpflichtet werden, in Präsenz arbeitenden Mitarbeitern weiterhin zunächst bis Ende September regelmäßig ein Testangebot zu machen. Weiter soll mit einem Nationalen Aktionsplan den Langzeitfolgen von Corona begegnet werden. Behandlungs- und Selbsthilfestrukturen zum Post-COVID-Syndrom sollen geschaffen werden.

KINDER UND JUGENDLICHE:

Alarmiert zeigten sich die Ministerinnen und Minister über Berichte, nach denen Minderjährige am meisten durch die Pandemie gelitten hätten. Nun fordern sie, der Bundestag möge eine Enquête-Kommission "Kindergesundheit in Pandemiezeiten" einrichten - Thema soll sein: die schädlichen Folgen der Corona-Pandemie für die physische und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Auch die Spät- und Langzeitfolgen der der Corona-Schutzmaßnahmen sowie einer COVID-19-Erkrankung bei Kindern sollen analysiert werden. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sagte: "Kinder dürfen nicht durch Lockdown und Schutzmaßnahmen zu Corona-Verlierern werden."

Spahn befürwortet es nach eigenen Worten, wenn im Schulunterricht vorerst noch eine Corona-Maskenpflicht beibehalten wird. Er habe "großes Verständnis" für die Bundesländer, die zumindest bis in die Sommerferien hinein dieses Maß an Sicherheit geben wollten,

Das Paul-Ehrlich-Institut soll zudem fortlaufend zum Kenntnisstand über Corona-Impfstoffe für Kinder berichten. Das RKI und die Ständige Impfkommission sollen weiterhin analysieren, "inwieweit und unter welchen Umständen eine Corona-Impfung für Kinder sinnvoll und empfohlen ist". Die Impfkommission hatte die Impfung ab 12 nur bei bestimmten Vorerkrankungen empfohlen.

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