Vertrauen in eine unabhängige Berichterstattung „ist stabil“

Eine Studie über das politische Informationsverhalten bringt die Erkenntnis: Immerhin ein Viertel der Bevölkerung glaubt, Medien und Politik würden gemeinsame Sache machen.

Junge Menschen unter 30 Jahren, das hat eine deutschlandweite Befragung ergeben, informieren sich immer häufiger in den sozialen Medien über das politische Geschehen. Youtube steht hierbei hoch im Kurs.
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

Eine der Folgen der Corona-Pandemie: In den sozialen Medien wimmelt es nur so von Verschwörungserzählungen. Generell gehe ein Viertel der Bevölkerung davon aus, dass Politik und Medien unter einer Decke steckten, heißt es in einer Mitte Januar veröffentlichten Studie der Ruhr-Universität Bochum und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) über das politische Informationsverhalten.

Youtube als politischer Info-Kanal

Die deutschlandweite Befragung, die im Sommer 2020 stattfand, habe aber auch ergeben: Traditionelle Medien würden stärker genutzt und als deutlich glaubwürdiger eingeschätzt als die sozialen. Allerdings, so hält das Institut der deutschen Wirtschaft fest, "informieren sich junge Menschen unter 30 Jahren immer häufiger in den sozialen Medien über das politische Geschehen". In dieser Altersgruppe nutzen laut der Studie 69 Prozent der Befragten dazu Youtube. Bei den über 50-Jährigen hingegen dominierten neben dem persönlichen Gespräch Radio und Fernsehen das Informationsverhalten. In der Befragung sei aber deutlich geworden, dass auch mit der Corona-Pandemie und der Protestbewegung Querdenken das Vertrauen in eine unabhängige Berichterstattung "stabil ist".

Die Auswertung der Daten brachte ferner die Erkenntnis, dass die Befragten diejenigen Medienformate als glaubwürdiger einschätzen, die sie selbst nutzen. Nutzer bestimmter Medien wie beispielsweise Youtube und Telegram seien eher Verschwörungsglauben zugeneigt.

Ein Blick in die USA zeige, wie der Gebrauch von sozialen Medien vor allem durch Donald Trump die politische Debatte während seiner Amtszeit und den Wahlkampf emotional bestimmt und auch die Verbreitung von Falschmeldungen, den sogenannten Fake News, begünstigt habe. Auch wenn in Deutschland die Glaubwürdigkeit der traditionellen Medien dann doch weit höher sei: Hier deute einiges ebenfalls auf eine zunehmende Bedeutung von Fake News und eine wachsende Verbreitung von Verschwörungsglauben hin.

Telegram ein beliebter Dienst

"Die überdurchschnittliche Nutzung von Youtube in der jüngeren Bevölkerung ist ein wichtiger Befund", wird in der Studie betont. Es gebe Belege dafür, dass bei denjenigen, die häufig auf Youtube und insbesondere auf Telegram unterwegs sind, ein "deutlich höherer" Verschwörungsglauben vorhanden sei. Algorithmus-gesteuerte Medien würden die Gefahr bergen, "dass eigene nicht-faktenbasierte Realitäten geschaffen werden, welche durch einen Klick schnell verbreitet werden können". Durch das Nutzen sozialer Medien ergebe sich folglich "die Gefahr des Ausbildens kommunikativer Parallelgesellschaften", lautet die Warnung, die in der Studie formuliert ist. Vor diesem Hintergrund sei es von Bedeutung, die Medienkompetenz von Nutzern sozialer Medien zu stärken.

Auch in der Nutzergruppe der über 30-Jährigen, so betonen die Verfasser der Studie, sollte ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass es wichtig ist, Quellen zu überprüfen. Eine Herausforderung werde es sein, geschlossene Diskursräume aufzubrechen, besonders beim Messengerdienst Telegram, der auch wegen seiner Möglichkeit, geheime Gruppen zu erstellen, so beliebt sei. Insgesamt sollte in sozialen Medien mehr Transparenz in Bezug auf Quellen eingefordert werden. Die Aktivitäten auf Telegram, inzwischen ein Ausweichmedium für die Verbreitung von extremistischen Inhalten, müssten kontrolliert und eingeschränkt werden, wird in der Studie gefordert.

Feindbild Bill Gates

Deutschland und die Welt

Sachlich berichten wichtig

"Die traditionellen Medien stehen derweil vor der Herausforderung, Diskurse zu ermöglichen und in sozialen Medien geführte Debatten zu thematisieren, ohne selbst Verschwörungserzählungen zu verbreiten", unterstreichen die Autoren. Sie halten eine Abgrenzung von der emotionalen Erzählweise sozialer Medien durch eine sachliche Berichterstattung für wichtig.

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