Whatsapp, Facebook und Youtube "Treiber von Desinformation"

Aus einer Studie geht hervor: Ältere Menschen sind nach Ansicht von Experten deutlich gefährdeter als junge Leute, Falschinformationen zum Opfer zu fallen.

Im Netz kursieren jede Menge gefälschter Nachrichten. Sie zu erkennen, ist oft nicht einfach.
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

Sowohl in Deutschland als auch weltweit sei seit Beginn der Corona-Pandemie ein Anstieg von Desinformation online zu beobachten. Parallel dazu nehme die Sorge um den Einfluss von Falschnachrichten auf das Ergebnis der in wenigen Wochen stattfindenden Bundestagswahl zu. Das sind einer Pressemitteilung zufolge Resultate einer Befragung von über 60 Experten zum Thema Desinformation im Auftrag der Vodafone-Stiftung Deutschland.

Als größte Gefahr bei der zunehmenden Verbreitung von Desinformation sähen die Fachleute die Polarisierung von Gesellschaften und die Radikalisierung Einzelner. Zwei Drittel der Befragten erwarteten außerdem eine politische Beeinflussung der Bevölkerung durch Falschnachrichten.

"Die Gefahr einer direkten Manipulation von Wahlen sehen die Experten dagegen in Deutschland geringer ausgeprägt als im weltweiten Vergleich", heißt es seitens der Stiftung.

Als Treiber von Desinformation werden die Social-Media-Plattformen Whatsapp, Facebook und Youtube genannt. Trotz einer geringeren Nutzerzahl wird außerdem der Messenger Telegram als sehr relevant für die Weitergabe von Falschnachrichten eingeschätzt.

Trotz der häufigen Thematisierung in den Medien spielten Verfälschungen durch künstliche Intelligenzen, wie Deep Fakes, in Deutschland noch eine untergeordnete Rolle, heißt es in der Pressemitteilung. Der Großteil der Desinformation in Deutschland bestehe in verzerrten Darstellungen oder Behauptungen ohne Faktenbasis. Die Gefahr, dass den meist auf Social Media verbreiteten Desinformationskampagnen Glauben geschenkt wird, sei insbesondere bei älteren Menschen sehr hoch. In dieser Altersgruppe gebe es zudem noch nicht genug Angebote und Aufklärungsarbeit zum Thema Falschnachrichten.

Um der zunehmenden Desinformation entgegenzuwirken, sehen die Befragten laut Pressemitteilung insbesondere die Social-Media-Plattformen selbst und Bildungseinrichtungen in der Pflicht.

Vor allem die Stärkung der Medienkompetenz allgemein, ein weiterer Ausbau der Bekämpfungs-Mechanismen auf den sozialen Plattformen sowie die Vermittlung von Fähigkeiten im Umgang mit Medien seien als Maßnahmen entscheidend. Dass die klassischen Medien eine große Rolle bei der Verstärkung der Reichweite von Falschnachrichten spielen, sei grundsätzlich bekannt und bestätige auch die große Mehrheit der befragten Experten. Trotzdem hätten die Medien nach Einschätzung der Fachleute auch in den vergangenen Jahren noch keine ausreichenden Strategien entwickelt, wie sie Desinformation in ihrer Berichterstattung thematisieren - ohne das Risiko einzugehen, dass Bürger der Falschinformation doch Glauben schenken.

Die Expertengruppe regte hier unter anderem an, Journalisten im berufsspezifischen Kontext noch stärker über den Umgang mit Desinformation aufzuklären. Journalisten verfügten zwar über grundlegendes Handwerkzeug zum Überprüfen von Falschinformationen, seien aber häufig zu wenig erfahren im heiklen Umgang mit den Mechanismen von Desinformationsversuchen, stellt die Studie fest.

"Grundlegend beurteilen die Experten den Begriff ,Fake News' als ungeeignet", heißt es in der Presse-Info weiter. Dieser sei zwar in der Alltagssprache fest etabliert, aber nicht klar definiert. Die Mehrheit der Fachleute betrachte den Begriff als zu unpräzise und sehe ihn durch seine Nutzung als politischer Kampfbegriff zur Diskreditierung anderer belastet.

Ausgesprochen wird sich stattdessen für Begriffe beziehungsweise Begriffspaare wie Desinformation und Missinformation oder Falschinformation. Journalisten sollten die Bezeichnung "Fake News" trotz ihres Signalfaktors sparsam nutzen, empfiehlt die Studie. Bislang fehlten belastbare Erkenntnisse darüber, inwieweit die Auseinandersetzung mit Desinformation tatsächlich zu Einstellungs- oder Verhaltungsänderungen führt.

Die Studie beruht auf einer Befragung ausgewählter Experten, die sich mindestens seit drei Jahren mit dem Thema Desinformation beschäftigen.

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