Was du nicht willst, dass man dir tut ...

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Moria ist schon in Tolkiens Herr der Ringe ein düsterer Ort. Für Europa ist das abgebrannte Flüchtlingslager Symbol eines humanitären Versagens. Jürgen Herda kommentiert die Ignoranz der westlichen Welt.

Moria, ein düsterer Ort: Migranten fliehen vor neu ausgebrochenen Feuern mit ihren Habseligkeiten aus dem Flüchtlingslager Moria, nachdem zuvor bereits mehrere Brände das Lager nahezu vollständig zerstört hatten.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

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Deutschland und die Welt

Moria? Da war doch was: Ein alter unterirdischer Komplex in Tolkiens Mittelerde, ein labyrinthisches Netzwerk von Tunneln, Kammern, Minen und Hallen. Moria, ein düsterer Ort des Schreckens.

Ein Konsens zur Aufnahme von Flüchtlingen scheint in Europa nicht mehr möglich. Regierungen aller EU-Staaten fürchten die Rechtspopulisten und schotten ihre Länder hinter Zäunen ab wie Reichenghettos.

Kuchen statt Brot?

Man sollte sich dann aber nicht wundern, wenn Menschen, die nichts zu verlieren haben, daran rütteln. Glaubt jemand wirklich, dass Flüchtlinge, die bereit sind, ein Jahr im Elendslager von Moria zu vegetieren, aus Langeweile nach Europa gewandert sind? Wer wie Marie-Antoinette angesichts hungernder Pariser sagt: "Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen", darf von der Geschichte nur bösen Spott erwarten.

Zur Erinnerung: Der relative Reichtum der westlichen Welt basiert nicht in erster Linie auf dem unglaublichen Fleiß seiner Einwohner. Industrienationen haben sich über Jahrhunderte mit Gewalt Rohstoffe ihrer Kolonien angeeignet und Menschen versklavt. Der globalisierte Kapitalismus, Grundlage für Produkte zu Cent-Preisen, tut das noch heute.

Brechts berühmte Frage leicht abgewandelt? Was ist der Einbruch in die Welt der Ausbeuter gegen die Ausbeutung der Welt? Gutmenschen fordern nichts Unmögliches. Nur so viel: Was du nicht willst, dass man dir tut, das füge keinem anderen zu!

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