23.12.2018 - 17:44 Uhr
PilsenDeutschland & Welt

"Drei Nüsse" im Böhmerwald

Es braucht keine drei Sekunden der Titelmelodie, um den Weihnachtsklassiker zu erkennen: "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel". Einer der Hauptdrehorte liegt nur eine gute Autostunde entfernt: Burg Švihov ist der Gutshof der Stiefmutter.

Unvergesslich: Die Schlussszene wurde im Hof der Burg Svihov gedreht. Der Prinz (Pavel Trávnícek ) passt Aschenbrödel (Libuse Safránková) den verlorenen Schuh an.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Burgführerin Katharina Dirriglova führt deutsche Besucher über den Hof. "Hier ist der Prinz durch das Tor geritten." Kein Tor mehr da - es war Kulisse. "Und hier war der hölzerne Balkon, an dem zu Beginn des Films die Stiefmutter herabsteigt", zeigt die Studentin auf die nackte Burgmauer. Denn: Auch den Balkon gibt's nicht. Er war für die Dreharbeiten an die Mauer montiert.

Fans dürften im Innenhof von Svihov (deutsch: Schwihau) trotzdem wunschlos glücklich sein. Der Hof ist auf den ersten Blick als Schauplatz zu erkennen. Hier ritt dem Prinzen das Aschenbrödel auf Schimmel "Nikolaus" entgegen. "Jurásek", korrigiert Katharina Dirriglova. Im tschechischen Original hat das Pferd einen anderen Namen. Und noch etwas ist anders in "Tri orísky pro Popelku": Karel Gott singt das Schlusslied

Die Burgführerin kennt beide Versionen in- und auswendig. Sie ist zweisprachig aufgewachsen. Und der Film ist diesseits und jenseits der Grenze Kult. In Tschechien wird "Drei Nüsse" an Heiligabend ausgestrahlt. Punkt 20 Uhr. "Nicht so wie in Deutschland, wo der Film ein Dutzend Mal kommt: vor, zwischen und nach den Feiertagen", lacht die 20-Jährige. Ob sie überhaupt Fan ist? "Den Film hat jeder mindestens zehn Mal in seinem Leben gesehen!"

"Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" an Weihnachten

Oberpfalz

Und trotzdem hatten die Dreharbeiten lange Zeit keinen Platz in der Geschichte der Burg. Um 1520 wurde das Wasserschlösschen fertiggestellt und kam dem Burgherrn so teuer, dass er es gleich wieder verkaufen musste. 300 Jahre war das Kastell später im Besitz der Familie Cernín, bis es 1945 vom Staat konfisziert wurde. Ab den 50ern wurde die Festung nach und nach renoviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Aktuell gibt es drei Führungen (auf Anfrage in Deutsch): durch Burg, Burgküche und auf den Turm.

Nur: Die Touristen interessiert eigentlich etwas ganz anderes als die blitzblanken Rüstungen und die wunderschöne Burgkapelle mit den Wandmalereien. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs stellte der Castellan verblüfft fest, dass Deutsche mit Drei-Nüsse-Fotos über das Gelände irrten. Inzwischen hat man sich eingestellt. In Vitrinen werden Aschenbrödels Kleider und Fotos der Dreharbeiten gezeigt. Im Frühjahr 2019 soll eine große Ausstellung über drei Etagen in der weißen Bastion eröffnet werden. "Dort können Besucher dann alles Mögliche zu den Dreharbeiten von Aschenbrödel sehen", kündigt Katharina Dirriglova an.

Ein Besuch des Prinzen zur Eröffnung - das wäre natürlich ein Coup. Pavel Trávnícek (68) trat kürzlich in der MDR-Talkshow "Riverboat" auf. Ein tschechisches Schlitzohr, wie es im Buche steht. Er berichtete lebhaft von den Dreharbeiten der tschechisch-ostdeutschen Gemeinschaftsproduktion auf der Moritzburg in Sachsen, die das Schloss des Königs darstellte. Problem nur: Es lag keine Flocke Schnee. Man schüttete Kunstschnee auf.

Ganz anders die Situation an den tschechischen Drehorten. Es schneite "ganze Federbetten", wie es Regisseur Václav Vorlíce einmal beschrieb. Der Regisseur selbst blieb auf dem Weg in den Böhmerwald mit dem Auto stecken. Die Filmcrew kämpfte sich durch hüfthohe Schneemassen. Auch eine der Außendrehorte können in Svihov besichtigt werden: Ein fünf Kilometer langer Lehrpfad führt vorbei an Aschenbrödels Obstgarten und endet am Teich des Dörfchens Mezihori. Dort plumpsen am Ende des Films Stiefmutter und Stiefschwester ins Eiswasser. Im Frühjahr wird sich der Weg nach Svihov doppelt lohnen: zur Ausstellung - und zur Blüte der vielen Apfelbäume im Okres Klatovy.

Der Burghof heute.

Und zu Zeiten der Dreharbeiten 1972.

Eine kleine Ausstellung zeigt Utensilien des Films, darunter Kleider der Prinzessin. Im April 2019 wird eine größere Ausstellung eröffnet.

Burg Svihov, 90 Autominuten von Weiden entfernt. Den Burgturm sieht man im Fernsehen nicht.

Ein Film über den Drehort:

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