28.01.2019 - 12:38 Uhr
Deutschland & Welt

Einzelhandel in Bayern wächst: nicht alle sind Gewinner

Verbraucher im Freistaat haben im vergangenen Jahr mehr gekauft - und können im just gestarteten Winterschlussverkauf bei satten Rabatten zuschlagen. Die gestiegenen Umsatzzahlen im Einzelhandel sind laut Handelsverband aber „mit Vorsicht zu genießen“.

München/Fürth (dpa/lby) - Die Bürger in Bayern haben im vergangenen Jahr mehr Geld für Konsum ausgegeben. Im Vergleich zum Vorjahr steigerte der Einzelhandel seine Umsätze um 3,2 Prozent, wie das Landesamt für Statistik in Fürth am Montag mitteilte. Nur Haushaltsgeräte, Textilien, Einrichtungsgegenstände und Produkte aus dem Baumarkt gingen schlechter über die Ladentheke. Alle anderen Sparten legten zu. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um rund 0,7 Prozent - das „freut uns natürlich“, sagte der Sprecher des Handelsverbands Bayern, Bernd Ohlmann, am Montag in München.

Die Umsatzzahlen des Einzelhandels sind laut Handelsverband jedoch „mit Vorsicht zu genießen“. Nicht alle seien auf der Gewinnerseite, sagte Ohlmann. Gerade kleine Betriebe gerieten zunehmend unter Druck. „Denen geht es bei weitem nicht so gut, wie diese Zahlen suggerieren.“ Der gestiegene Umsatz sei zu einem großen Teil auf den wachsenden Online-Handel zurückzuführen. „Die Schere zwischen groß und klein geht auch in Bayern immer weiter auseinander“, sagte Ohlmann. Es gebe einen Trend hin zu immer größeren Geschäften. Insgesamt nehme die Zahl der Geschäfte in Bayern immer weiter ab.

Vor allem der Textileinzelhandel sei ein „Sorgenkind“ und habe - wie auch in den vergangenen Jahren - weiter verloren. Der heiße Sommer habe dazu beigetragen - „kein Mensch hat Übergangsware gekauft“. Auch das Weihnachtsgeschäft sei nicht gut gewesen, laut Angaben des Statistischen Landesamtes ging der Umsatz spartenübergreifend im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Prozent zurück.

Ein Grund für das schlechte Weihnachtsgeschäft war ebenfalls das Wetter: „Der Winter ist zu spät gekommen in Bayern“, erklärte Ohlmann, warme Winterkleidung oder Wintersportartikel wurden vor Weihnachten noch nicht nachgefragt. Das sieht einige Wochen später anders aus: Zum Start des Winterschlussverkaufs (WSV) am letzten Montag im Januar ist es draußen kalt.

Das Wetter spielt den Händlern in die Karten, wie Ohlmann sagte. In den vergangenen Jahren habe das anders ausgesehen, „da hat kein Mensch an Schals gedacht“. Dennoch kommt der WSV heuer für viele „eigentlich zu früh“: Die Nachfrage nach Handschuhen, Ski und anderen Winterartikeln sei erst spät gestartet - und jetzt schon, „mitten im Winter“, werde mit Rabattaktionen angefangen. Das Ziel des WSV allerdings sei, die Lager zu räumen, erklärte der Sprecher, „und da, denke ich, stehen die Zeichen ganz gut“.

Zwar gibt es den gesetzlich geregelten WSV bereits seit vielen Jahren nicht mehr, viele Einzelhändler halten jedoch an der Rabattaktion fest. Da dem Verbraucher aber praktisch das ganze Jahr über „Prozentzeichen von den Schaufenstern“ entgegenleuchten, habe der Winterschlussverkauf - wie auch der Sommerschlussverkauf - deutlich an Schlagkraft verloren. In der Regel wird die Winterware zwei Wochen lang stark reduziert angeboten.

Statistik des Landesamts

Handelsverband Bayern

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