05.10.2020 - 18:27 Uhr
Deutschland & Welt

Ermittlungen gegen Agentur des angeklagten Hilfspflegers

Statue der Justitia. Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild
von Agentur DPAProfil

München (dpa/lby) - Nach ihrer Aussage im Mordprozess gegen einen polnischen Hilfspfleger ist auch die Chefin seiner Agentur ins Visier der Justiz geraten. Die Staatsanwaltschaft München I bestätigte am Montag, dass sie ein Ermittlungsverfahren gegen die Frau eingeleitet hat. Der Vorwurf lautet auf falsche uneidliche Aussage vor Gericht. Sie soll als Zeugin im Prozess gegen den wegen mehrfachen Mordes angeklagten Hilfspfleger falsch ausgesagt haben. „Die Ermittlungen dauern weiter an, ein Abschluss ist noch nicht absehbar“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Der 38 Jahre alte Mann ist wegen mehrfachen Mordes angeklagt. Er soll seinen pflegebedürftigen Patienten an verschiedenen Tatorten in Deutschland Insulin gespritzt haben, das in Überdosis verabreicht tödlich sein kann. Er soll über das Medikament verfügt haben, weil er - im Gegensatz zu seinen Opfern - Diabetiker ist. Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und anschließende Sicherungsverwahrung. Das Urteil soll an diesem Dienstag verkündet werden.

Nebenkläger sehen auch die Agentur in der Verantwortung, die den Polen als Haushaltshilfe vermittelte - unter anderem, weil sie Vorstrafen des Mannes verschwiegen haben soll. „Die hat sich nicht erkundigt: Kann er das? Darf er das? Und welche Vorgeschichte hat er?“, sagte Günter Neubauer, der Bruder eines mutmaßlichen Opfers, der Deutschen Presse-Agentur. „Die Agentur, die ihn vermittelt hat, ist rechtlich nicht haftbar. Aber sie ist die Instanz, die das hätte verhindern können.“ Dass es nun Ermittlungen wegen uneidlicher Falschaussage gebe, sei darum ein gewisser Trost. „Es ist für uns eine gewisse Genugtuung“, sagte Neubauer. „Weil aus unserer Sicht da die Ursache liegt.“

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