13.08.2018 - 07:58 Uhr
Deutschland & Welt

Experte: Es gibt mehr Wespen, aber keine Wespenplage

Macht die Hitze Wespen aggressiv? Haben wir im Freistaat gar eine Wespenplage? Ein Experte der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau wiegelt ab. Beachten sollte man dennoch bestimmte Dinge.

Eine Wespe beißt aus einer Scheibe Schinken ein Stück heraus. Foto: Jens Kalaene/Archiv

Veitshöchheim (dpa/lby) - Viele Menschen haben im Moment das Gefühl, dass besonders viele Wespen unterwegs sind - und das auch noch ungewohnt aggressiv. Damit haben sie nicht ganz unrecht: „Bei diesen hohen Temperaturen sind die Wespen auch etwas spritziger. Deshalb werden sie auch mehr wahrgenommen“, sagte Stefan Berg von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim (Landkreis Würzburg) der Deutschen Presse-Agentur.

Gleichzeitig gebe es wegen des warmen und trockenen Wetters im Frühjahr auch mehr Wespen, sagte Berg. „Es überwintert immer eine Königin, die das Nest im Frühjahr alleine gründet. Wenn da noch einmal Kälteperioden und Regenphasen kommen, schaffen das nicht alle Königinnen. Alles das hatten wir in diesem Jahr allerdings nicht.“

Ein weiterer Grund, weshalb die Wespen heuer stärker wahrgenommen werden, ist, dass auch sie - so wie wir Menschen - bei dem guten, trockenen Wetter länger draußen umherschwirren. „Sie haben deshalb lange Flugzeiten und müssen nicht in ihren Nestern sein“, so der Leiter des LWG-Instituts für Bienenkunde und Imkerei. Weil Wespen wechselwarme Tiere sind, werden sie auch fitter und agiler bei höheren Temperaturen. Von einer Plage will Berg aber nicht sprechen.

Hierzulande gibt es dem Fachmann zufolge neun Wespenarten. „Davon sind die allermeisten jetzt schon deutlich über ihren Zenit und die Nester haben sich schon aufgelöst.“ Die Wespen, die derzeit noch im Biergarten und beim Kuchen- und Eisessen ein Ärgernis für viele sind, sind meist die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. „Und die fliegen bis in den Oktober hinein. Die machen auch sehr starke Nester mit mehreren Tausend Wespen.“

Um schmerzende Wespenstiche zu vermeiden, sollte man Berg zufolge vor allem Essen und Getränke abdecken. „Idealerweise sollte man das vermeiden, was Wespen anlockt.“ Wenn sie aber schon da sind, kann man in Entfernung zum Kaffeetisch einen ungestörten Fressplatz für die Tiere anlegen. „Am besten einen Teller mit ein bisschen Marmelade, süßen Früchten und ein bisschen Wurst. Das gibt ihnen Proteine für die Brut.“

Peter Sefrin, Bundesarzt des Deutschen Roten Kreuzes und Ehrenvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der in Bayern tätigen Notärzte, hat eine Zunahme der Einsätze wegen der Wespen festgestellt. So habe etwa der Sanitätsdienst beim Ringparkfest in Würzburg mehr als 100 Patienten mit Wespenstichen versorgen müssen. „Das ist natürlich schon mehr als üblich. In der Größenordnung haben wir das noch nie gehabt.“ Sefrin rät, nach Stichen im Mundbereich und bei Allergikern sofort die Rufnummer 112 zu wählen und Hilfe zu fordern. „Das kann sonst lebensgefährlich sein.“

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