14.05.2018 - 12:18 Uhr
Deutschland & Welt

Fahrrad-Club: Sicheres Radwegnetz statt „Flickenteppich“

„Ja, wir san mit'm Radl da“ - so heißt es bei schönem Wetter vielerorts. Doch die Radwege sind oft ein Trauerspiel, kritisiert der Fahrrad-Club ADFC. Und sieht den Freistaat in der Pflicht.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club wünscht sich ein besseres Radwegnetz. Foto: Lino Mirgeler/Archiv

München (dpa/lby) - Anlässlich des Internationalen Tags der Familie an diesem Dienstag fordert der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Bayern ein sicheres Radwegnetz auch für Kinder und Senioren. Radwege seien oftmals zu schmal, Bordstein-Radwege endeten „nicht selten im Nichts“, kritisierte der ADFC am Montag in München. Der Freistaat müsse einen verbindlichen rechtlichen Rahmen für die Gestaltung von Radwegen schaffen - zum Beispiel in Form eines Radgesetzes. Derzeit bleibe jeder Kommune selbst überlassen, ob und in welchem Umfang sie den Radverkehr fördert. Das Ergebnis sei „ein Flickenteppich“ mit großen Lücken im Radwegenetz.
„Fahrradfahren muss für die ganze Familie sicher und attraktiv sein, nicht nur für erwachsene, robuste und routinierte Radfahrende“, sagte ADFC-Landesvorsitzende Bernadette Felsch laut der Mitteilung. Dazu müssten einheitlich gültige Qualitätsstandards, Regelwerke und Design-Vorgaben geschaffen werden.
Wie das Radwegenetz im Freistaat verbessert werden soll, ist im „Radverkehrsprogramm Bayern 2025“ festgeschrieben. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) will damit erreichen, dass 20 Prozent aller Wege in Bayern mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. 400 Millionen Euro will der Freistaat von 2016 bis 2025 vor allem in den Radwegebau entlang von Bundes- und Staatsstraßen investieren. Zudem unterstütze der Freistaat die Kommunen beim Bau von Radwegen. Ein durchgängig befahrbares Netz an Radwegen soll zudem alle Hauptorte in Städten und Gemeinden miteinander verbinden.
Herrmann hatte das Programm 2017 vorgestellt. Seit dem habe sich „wenig bis gar nichts getan“, wirft Petra Husemann-Roew, Landesgeschäftsführerin des ADFC, dem Minister vor.
Der Verein fordert mit seiner Initiative „Ein Rad-Gesetz für Bayern!“ den Freistaat dazu auf, ein Radgesetz zu schaffen oder verbindliche Vorgaben für die Gestaltung von Radwegen und für den Bau von Radschnellwegen in bestehende Gesetze zu integrieren. Zudem müssten mehr Personal und mehr finanzielle Mittel für die Umsetzung des Radverkehrsprogramms zur Verfügung gestellt werden.
Der ADFC verlangt auch, dass der Freistaat die Straßenbaulast, also die Verantwortung und Finanzierung für den Bau und Unterhalt der Radschnellwege, übernehmen soll. Denn Radschnellwegverbindungen überschritten oft kommunale Grenzen.
Das Innenministerium wies am Montag darauf hin, dass die Zuständigkeiten für Radwege sehr komplex seien. „Die Übernahme der Baulast von Radschnellwegen durch den Freistaat würde möglicherweise in Teilabschnitten die Baulast verschieben“, teilte eine Sprecherin mit. Für die Realisierung von Radschnellwegen sei eine enge und konstruktive Zusammenarbeit zwischen den Kommunen nötig.
Der Freistaat unterstütze aber auf der Basis der bestehenden Straßengesetze die Realisierung von Radschnellwegen und übernehme die Baulastträgerschaft für Abschnitte in staatlicher Zuständigkeit.

Radverkehrsprogramm Bayern 2025

Pressemitteilung des Innenministeriums vom Februar 2017

Initiative des ADFC "Ein Rad-Gesetz für Bayern"

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.