13.09.2018 - 09:08 Uhr
Deutschland & Welt

Fall Peggy: Polizeieinsatz aufgrund neuer Erkenntnisse

Im Fall der toten Peggy gibt es neue Erkentnisse. Anwesen in Marktleuthen (Kreis Wunsiedel) und Lichtenberg wurden von der Polizei durchsucht. Die Polizei dementierte aber Medienberichte, wonach es ein Geständnis gegeben habe.

Ein Gedenkstein mit dem Porträt des Mädchens Peggy auf dem Friedhof. Foto: David-Wolfgang Ebener/Archiv

Marktleuthen (dpa) - Im Fall der toten Peggy hat die Polizei in Oberfranken aufgrund neuer Erkenntnisse mehrere Anwesen durchsucht. "Es gab einen umfangreichen Polizeieinsatz", sagte Jürgen Stadter von der Polizei Oberfranken am Donnerstag zu den Durchsuchungen vom Mittwoch in Marktleuthen und Peggys Heimatort Lichtenberg im Norden von Bayern. Dabei seien Personen vernommen worden. Medienberichte, wonach es eine Festnahme oder sogar ein Geständnis gegeben habe, dementierte der Sprecher. Es gebe keinen neuen Tatverdächtigen. "Es ist derzeit niemand in Haft."

Details zu dem Einsatz wollte die Polizei am Nachmittag bekanntgeben. Peggys Schicksal zählt zu den rätselhaftesten Vermisstenfällen in Deutschland. Am 7. Mai 2001 war die damals neunjährige Peggy auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Gut 15 Jahre später, am 2. Juli 2016, fand ein Pilzsammler Teile ihres Skeletts in einem Waldstück in Thüringen - knapp 20 Kilometer von Peggys Heimatort Lichtenberg entfernt.

Am Fundort entdeckten die Ermittler auch DNA des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt. Wie sich später herausstellte, war der Grund für den Zusammenhang aber eine Verunreinigung bei der Spurensicherung. Eine Gen-Spur Böhnhardts, die an einem zwölf mal vier Millimeter großen Textilstück entdeckt worden war, habe zweifelsfrei einem Kopfhörer Böhnhardts zugeordnet werden können, teilten die Ermittler später mit. Eine Täterschaft des NSU-Mitglieds ist ihren Angaben nach auszuschließen. Allerdings war Peggys Tod deshalb auch Thema im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht: Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe bestritt dort, etwas über die getötete Peggy gewusst zu haben.

Die Ermittler haben den Fall bis heute nicht gelöst. Sie hatten im Laufe der Jahre aber mehrere Verdächtige im Visier. Der deutschlandweit bekannteste Fall ist der eines geistig Behinderten, den ein Gericht 2004 als Mörder von Peggy verurteilte. Zehn Jahre später wurde er aber in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen.

Im vergangenen Jahr hatte sich eine Gruppe von Bürgern aus Lichtenberg mit einem "Hilferuf" an die Öffentlichkeit gewandt. Darin warfen die elf Unterzeichner den Ermittlungsbehörden gravierende Fehler und Schlamperei vor. Sie sprachen von einem "Polizei- und Justizskandal" und einseitigen Ermittlungen. Viele Hinweise aus der Bevölkerung seien ignoriert worden und Zeugenaussagen aus den Akten verschwunden. Unter den Unterzeichnern sind Lichtenbergs Bürgermeister Holger Knüppel und mehrere Stadträte. Der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel wies die Vorwürfe zurück.

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