08.05.2018 - 15:56 Uhr
Deutschland & Welt

Kriminalstatistik 2017: Die gefühlte Unsicherheit wächst

In Deutschland werden weniger Straftaten verübt. Aber auch die Kriminalstatistik hat Lücken - je nach Bereich sogar ziemlich große. Und jenseits aller positiven Zahlen wächst das Unwohlsein.

von Agentur DPAProfil

Berlin. Die aktuelle Kriminalstatistik enthält viele gute Nachrichten. Weniger Diebstähle. Weniger Gewalt. Die Zahl der politisch motivierten Gewalttaten geht in Deutschland zurück. Trotzdem gaben bei einer repräsentativen Umfrage im März 44 Prozent der Befragten an, sie fühlten sich heute weniger sicher als noch vor Jahren. Wie kann das sein?

Ein Grund ist sicher die wachsende Verfügbarkeit von Nachrichten über Straftaten. Ein atemlos kommentiertes Handy-Video vom Tatort eines Verbrechens hat einen stärkeren Effekt auf den Betrachter als eine Nachricht in den Abendnachrichten, die ein TV-Sprecher mit ruhiger Stimme vorliest. Das Teilen von Informationen über soziale Medien führt außerdem dazu, dass eine Messerattacke in der Berliner U-Bahn auch Menschen im ländlichen Vorpommern verunsichert.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) glaubt, dass auch "gute Beleuchtung auf Straßen und Plätzen" und "ein sauberes Straßenbild" dazu beitragen können, dass sich die Menschen sicher fühlen. Er ist außerdem überzeugt, dass die Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Asylbewerber mit und ohne Papiere im September 2015 nicht an der Landesgrenze zurückzuweisen, das Vertrauen vieler Bürger in das Funktionieren des Rechtsstaats erschüttert hat.

In der Tat weist das Bundeskriminalamt (BKA) ausdrücklich darauf hin, dass bestimmte Vergehen gar nicht erfasst werden: Staatsschutzdelikte, Verkehrsvergehen, Ordnungswidrigkeiten, Delikte aus dem Finanz- und Steuerbereich, bei denen nicht die Polizei sondern andere Behörden ermitteln.

Wie sicher sich die Bürger fühlen, hat aber auch damit zu tun, wie viele Täter dingfest gemacht werden. Und da gibt es durchaus Unterschiede. Vor allem Berlin und Hamburg fallen hier negativ auf. In diesen beiden Großstädten wurden im vergangenen Jahr von 100 statistisch erfassten Straftaten im Schnitt jeweils weniger als 45 Delikte aufgeklärt. In Frankfurt am Main wurden dagegen rund 64 von 100 Straftaten aufgeklärt. Im Vergleich der Bundesländer hatten Bayern (66,8 Prozent), Rheinland-Pfalz (64,4 Prozent) und Thüringen (64,5 Prozent) die höchsten Aufklärungsquoten.

Zu den wenigen Deliktgruppen, bei denen die Polizei im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg verzeichnet hat, gehören Verstöße gegen das Waffengesetz. Sie nahmen 2017 um 10,3 Prozent auf rund 38 000 Fälle zu. Auch das könnte ein Hinweis auf steigende Unsicherheit in der Bevölkerung sein.

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