Ein herzzerreißendes Foto

Ein junger Mann und seine Tochter ertrinken auf der Suche nach einem besseren Leben. Etliche Medien zeigen das Foto mit den beiden Toten. Wir nicht.

Ein anderes Foto, gegen dessen Veröffentlichung es keine Bedenken gibt: Mexikanische Beamte stehen an der Stelle, wo die Leichen eines Migranten aus El Salvador und seiner fast zweijährigen Tochter am Ufer des Rio Grande im mexikanischen Matamoros gefunden wurden. Der Vater und sein Kind waren beim Versuch, den Fluss nach Brownsville in Texas, USA, zu überqueren, ertrunken.
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

Fernab von Europa finde eine neue Migrationskrise statt, diesmal in Amerika, schreiben die beiden dpa-Korrespondenten in ihrem Artikel. Das ganze Elend dieser Krise mache ein erschütterndes Foto deutlich, das nach Einschätzung der Journalisten zu ihrem Symbol werden könnte.

Dazu heißt es in dem dpa-Bericht: "Es ist ein Foto, das einem das Herz zerreißt: Die knapp zweijährige Tochter hat ihr Ärmchen um den Hals ihres jungen Vaters gelegt, als suche sie seinen Schutz. Ihr Kopf ist ganz dicht neben seinem, die Gesichter sieht man nicht, weil sie unter Wasser sind. Die beiden Leichen liegen im Rio Grande, dem Grenzfluss zwischen Mexiko und den USA. Dort sind Óscar M. und die kleine Valeria aus El Salvador ertrunken, auf der Suche nach einem besseren Leben in den USA." Das Foto, schreibt die Deutsche Presse-Agentur weiter, wecke Erinnerungen an das des Flüchtlingsjungen Alan Kurdi, das im September 2015 um die Welt ging und zum Symbol für die damalige Flüchtlingskrise in Europa geworden sei.

Der Dreijährige aus der nordsyrischen Stadt Kobane war auf einem Boot, das vor der türkischen Halbinsel Bodrum sank, seine Leiche wurde an den Strand gespült. Auch sein Bruder und die Mutter ertranken damals im Mittelmeer. Heute trägt ein deutsches Rettungsschiff den Namen des Jungen.

Und dann war da noch das Foto der kleinen Yanela Sanchez aus Honduras, das im Sommer 2018 betroffen machte. Es zeigt, wie das Mädchen weint, während die Mutter in Texas von US-Grenzschützern durchsucht wird. Das Motiv wurde Weltpresse-Foto des Jahres 2018.

Info:

Dieses Foto wollten wir nicht zeigen

Ein kleines Mädchen, das zusammen mit seinem Vater tot in einem Grenzfluss zwischen den USA und Mexiko liegt – wir haben uns entschieden, in der Ausgabe vom vergangenen Donnerstag nur einen kurzen Text zu bringen und auf eine Veröffentlichung des Fotos zu verzichten. Aus ethischen Gründen.

Natürlich haben Medien eine Informations- und Aufklärungspflicht gegenüber der Öffentlichkeit. Ethisches Handeln könne und dürfe nicht reales Leid ausblenden, sagt zum Beispiel der bekannte Medienethiker Christian Schicha. Für ihn gibt es aber auch zahlreiche Gründe gegen das Zeigen von sogenannten Schockbildern. Sie würden zum Beispiel voyeuristische Interessen fördern. Wer solche Fotos veröffentlicht, der setze sich damit durchaus dem Vorwurf des Sensationsjournalismus aus.

Bei der Entscheidung, das Foto des toten Mädchens und des toten Vaters nicht zu bringen, orientierten wir uns auch am Pressekodex, in dem es heißt: „Die Presse verzichtet auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid.“ (kan)

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