14.10.2021 - 00:26 Uhr
Deutschland & Welt

„Hunger ist Mord“: Über 800 Millionen Hungernde weltweit

Das Ziel der Vereinten Nationen, den Hunger bis 2030 zu besiegen, rückt in immer weitere Ferne. Krisen und Kriege verschärfen die Lage. Welthungerhilfe und Minister Müller schlagen Alarm.

Marisoa und ihre Kinder leiden aufgrund des Nahrungsmangels in Madagaskar an Unterernährung. (Archivbild). Foto: Tsiory Andriantsoarana/WFP/dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin (dpa) - Die Welthungerhilfe verzeichnet in ihrem jährlichen Index Rückschritte wegen Konflikten und den Folgen des Klimawandels.

„Die Welt ist bei der Hungerbekämpfung vom Kurs abgekommen und entfernt sich immer weiter vom verbindlichen Ziel, den Hunger bis 2030 zu besiegen“, teilte die Organisation zur Veröffentlichung des Welthungerindex 2021 mit.

Weltweit hungern demnach etwa 811 Millionen Menschen und 41 Millionen leben am Rande einer Hungersnot. Besonders dramatisch sei die Lage in Somalia, Jemen, Afghanistan, Madagaskar und dem Südsudan.

Der neue Welthungerindex untersucht die Ernährungslage in 128 Ländern und bestätigt „die deutlichen Rückschritte bei der Hungerbekämpfung“. 47 Länder werden demnach bis 2030 noch nicht einmal ein niedriges Hungerniveau erreichen, 28 davon liegen in Afrika südlich der Sahara.

„Unsere Befürchtungen im letzten Jahr haben sich leider bestätigt. Hungersnöte sind zurück und multiple Krisen lassen die Zahl der Hungernden immer weiter steigen“, so Marlehn Thieme, Präsidentin der Welthungerhilfe. „Die Corona-Pandemie hat die angespannte Ernährungslage in vielen Ländern des Südens noch einmal verschärft und Millionen Familien haben ihre Existenzgrundlage verloren. Die größten Hungertreiber bleiben aber Konflikte und der Klimawandel.“

Auch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller schlägt Alarm. „Die Folgen der Corona-Pandemie und viele Konflikte haben in den letzten Jahren zu einer negativen Trendwende geführt: Millionen Menschen stehen ohne Arbeit auf der Straße, Versorgungsketten sind unterbrochen, Lebensmittelpreise steigen“, sagte der CSU-Politiker der „Augsburger Allgemeinen“. „130 Millionen Menschen sind so in Hunger und Armut zurückgefallen“, betonte der Minister. Der Klimawandel verschärfe die Lage.

„Wir müssen Hunger- und Armutsbekämpfung endlich als vorausschauende Friedenspolitik verstehen - und ganz oben auf die Agenda der Weltpolitik setzen“, forderte Müller vor dem Welternährungstag am 16. Oktober. Er verwies auf 15.000 Kindern, die jeden Tag verhungern. „Das ist ein unglaublicher Skandal“. Müller fügte hinzu: „Hunger ist Mord, denn wir haben das Wissen und die Technologie, alle Menschen satt zu machen.“

Eine Welt ohne Hunger sei grundsätzlich möglich, machte Müller deutlich. „Mit rund 40 Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr für eine nachhaltige Ernährungs- und Landwirtschaft durch die Industrieländer, Privatwirtschaft und Entwicklungsländer kann der Hunger bis 2030 besiegt werden.“

© dpa-infocom, dpa:211014-99-588099/5

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