02.03.2021 - 08:28 Uhr
IllschwangDeutschland & Welt

Historisches Werk als E-Book: Die Steffelbauern in neuem Gewand

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18 Jahre nach dem Erfolg als Fortsetzungsroman im "Neuen Tag" bringen "Yellow King Productions" aus Illschwang Josef Forsters "Kienspan&Rockenstube" als E-Book und Hörbuch heraus. Produzent Mario Weiß erzählt, wie es dazu kam:

Mario Weiß (rechts) bewahrt die Oberpfälzer Vergangenheit durch digitale Medien vor dem Verblassen.
von Anke SchäferProfil

Von Anke Schäfer

ONETZ: Herr Weiß, zu den Lesern der ursprünglichen Fortsetzungsausgabe im „Neuen Tag“ haben Sie wohl noch nicht gezählt. Wie und wann ist Ihnen „Kienspan & Rockenstube“ untergekommen?

Mario Weiß: Das Buch bekam mein Vater zu seinem 50. Geburtstag geschenkt. Damals war das Interesse für die Heimat bei mir noch nicht so ausgeprägt wie heute und auch der Gedanke an einen eigenen Verlag ungeboren. Mitte letzten Jahres hat mir meine Mutter dann eines Samstags beim Frühstück „Kienspan & Rockenstube“ auf den Tisch gelegt und gesagt: „Das musst du mal lesen! Wäre doch was für ein Hörbuch.“ Ich habe mich sofort darauf gestürzt und binnen einer halben Tasse Kaffee Herrn Forster angerufen und gefragt, ob er Lust auf eine Zusammenarbeit hätte.

ONETZ: Die Kernkompetenz von „Yellow King Productions“ liegt ja eher im Genre Grusel und Horror. Was hat Sie an den Alltagsszenen eines Oberpfälzer Bauernhofes um 1900 so elektrisiert, dass Sie sich an die Neuauflage als E-Book und demnächst auch Hörbuch gewagt haben?

Mario Weiß: Zum einen gehört es für mich zu den Aufgaben eines Verlages, gute Geschichten zu finden und in diesem Fall sogar regionale Geschichte für die Ewigkeit zu konservieren. Es ist wichtig, dieses Wissen zu bewahren. Da es das Buch noch nicht in digitaler Form gab, fand ich es großartig, meinen Teil beitragen zu dürfen. So ein E-Book ist auch für ältere Menschen toll, weil man die Schrift größer machen kann und wenn jemand nicht gut oder gar nichts sieht, kann er sich das Hörbuch anhören – barrierefreie Unterhaltung sozusagen.

ONETZ: Steckt vielleicht noch mehr dahinter?

Mario Weiß: Es war die Suche nach den archaischen Wurzeln der eigenen Inspiration. Ja, der Schwerpunkt liegt bei den Genres Grusel und Horror, aber irgendwoher muss die Faszination von düsteren und phantastischen Themen ja kommen. Mit ihrer wunderschönen Natur und mystischen Sagenlandschaft ist die Oberpfalz für mich die größte Muse. Gleich einem Kaleidoskop, das man immer bei sich trägt und durch das man die Dinge aus einem kreativeren Blickwinkel betrachten kann.
Die Frage war, woher stammt dieses stoische „Sich-etwas-erarbeiten-wollen“, aber gleichzeitig die Genügsamkeit und Zufriedenheit mit dem was man hat? Ich dachte mir, das Eintauchen in die hiesige Vergangenheit kann solche Fragen vielleicht beantworten.

ONETZ: Haben Sie darüber hinaus auch Bezüge zur Gegenwart entdeckt?

Mario Weiß: Ja, die aktuelle gesundheitliche Situation durch Covid-19, die einen dazu auffordert, zum Wesentlichen zurückzukehren. Ich fragte mich dabei automatisch: „Wie war denn das damals? Da hatten die Menschen nicht viel und mussten tagtäglich weitaus schlimmere Dinge durchleben. Was also bringt uns so aus der Fassung, dass wir tonnenweise Klopapier kaufen und denken die Welt geht unter?“. Da kam das Buch genau zur rechten Zeit. Tradition hat ja auch etwas mit Routine zu tun und die kann einem durchaus Sicherheit und Beständigkeit geben. Aus Vergangenem kann man immer lernen und unsere Gegenwart ist in einer Zukunft auch wieder die Vergangenheit für jemand anderen. Der Roman ist für mich daher symbolisch. Man muss sich weiterentwickeln, sollte dabei aber seinen Wurzeln treu bleiben.

ONETZ: Sie haben dafür das aus dem Jahr 2003 stammende Original von Josef Forster gründlich überarbeitet. Was genau haben Sie angepasst?

Mario Weiß: Das Lektorat oder nochmalige Durcharbeiten des Textes hat in erster Linie der Vorbereitung für die Hörbuchumsetzung gedient. Sprecherin Birgit Arnold aus Eberfing, mit der ich schon viele andere Bücher vertont und veröffentlicht habe, steht dem Verlag mit ihrer Expertise zur Seite. Wir sind ein gutes Team. Es geht z.B. darum Wortwiederholungen zu reduzieren – das fällt beim Lesen oft niemandem auf, aber beim Hören schon –, hier und da mal den Satzbau anzupassen, eventuelle Tippfehler zu korrigieren oder auch kleinen inhaltlichen Dingen noch ein bisschen Feinschliff zu geben, ohne merklich in den Schreibstil einzugreifen. Die Kommunikation mit dem Autor ist dabei das A und O.

ONETZ: Ein zeitaufwändiges Unterfangen?

Mario Weiß: Klar braucht das einen Moment. Ich arbeite beim Erstellen der E-Books meist mit Axel Weiß aus Duisburg zusammen. Er hat auch das Cover gestaltet. Obwohl mir immer wieder irgendwo was eingefallen ist, war er geduldig bis zum Schluss. Es ist schön, die ganze Kraft in etwas zu stecken. Das spürt man am Ende. Die eigene Zeit ist mir dabei nicht so wichtig – vergehen tut sie sowieso, da kann man sie auch nutzen! Aber toll wäre es, wenn viele Leute das Buch lesen und dadurch mehr über die Oberpfalz, ihre spannenden alten Bräuche und das Leben von damals erfahren. Muss ja nicht immer „Harry Potter“ sein oder „Dampfnudelblues“!

ONETZ: Hatten Sie währenddessen auch Kontakt zum Autor?

Mario Weiß: Josef Forster und ich kommunizierten regelmäßig. Wenn jemand so viel Zeit in eine Sache investiert hat, soll er sein Werk in guten Händen wissen. Wir haben oft Mails geschrieben und auch das ein oder andere Mal telefoniert, wenn ich bei der Überarbeitung etwas nicht verstanden oder einen Vorschlag hatte. Auch war es mir wichtig, dass der Autor in den Entstehungsprozess involviert ist, Mitspracherecht hat und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Die Zusammenarbeit hat mir großen Spaß gemacht!

ONETZ: Nachdem Sie sich intensiv mit der Geschichte auseinandergesetzt haben: Betrachten Sie manche Tradition und Gewohnheit jetzt mit anderen Augen?

Mario Weiß: Eigentlich gar nicht mal so. Ich bin selbst ein Mensch mit einem sehr ritualisierten Alltag, der Traditionen pflegt, feste Arbeitsabläufe schätzt und nicht immer alles haben muss. Aber ich habe aus „Kienspan & Rockenstube“ sehr viele andere Dinge mitgenommen, möchte mehr Sightseeing in der Gegend machen und mit Sicherheit noch das ein oder andere Buch zum Thema lesen. Einen Brauch werde ich aber definitiv für mich übernehmen, nur den verrate ich nicht (lacht). Ich glaube, ich wäre ein guter, aber strenger Bauer gewesen.

Das lesen die Redakteure von Oberpfalz-Medien

Weiden in der Oberpfalz
Buchcover
Hintergrund :

Zum E-Book und Hörbuch

Das E-Book ist voraussichtlich ab 15. März in allen gängigen Shops erhältlich. Das Hörbuch erscheint voraussichtlich gegen Ende des Jahres als Download bei Audible, Amazon und BookBeat.

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