30.12.2019 - 06:10 Uhr
Deutschland & Welt

Kriminalbeamte fordern mehr Kollegen für Cybercrime

Im Internet haben sich hochkriminelle Strukturen gebildet - nicht nur im Darknet. Die Täter agieren international und so professionell, dass die Ermittler in Bayern mehr als ausgelastet sind.

Ein Zahlencode läuft über einen Bildschirm. Foto: Nicolas Armer/dpa/Archivbild
von Agentur DPAProfil

Fürth (dpa/lby) – Der Bund Deutscher Kriminalbeamter in Bayern (BDK) fordert angesichts wachsender Aufgaben mehr Kollegen im Bereich Cybercrime. „Weil Verdächtige heutzutage häufig mehr als nur ein Handy haben und weltweit vernetzt sind, kann das Auslesen und Auswerten der Daten teilweise Jahre dauern“, sagte ein Sprecher des BDK mit Sitz in Fürth der Deutschen Presse-Agentur.

Demnach sind derzeit etwa 100 Personen in diesem Bereich tätig. Sie unterstützen die Kriminalpolizei beim Auslesen von Smartphones und Computern. Hier werden Cybercops und Cyberermittler eingesetzt. Erstere sind Informatiker, die nach ihrem Studium bei der Kriminalpolizei einsteigen. Als Cyberermittler werden Kriminalbeamte bezeichnet, die sich im Zuge ihrer Ausbildung spezialisiert haben.

„Je mehr Polizeibeamte sich um Cybercrime kümmern können, desto besser ist es für den Bürger“, stimmte Oberstaatsanwalt Thomas Goger grundsätzlich zu. Der stellvertretende Leiter der Zentralstelle Cybercrime Bayern betonte aber, dass der Freistaat noch vergleichsweise gut aufgestellt sei. Das Innenministerium wiederum verwies hierbei auf die Verantwortung der einzelnen Polizeipräsidien, das Personal entsprechend zu verteilen.

Auch die Zentralstelle Cybercrime Bayern habe einen besseren Personalschlüssel als die meisten Bundesländer, so Goger. 14 Staatsanwälte ermitteln dort derzeit wegen Internetbetrugs, Kinderpornografie im Netz und Online-Handel mit Betäubungsmitteln oder Waffen. Nur in Nordrhein-Westfalen und Hessen gebe es eine ähnliche Aufstellung.

Doch nicht nur im Bereich Cybercrime gibt es nach Ansicht des BDK Personalmangel. Es brauche grundsätzlich mehr Stellen bei der Kriminalpolizei in den ländlichen Gebieten, forderte der Verband. Häufig müsse Personal von anderen Präsidien zur Unterstützung herangezogen werden. Da deren Stellen aber nicht offiziell bei der Kriminalpolizei geführt sind, fehle die Planungssicherheit.

Das Ministerium kündigte an, bis 2023 jedes Jahr 500 Stellen bei der Polizei schaffen zu wollen. Im Moment gebe es rund 43 000 Stellen, den „derzeit höchsten Stellenbestand aller Zeiten“, so ein Sprecher. Zudem prüfe man die Möglichkeit eines Direkteinstiegs. Bislang arbeiten die Beamten nach der Ausbildung erst bei der Streife und könnten im Alter von 35 bis 40 Jahren als Kriminalbeamte anfangen.

Homepage Bund Deutscher Kriminalbeamter Landesverband Bayern

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