15.10.2020 - 12:31 Uhr
Deutschland & Welt

Kritik an Spahn wegen Grippeimpfstoff

Wegen der Corona-Krise wollen sich mehr Menschen als sonst gegen Grippe impfen lassen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ruft zur Impfung auf und versichert: Es gibt genug Impfstoff. Doch gegen diese Aussagen regt sich Unmut.

Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer. Foto: Guido Kirchner/dpa/Archiv
von Agentur DPAProfil

München (dpa) - Ärzte und Patientenschützer haben Aussagen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Verfügbarkeit von Grippeimpfstoff kritisiert. Der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) sagte am Donnerstag, er könne Spahns Aussage, es bestünden keine Engpässe bei Grippeimpfstoffen, nicht so stehen lassen. Fakt sei, dass in Bayern viele Praxen noch nicht einmal die vorbestellten Impfstoffe komplett erhalten hätten. Nachbestellungen seien zwar möglich, jedoch zeitlich nicht absehbar. „Ob in Zukunft fristgerecht geliefert werden wird, ist eine Hypothek auf die Zukunft“, sagte Quitterer.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, warf dem Minister vor, bei der Grippeimpfung Chaos angerichtet zu haben. „Wochenlang trommelt Jens Spahn dafür, sich impfen zu lassen. Doch jetzt fehlen landauf und landab die Impfdosen, und plötzlich heißt es vom Ressortchef, zunächst sollen nur Risikogruppen den Schutz erhalten“, sagte Brysch. „Das schürt maximal Verunsicherung.“

Quitterer appellierte an die Politik, sie solle „nicht nur die Bevölkerung zum Impfen aufrufen, sondern auch sicherstellen, dass die impfwilligen Patientinnen und Patienten, vor allem die Risikopatienten und chronisch Kranken, diese Impfung auch erhalten können“. Die Nachfrage bei Grippeimpfungen sei in diesem Jahr auch in Bayern sehr hoch. Daher seien in einigen Hausarztpraxen die ersten Impfdosen bereits verimpft.

Spahn hatte am Mittwoch Befürchtungen vor Versorgungsengpässen beim Grippeimpfstoff zurückgewiesen und besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen dazu aufgerufen, sich impfen zu lassen. Es könne momentan lokal und zeitlich zu Lieferengpässen kommen, das heiße aber nicht, dass es Versorgungsengpässe bei diesem Grippeimpfstoff gebe. Das Bundesgesundheitsministerium hat nach eigenen Angaben für diese Saison 26 Millionen Dosen bestellt, laut Spahn so viel wie noch nie.

Fragen und Antworten des Robert Koch-Instituts zur Grippeimpfung

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