10.05.2018 - 20:48 Uhr
Deutschland & Welt

Ärztetag stimmt nach langer Debatte für die Zulassung von Online-Behandlungen Per Mausklick zum Arzt

Erfurt. Der Deutsche Ärztetag machte in Erfurt den Weg frei für eine ausschließliche Fernbehandlung durch in Deutschland ansässige Mediziner über digitale Medien. Die 250 Delegierten beschlossen nach kontroverser Debatte mit großer Mehrheit eine entsprechende Änderung der Musterberufsordnung für Ärzte. Die Entscheidung muss nun von den Landesärztekammern regional umgesetzt werden. Doch das Echo ist geteilt.

von Agentur DPAProfil

"Das persönliche Arzt-Patienten-Verhältnis wird weiter das dominierende Element in der ärztlichen Behandlung bleiben", versicherte der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery. Bislang waren Ärzten in Deutschland solche Fernbehandlungen nur nach einer persönlichen Untersuchung erlaubt.

Nach dem Beschluss des Ärztetages ist Medizinern nun "im Einzelfall" eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über digitale Medien möglich, wenn dies medizinisch vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt bei Diagnostik, Beratung, Therapie und Dokumentation gewährleistet wird. Außerdem müssen die Patienten von ihrem Arzt über die Online-Behandlung aufgeklärt werden. "Beide müssen wissen, was sie tun, und sich darüber einig sein", sagte Montgomery.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mahnte, nun müssten die neuen Möglichkeiten auch so genutzt werden, "dass die Patienten auch wirklich etwas davon haben". Spahn zeigte sich überzeugt, dass mit Online-Sprechstunden Patienten unnötige Wege und Wartezeiten erspart werden. Der Deutsche Hausärzteverband warnte indes davor, dass das neue Angebot "als Kostensparprogramm für Krankenkassen missverstanden" werden könne. Nachteile befürchtet auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz. "Verlierer sind vor allem für pflegebedürftige und schwerstkranke Menschen, die auf ihren Mediziner daheim hoffen", erklärte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. "Die ausländischen Call-Center-Betreiber reiben sich vor Freude über den neuen Markt die Hände."

Diese Sorge hatten auch mehrere Mediziner in der Debatte auf dem Ärztetag geäußert. Der Ärztetag solle "diese Büchse der Pandora jetzt nicht aufmachen", sagte ein Arzt aus Niedersachsen. Der Dammbruch sei bereits eingetreten, erklärte ein Mediziner aus Baden-Württemberg und verwies auf bestehende Online-Angebote. Die Ärzte hätten mit einer Änderung der Berufsordnung die Chance zu bestimmen, "wohin das Wasser fließt".

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