18.01.2019 - 14:59 Uhr
Deutschland & Welt

Mehrere Tausend Teilnehmer bei Klima-Demos in Bayern

Sei Wochen demonstriert die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg immer freitags für Klimaschutz. Dem eifern nun auch Schüler in Bayern nach. Das ist nicht unumstritten.

Schüler demonstrieren mit selbstgemalten Plakaten vor der Universität in München für den Klimaschutz.

Würzburg/München (dpa/lby)- In bayerischen Städten sind am Freitag Hunderte Schüler auf die Straße gegangen, um für eine andere Klimapolitik zu demonstrieren. Das hat eine Diskussion ausgelöst, ob Schüler für einen solchen Zweck den Unterricht schwänzen dürfen. Ihnen steht offiziell kein Streikrecht zu.

 

Die Landtagsfraktionen von SPD und Grünen plädierten dafür, ein Auge zuzudrücken. „In einer Zeit, in der allerorten nach mehr politischem Einsatz von Schülerinnen und Schüler gerufen wird, ist es der falsche Weg, bei dem heute stattfindenden Schülerstreik im Namen des Klimaschutzes direkt nach Strafen zu schreien“, erklärte die bildungspolitische Sprecherin der Landtags-SPD, Margit Wild. Die schulpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Anna Toman, sagte: „Alle reden von politischer Bildung und Politikverdrossenheit, wenn aber Schülerinnen und Schüler sich für ihre Umwelt einsetzen, werden sie bestraft. Das ist paradox.“ Die Demos zeigten, „dass Jugendliche längst erkannt haben, wie ernst es um unseren Planeten bestellt ist“. Auch die bayrischen Linken unterstützen die Klima-Demos.

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sagte: „Ich freue mich über alle Schülerinnen und Schüler, die an unserer Demokratie aktiv mitwirken und sich für den Klimaschutz engagieren.“ Bei allem Einsatz für die Sache müssten sie sich aber an bestimmte Spielregeln halten: „Wir haben in Bayern Schulpflicht. Sich für eine sinnvolle Sache politisch zu engagieren, hängt ja nicht von der Tageszeit ab.“ Im Unterricht gebe es im Übrigen zahlreiche Möglichkeiten, sich mit Themen wie Umweltschutz und Klimawandel zu beschäftigen.

CSU-Bildungspolitiker Gerhard Waschler kritisierte: „Die Teilnahme am Unterricht kann niemals ins Belieben Einzelner gestellt werden.“ Demos könnten auch sehr gut unter der Woche in der schulfreien Zeit oder am Wochenende stattfinden. Mit Blick auf Grüne und SPD sagte er: „Es ist anbiedernd und gleichzeitig politisch kurzsichtig, wenn diese Parteien das Schulschwänzen für scheinbar politisch korrekte Ziele erlauben. Was würden diese Parteien denn machen, wenn Schüler während der Schulzeit für eine AfD-Veranstaltung schwänzen?“

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, sprach sich im Bayerischen Rundfunk für Nachsitzen aus. Er würde eher anordnen, dass Schulschwänzer den verpassten Unterricht am Nachmittag oder Abend nachholten - in Form von Diskussionsrunden zu Klimaschutz.

Alleine in Würzburg gab es nach Angaben der Polizei zu Spitzenzeiten 1000 Teilnehmer bei der Demonstration, vor allem Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren. In München verzeichnete die Polizei 750 Teilnehmer; die regionalen Organisatoren selbst sprachen von 1200 bis 1800 Leuten. Auch in Nürnberg demonstrierten laut Polizei 350 Schüler. Für Bayreuth ging die Polizei von 100 bis 120 Teilnehmern aus, die Organisatoren von 200 Personen. Für Erlangen gaben die Veranstalter 700 Demonstranten an, für Kempten 250 bis 300.

Unter dem Stichwort „Fridays for future“ hatten Schüler und Studenten in mehr als 60 deutschen Städten - darunter etwa ein Dutzend in Bayern - zu Protesten aufgerufen. Die Schüler organisieren sich vor allem über WhatsApp-Gruppen. Auch in anderen Ländern gibt es solche Proteste. Als Vorbild gilt die 16-jährige schwedische Schülerin Greta Thunberg, die seit 22 Wochen freitags für Klimaschutz demonstriert.

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