Süd-Ost-Link ein Milliardengrab?

Drei Fragen an Josef Langgärtner, Sprecher der Bürgerinitiative "NEW gegen die Trasse" zur Demonstration am Samstag in Neustadt/Waldnaab.

Der Widerstand gegen den Südost-Link wächst: 350 Störnsteiner folgten der Einladung der Freien Wähler vor vier Wochen. Die Veranstalter der Bürgerinitiative hoffen auch am Samstag auf eine starke Beteiligung bei der Demo in Neustadt/Waldnaab.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

ONETZ: Herr Langgärtner, woher nehmen Sie die Gewissheit, dass ein Industriestandort wie Deutschland mit rein dezentralen Energiekonzepten versorgt werden kann?

Josef Langgärtner: Wenn Claudia Kemfert, Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance, bezweifelt, dass der Süd-Ost-Link notwendig ist, dass man uns energiepolitische Notwendigkeit vorgaukelt und nur Braunkohlestrom von Nord nach Süd bringen will, hat das Gewicht. Kemfert weiß, wovon sie redet, sie leitet die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, erhielt 2016 den renommierten Adam-Smith-Preis für Marktwirtschaftliche Umweltpolitik.

ONETZ: Was sind jenseits der Glaubensfrage, wie die Energiewende gestemmt werden kann, Ihre zentralen Kritikpunkte am Süd-Ost-Link und dem Ostbayernring?

Josef Langgärtner: Was durch die ganze Oberpfalz verlegt werden soll, ist kein kleiner Kabelschacht, sondern eine 50 Meter breite Monstertrasse, die Boden vernichtet. Die Kosten sollen laut Schätzung der Netzbetreiber von 32 Milliarden auf 52 Milliarden Euro steigen - bei garantierter Eigenkapitalrendite für Investoren von 9,05 Prozent in einer historischen Niedrigzinsphase.
Die Bundesnetzagentur als Kontrollinstanz hat versagt. Die Gleichstromtrasse wird nicht vor 2028 fertig - ob jemals, ist fraglich. Wer will ein weiteres Milliardengrab?

ONETZ: Die Trassengegner scheinen gespalten: Grüne, die für Offshore-Windkraft und Trassen plädieren, Naturschützer, die gegen Windräder protestieren, Politiker, die die Trasse unter die Autobahn verlegen wollen – welche weiteren Schritte sind geplant?

Josef Langgärtner: Wir klären die Bevölkerung weiter auf. An diesem Samstag findet um 11 Uhr eine Demo unter dem Motto "Kriegserklärung an die Stromkunden - das Ende der Energiewende" auf dem Neustädter Stadtplatz statt.
Der Kreisgruppe der Freien Wähler in Neustadt ist es gelungen, Energieexpertin Prof. Claudia Kemfertaus Berlin am Dienstag, 26. Februar, um 19 Uhr als Rednerin in der Stadthalle Neustadt zu gewinnen.

Trassen-Verlauf:

CSU-Abgeordnete kritisieren Bundesnetzagentur

CSU-Politiker in den betroffenen Regionen hatten die Bundesnetzagentur in einem Schreiben aufgefordert, die Verlaufsvariante des Süd-Ost-Links entlang der A 93 im Schutzstreifen detailliert zu untersuchen und zu bewerten. „Die Bundesnetzagentur hat in ihrer Antwort die Argumente von Tennet wiederholt, aber keine neuen Erkenntnisse geliefert“, kritisieren Martin Schöffel, Landtagsabgeordneter aus Hof, und Weidens Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht (beide CSU). Sie wollen sich jetzt an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier wenden.

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