09.07.2018 - 16:03 Uhr
TirschenreuthDeutschland & Welt

Botschafter der Landschaft

Bei Veranstaltungen werden sie oft gleich nach dem Bürgermeister begrüßt: die Geopark-Ranger, Botschafter ihrer Gemeinden. Ab sofort können sich Naturliebhaber, Heimatgeschichtsfreunde und begabte Redner um eine Ausbildung für den begehrten Ehrenjob mit etwas Honorar bewerben.

Die Macher hinter dem Geopark-Trainingslager: (von links) VHS-Vertreter Harald Krämer, Geopark-Mitarbeiterin Maria Schnabel, VHS-Macher Leonhard Dietrich, die Ranger Raimund Röttenbach und Astrid Locke-Paul sowie Geopark-Chef Andreas Peterek.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Die drei Stunden mit Raimund Röttenbacher (78) vergehen wie im Flug. Apropos Flug: Auch von Vögeln und Sauriern erzählt der pensionierte Grafenwöhrer Stadtbaumeister. "So klagte der Ichthyosaurus", zitiert der Geopark-Ranger mit fränkischem Idiom Viktor von Scheffel, "da ward es ihm kreidig zu Mut, sein letzter Seufzer verhallte im Qualmen und Zischen der Flut." Vom Aussterben der Riesenechsen und ihren gefiederten Nachfolgern über die Wirkung des Gesteins auf Boden, Pflanzen und letztlich Kultur einer Landschaft bis zur Entstehung der Vulkane - Röttenbacher ist ein großer Geschichtenerzähler.

"Man braucht Fantasie"

"Man braucht Fantasie als Geopark-Ranger", findet der Mann mit dem Zopf, der die vertraute Heimat zwischen Grafenwöhr, Eschenbach und Kemnath in neuem Licht erscheinen lässt. "Ich habe das kleine Modell eines Vulkans gebastelt", nennt er ein Beispiel für einen Aha-Effekt bei seinen Gästen, "und im Hintergrund sieht man den Rauhen Kulm."

Astrid Locke-Paul (48) geht ganz anders an ihre Führungen heran. Bei der studierten Geographie-Lehrerin steht der Granit im Mittelpunkt. "Bei meiner Wohnlage in Luhe liegt das nahe", sagt sie schmunzelnd. Aber natürlich möchte die Mutter zweier Kinder ihren Horizont erweitern. Der Kaolinabbau in Hirschau, die Oberpfälzer Montanindustrie gehören ebenfalls zu ihrem Programm. "Meine Führungen sind eine Mischung aus Geologie, Geschichte und Naturvermittlung", fasst sie zusammen. Inzwischen hat die Granit-Expertin auch eine Tour in Flossenbürg übernommen: "Aber bei 35 Kilometern Anreise kann ich die Tour nicht auch noch am Tag vorher abgehen", bedauert sie. Und passieren könne immer etwas: "Wenn ich etwa vorher sehe, dass ein Baum querliegt, kann ich mir eine alternative Route ausdenken."

Genau da setzen die Überlegungen von Andreas Peterek, dem Geschäftsführer des Geopark Bayern-Böhmen, seiner Mitarbeiterin Maria Schnabel sowie der VHS-Vertreter Leonhard Dietrich und Harald Krämer an. "Wir haben in einigen Gebieten Lücken", erklärt Peterek, "und wir würden manche Orte gerne doppelt besetzen, denn es kann immer mal jemand ausfallen." Jährlich über 250 Führungen in den vier Landkreisen Neustadt/Waldnaab, Tirschenreuth, Wunsiedel, Bayreuth und der Stadt Weiden meistern derzeit 35 aktive Ranger. "Es waren schon mal fast 60 Geo-Park-Ranger", sagt Peterek. Einige hätten sich beruflich verändert. Andere seien aus Altersgründen ausgeschieden. "Frisches Blut tut gut."

Geopark-Ranger Raimund Röttenbach bringt Natur anschaulich näher.

Artenschutz bis Didaktik

Zusammen mit der Volkshochschule, bei der man 2006 den ersten Kurs angeboten hatte, und der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege möchte das Trio 15 zertifizierte Geopark-Führer ausbilden: "Die Themen reichen vom Artenschutz über Land-, Forst-und Brauchwirtschaft bis zur Didaktik", umreißt Peterek den stolzen Ausbildungsplan mit rund 130 Unterrichtsstunden. "Viele Blockveranstaltungen finden am Wochenende statt", sagt der Geopark-Leiter, "wir wollen ja Interessenten aus allen Landkreisen zusammenholen." www.geopark-bayern.de

So wird man Geopark-Ranger:

Bewerbung ab sofort

„Der Schulabschluss spielt keine Rolle“, erklärt Geopark-Chef Andreas Peterek. „Für uns ist wichtig, dass sich die Bewerber für Heimatgeschichte, Natur, Geologie und Bergbaugeschichte begeistern – und mit einer Gruppe von Menschen umgehen können.“ Wie man Fakten unterhaltsam präsentiert, ist aber auch Inhalt der 130 Ausbildungsstunden. Besondern gefragt sind Bewerber aus dem westlichen Landkreis Tirschenreuth, dem östlichen Landkreis Neustadt/Waldnaab sowie der fränkischen Schweiz. „Wir möchten, dass die Geopark-Ranger örtlich vernetzt sind“, erklärt Peterek. Genau informieren kann man sich bei folgenden Veranstaltungen:

◘ Mittwoch, 11 Juli, 19 Uhr: VHS Weiden-Neustadt

◘ Dienstag, 17. Juli, 19 Uhr: Landratsamt Wunsiedel

◘ Anmeldung: 09602/9 39 81 66

„Reich wird der Geopark-Ranger nicht“, dämpft Urgestein Raimund Röttenbach die Erwartungen. 45 Euro für eine dreistündige Führung plus Fahrtgeld. Dennoch bekommt er im „Winter Entzugserscheinungen“. Führungen gibt es nur von April bis Oktober. (jrh)

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