22.04.2018 - 23:20 Uhr
Deutschland & Welt

Wahl der neuen SPD-Chefin Nur 66,35 Prozent: Dämpfer für Nahles

Die SPD hat Andrea Nahles mit einem schwachen Ergebnis von nur 66,3 Prozent zur ersten Parteichefin gewählt - und ihr damit wenig Rückhalt für die geplante Erneuerung der Partei gegeben.

Ein Triumph sieht anders aus: Die neue SPD-Chefin Andrea Nahles (Mitte) nach ihrer Wahl. Ihr kommissarischer Vorgänger Olaf Scholz (Zweiter von links) und Generalsekretär Lars Klingbeil (rechts) applaudieren. Bild: Daniel Roland/AFP
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Wiesbaden. (jrh/dpa) Ein Sonderparteitag wählte die 47-Jährige am Sonntag in Wiesbaden zur ersten Vorsitzenden in der knapp 155-jährigen Parteigeschichte der Sozialdemokraten. Nahles' wenig prominente Gegenkandidatin, Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange, erhielt mit 27,6 Prozent ein überraschend starkes Ergebnis.

Durch ihre polarisierende Art ist Nahles seit jeher kein Parteiliebling. Mit mauen Wahlergebnissen kennt sie sich aus. Ein derart schlechtes Resultat hat sie bislang aber noch nie eingefahren - und dies ausgerechnet zu einer Zeit, in der sie gefordert ist wie kein Parteichef vor ihr. Die SPD war bei der Bundestagswahl 2017 unter ihrem damaligen Parteichef und Kanzlerkandidaten Martin Schulz auf ein Tief von 20,5 Prozent gesackt. Die harten Debatten über eine Beteiligung an einer weiteren Großen Koalition haben die Partei gespalten.

Mit dem zweitschlechtesten Wahlergebnis im Rücken, muss Nahles das Projekt "Erneuerung" erst recht vorantreiben - aber was genau verstehen die Genossen darunter?

  • "Ich würde das als Bitte um engagierte Mitarbeit auffassen", interpretiert die Schwandorfer Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder. "Der Genosse weiß immer, was wir falsch machen, aber dann kommen drei Hanseln in den Ortsverein."
  • Uli Grötsch, Generalsekretär der Bayern-SPD, ist sich sicher, dass das Thema bei "Lars Klingbeil und Andrea Nahles in den richtigen Händen" ist.
  • Der Amberger EU-Abgeordnete Ismail Ertug fordert dagegen: "Die Leute wollen eine inhaltliche, keine organisatorische Erneuerung."
  • Auch der Oberpfälzer SPD-Chef Franz Schindler will mehr Inhalt als Verpackung: "Die Diskussion über Außenpolitik und Hartz IV geht in die richtige Richtung. Was noch fehlt, sind Vorschläge zu gerechter Besteuerung und Verteilung des Reichtums." 
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