25.03.2020 - 21:56 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Hoffnung auf die Zeit nach der Coronakrise

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Wie werden wir weiterleben nach der Coronavirus-Pandemie? Experten sagen, dass die Krise den Menschen harte Opfer abverlangen wird. Doch es gibt auch Hoffnung auf die Zeit danach – auf eine etwas solidarischere Gesellschaft.

Wegen der Coronakrise neigen viele Verbraucher zu unsolidarischen Hamsterkäufen, obwohl Politiker immer wieder versichern, dass der Nachschub an alltäglichen Gütern gesichert sei. Wie in diesem Supermarkt in Weiden werden immer wieder Regale, vor allem die mit Toilettenpapier, leer gekauft.
von Thomas Schaller Kontakt Profil

Am Tag nach der Pandemie könnte die Welt eine bessere sein. Nicht sofort erkennbar für diejenigen, die einen lieben Menschen verloren haben werden oder die sich einen neuen Arbeitsplatz werden suchen müssen. Denn glaubt man den Experten, wird das Virus in den nächsten Wochen und Monaten tatsächlich vielen Menschen große Opfer abverlangen. Für manche wird der Schmerz bleiben, auch wenn die Krise irgendwann überwunden sein wird.

Die dann kommende Zeit lässt aber auch hoffen. Vielleicht wird sich die Gesellschaft dann darauf besinnen, welche Branchen wirklich „systemrelevant“ und lebensnotwendig sind. Nicht Banken, Börsen und Boliden. Vielmehr die medizinischen Berufe wie Ärzte, Pfleger, Therapeuten und alle, die daranhängen wie Reinigungskräfte und Lieferanten von medizinischen Geräten und Material, Apotheken, Forscher, die nach Impfstoffen und Medikamenten gegen einen unsichtbaren Feind suchen. Und auch der Lebensmittelhandel und die Landwirtschaft halten den Laden am Laufen.

Bekommen soziale Berufe endlich mehr Wertschätzung?

Vielleicht werden die sozialen Berufe endlich wertgeschätzt und anständig bezahlt werden. Vielleicht bekommen die dort Beschäftigten dann endlich Arbeitsbedingungen, die junge Menschen nicht mehr vor einer Ausbildung abschrecken. Vielleicht wird sich dann auch die Erkenntnis durchgesetzt haben, dass Kliniken nicht mehr wie reine Wirtschaftsunternehmen beurteilt werden dürfen, die am besten noch Geld abwerfen sollten, und wenn sie die Bilanzen verhageln, werden Standorte kurzerhand geschlossen. Vielleicht lässt man sie dann nicht mehr ausbluten und "spart" sie nicht mehr "krank".

Solidarität ist besser als Ellenbogenmentalität – auch nach der Coronakrise

Die Hoffnung bleibt, dass viele Menschen dann ein Bewusstsein dafür entwickelt haben werden, was wirklich wichtig ist in der Gesellschaft. Dass Solidarität und gegenseitige Unterstützung, für die es nun so viele herzerwärmende Beispiele gibt, mehr bedeuten als der persönliche Vorteil, den man sich mit seinen Ellenbogen erkämpft. Dass Hilfsdienste für diejenigen, die sich nicht selber helfen können, auch die eigene Persönlichkeit voranbringen.

Coronakrise legt Achtung und Demut vor der Umwelt nahe

Bei so viel verordneter sozialer Distanz wird man vielleicht spüren, wie wertvoll menschliche Nähe ist, ein Händedruck oder eine Umarmung, die jetzt behördlich geächtet werden, ja werden müssen. Vielleicht werden wir dann Besuche bei den älteren Verwandten nicht mehr aufschieben, weil wir erfahren haben werden, wie schnell es eintreten kann, dass die Lieben nicht mehr da sind. Es ist zu hoffen, dass die Ausgangssperren und -beschränkungen den Menschen bewusst machen, wie viel schöner und wohltuender es ist, einen Waldspaziergang in frischer Frühlingsluft zu unternehmen, anstatt sich daheim vor dem Computer zu verkrümeln. Uns allen sind mehr Demut und Achtung vor der Umwelt zu wünschen, die uns gerade zeigt, wie gut sie sich erholen kann, wenn der Mensch gezwungen ist innezuhalten.

Die Aussicht besteht, dass die Gesellschaft nach Corona erkannt haben wird, wie viel doch eigentlich wirtschaftliche Autarkie bedeutet, Unabhängigkeit von den großen Kreisläufen auf der Welt. Möglicherweise setzt sich in der nächsten Zeit die Erkenntnis durch, dass Globalisierung vielleicht zu Wohlstand verhilft. Aber wenn es zum Äußersten kommt, wie wir es jetzt erleben, zeigt sie uns lediglich auf, wie anfällig und verletzlich wir sind, wie abhängig von anderen. Wenn Lieferketten unterbrochen sind und die für die Produktion von Beatmungsgeräten benötigten Bauteile aus dem Ausland nicht oder nur sehr schwer herangeschafft werden können.

Sinnvolle Vorräte statt unsolidarischer Hamsterkäufe

Wer hätte gedacht, dass in unserem hochindustrialisierten Land Atemmasken und andere medizinische Schutzausrüstung einmal knapp werden könnten? Dass sich Verbraucher einmal darum sorgen, ob sie noch genug Klopapier werden kaufen können? Vielleicht werden wir künftig bewusster einkaufen und sinnvolle Vorräte anlegen, nicht unsinnigerweise Regale leer kaufen ohne Rücksicht darauf, ob auch andere noch Nudeln und Reis erhalten. Vielleicht werden wir nach der Krise erlebt haben, dass diejenigen genug Desinfektionsmittel haben sollten, die sie wirklich brauchen, um sich und andere zu schützen, wenn sie anderen helfen.

Vielleicht werden Schüler und Lehrer es wieder mehr zu schätzen wissen, wie sich ein geregelter Unterricht ohne Provisorien anfühlt. Vielleicht sorgt das Coronavirus langfristig auch für eine Abkehr von der um sich greifenden Politikverdrossenheit, wenn man jetzt sieht, dass es durchaus Politiker gibt, die Verantwortung übernehmen und nicht nur um Posten und Wahlerfolge schachern. Vielleicht werden viele Menschen wieder wahrheitsgetreue Informationen wertschätzen können bei all dem Mist und den Verschwörungstheorien, die derzeit im Internet und über die „sozialen“ Medien verbreitet werden. Ja, vielleicht wird die Welt wirklich ein bisschen besser sein, wenn wir das Covid-19-Virus gezähmt haben werden.

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