Wie Trump den Oberpfälzern schadet

Mit seinen Sanktionen gegen den Iran fügt US-Präsident Donald Trump auch der Oberpfälzer Wirtschaft einen Millionen-Schaden zu. Im IHK-Bezirk pflegen 114 Unternehmen Geschäftsbeziehungen zum Iran. 12 Betriebe sind mit eigenen Betriebsstätten oder Niederlassungen vor Ort aktiv.

Die US-Sanktionen gegen den Iran treffen besonders die Oberpfälzer Maschinenbauer. Sie lieferten zunehmend hochwertige Spezialteile und komplette Fertigungsanlagen.
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Weiden/Regensburg. Aus Angst vor Trump, nämlich vom US-Markt ausgeschlossen zu werden, stellen die Oberpfälzer Unternehmen gänzlich den Handel mit dem Iran ein. Betroffen ist nach Recherchen von Oberpfalz-Medien vor allem der Maschinenbau. "Bereits bei der Ankündigung der Sanktionen im Mai herrschte riesige Verunsicherung. Jetzt sind die Geschäfte mit dem Iran endgültig am Ende", sagt Markus Huber, Vize-Abteilungsleiter für Außenwirtschaft der IHK Regensburg.

"Ohne Bank geht nichts"

"Wir werden nichts mehr transferieren und exportieren", erzählt ein Unternehmer aus der nördlichen Oberpfalz. Der Maschinenbauer lieferte bis vor wenigen Wochen Fertigungsanlagen in den Iran. Aus Sorge um die Reaktionen seiner US-Kunden will der Unternehmer anonym bleiben. Dem Betrieb entgehen auf einen Schlag Aufträge in Millionenhöhe. "Das tut sehr weh." Zum Glück sei die Auslastung derzeit hoch. "Doch der Iran hat uns auch an schlechteren Tagen gut getan." Der Unternehmer lobt die hohe Zahlungsmoral; die über Jahre gewachsenen persönlichen Beziehungen will er weiter pflegen, lautet sein Vorsatz.

"Die Drohung wirkt: Wer mit dem Iran Geschäfte macht, fliegt aus den USA raus", weiß IHK-Außenhandelsexperte Huber. Vom Volumen her ist der Handel mit den Mullahs zwar zweitrangig, aber mit beträchtlichen Zuwächsen, zuletzt um 29 Prozent in Bayern 2017. Da die USA für die exportstarken Oberpfälzer Unternehmer mit den wichtigsten Absatzmarkt darstellen, "lassen sie jetzt vom Iran die Finger". Huber spricht vom "Abwürgen des Handels auf einen Schlag". Er räumt "Dreiecks-Geschäften" (Abwicklung über andere Firmen) kaum Chancen ein: "Denn keine Bank traut sich mehr, mit dem Iran den Zahlungsverkehr zu betreiben. Und ohne Bank geht nichts."

"Bittere Pille"

Etwas anders stellt sich die Situation für den großen Online-Händler ZS Zweiradteile in der Gemeinde Vorbach dar. Inhaber Stephan Schneider stellt über die "Bluecard" seit Jahren Software-Spezialisten aus dem Iran ein. Gerade noch vor dem Inkrafttreten der US-Sanktionen verpflichtete er einen iranischen Experten. Dem Vernehmen nach verlängert sich die Bearbeitungszeit der deutschen Botschaft in Teheran für entsprechende Anträge von zwei Monaten aktuell auf bis zu zwei Jahre - um das Problem offenbar auszusitzen.

"Die Situation ist schwierig", betont Firmenchef Schneider. Die deutsch-iranischen Verflechtungen in der Wirtschaft hätten sich stark entwickelt. Michael Menner, Inhaber des Weidener Dentallabors ZRO2, wertet die US-Sanktionen als "bittere Pille". 90 Prozent seiner Hightech-Werkzeuge (Powertools) für die Zahnprothetik gehen in den Export, davon mehr als zwei Drittel in die USA. Bereits in den vergangenen Monaten drohte seinen Mitarbeitern ein Einreiseverbot in die USA, falls die Pässe Stempel des Iran aufwiesen. Menner: "Das wachsende Iran-Geschäft unserer Firma steht nun vor einem Cut."

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