10.07.2020 - 13:59 Uhr
Deutschland & Welt

Rufus Wainwright - Nur noch kurz den Popsong retten

Mit Ausflügen in Oper und Klassik drohte Rufus Wainwright der Pop-Welt verloren zu gehen. Umso mehr beeindruckt nun seine Rückkehr als Singer-Songwriter. Mit einem Album, das bei den Höhepunkten der eigenen Karriere anknüpft - und bei den Ikonen.

Der Musiker Rufus Wainwright - alles zurück auf Pop. Foto: Jörg Carstensen/dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin (dpa) - Leonard Cohen, Randy Newman, Paul Simon - darunter macht er es nicht, wenn man ihn nach seinen Idolen fragt.

Mit fast 47 Jahren sieht sich Rufus Wainwright als Singer-Songwriter zwar wohl noch nicht ganz auf Augenhöhe mit den Allergrößten - so realistisch ist der selbstbewusste Kanadier dann doch. Aber er spürt die Mission, den Vorbildern mit eigenen anspruchsvollen Liedern nachzueifern.

„Ich bin hier, um zu versuchen, die Kunst des Songs zu retten“, sagt Wainwright im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Er lacht dazu - und meint es doch sehr ernst. Dabei überrascht es fast ein wenig, dass dieser schon so lange als Großtalent geltende Musiker nun wieder mit lupenreinen Popsongs voller Anklänge an die Ikonen ins Rampenlicht tritt. Denn nach zwei Opern und anderen Klassik-Projekten stand Wainwright als Pop-Komponist auf der Vermisstenliste.

Das neue Studioalbum „Unfollow The Rules“ - seine erste Song-Platte seit „Out Of The Game“ von 2012 - knüpft aber nun wieder verblüffend mühelos bei den frühen und besten Werken an. Es wurde in denselben Studios von Wainwrights Wahlheimat Los Angeles aufgenommen, in denen 1998 schon sein selbstbetiteltes Debüt entstand. Die zwölf opulenten Stücke seien „wie eine gegenüber liegende Buchstütze zu meinem ersten Album, mit ähnlicher Philosophie“, sagt der Musiker im dpa-Interview.

Geschrieben wurden die Songs während des Pop-Exils, als Wainwright sich auf seine Oper „Hadrian“ (2018) konzentrierte. Der inzwischen leicht ergraute Beau thematisiert nun den Eintritt ins reifere Alter, Freundschaften und Verluste oder das Leben mit seinem deutschen Ehemann, den er vor knapp 15 Jahren in Berlin kennenlernte.

Und Wainwright schreibt über seine inzwischen achtjährige Tochter, Enkelin des 2016 gestorbenen Leonard Cohen, die mit einer cleveren Anmerkung den Albumtitel beisteuerte. „Unfollow“ - dieser Begriff sei „einerseits sehr zeitgemäß, wenn man an Facebook oder Instagram denkt, aber eben auch seltsam altertümlich“, freut sich der Sänger über den Wort-Coup seines Kindes.

Seine Inspiration für die teils romantischen, teils düsteren neuen Lieder bezog er aus positiven wie negativen Erfahrungen der vergangenen gut 20 Karrierejahre. „Jetzt habe ich die Möglichkeit, um mich herum zu schauen, quasi mit 360-Grad-Blick. Es ist eine großartige Zeit, all das zu würdigen, es zu analysieren, manche Dinge zu bewundern und andere eben nicht.“ Im Gegensatz zu Meisterstücken wie „Want One“ (2003) und „Want Two“ (2004), mit denen er sich „noch vor der Drogensucht retten“ musste, ist Wainwright nach eigenem Eindruck nun insgesamt ein glücklicher Mensch.

Tolle Bombast-Popsongs wie „Trouble In Paradise“ und „Damsel In Distress“ machen auf Anhieb klar, dass er zu alter Form zurückgekehrt ist. „Ich habe meinen Stil als Singer-Songwriter jetzt einfach wieder mehr zu schätzen gelernt“, erklärt Wainwright. „Als wir damit ins Studio gingen, war Leonard gestorben, ich war tief in meiner Randy-Newman-Phase und bei Burt Bacharach - alle drei so großartige Songwriter. Es wäre ein Verbrechen gewesen, wenn ich nicht zumindest versucht hätte, diese Tradition fortzusetzen.“

Das neue Material ist ambitioniert genug, um den hohen Ansprüchen zu genügen. So klingt „Romantical Man“ zunächst wie eine streicherselig vorbeitänzelnde Pianopop-Ode an London, die ein Elton John nicht besser hinbekommen könnte. Doch dann singt Wainwright über die Klimakatastrophe: „But the temperature is rising/the water's high/the forests they are dying...“. Hochgefühle und Niedergeschlagenheit - nah beieinander. „Die Welt ist ja eigentlich ein unglaublich düsterer Ort“, sagt der Kanadier. Stücke wie „Early Morning Madness“, „Hatred“ oder „Alone Time“ drücken das schon in ihren Songtiteln aus.

Den Abschluss des Gesprächs in Berlin möchte Rufus Wainwright dann aber doch seinem größten Idol Cohen widmen - dessen Tochter Lorca brachte schließlich sein eigenes Kind zur Welt. „Ich bin immer dankbar, dass er mein Leben mit seiner Persönlichkeit und seinen Songs bereichert hat. Ich glaube, ich habe es mit diesem Album nun selbst ganz gut hingekriegt. Ja, ich hoffe, Leonard wäre glücklich damit, was ich geschaffen habe.“

© dpa-infocom, dpa:200707-99-705100/2

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