11.02.2020 - 15:55 Uhr
Deutschland & Welt

„Sabine“ verzieht sich: und das Leben normalisiert sich

Nach den heftigen Sturmböen ist nun Zusammenkehren, Freischneiden und Reparieren angesagt. Nicht nur die Feuerwehr ist mit Kettensägen unterwegs, auch die Bahn hat zahlreiche Trupps im Einsatz. Für die Münchner Friedhöfe hingegen hatte noch kein Baumpfleger Zeit.

Ein Reisender fotografiert am Münchner Flughafen eine Anzeigetafel. Foto: Matthias Balk/dpa
von Agentur DPAProfil

München (dpa/lby) - Orkantief „Sabine“ hat auch am Dienstag im Freistaat noch Bäume umgestürzt und den Verkehr auf Straßen, Schienen und in der Luft behindert. Zudem waren in der Nacht erneut Tausende Haushalte ohne Strom. Doch nach den heftigen Stürmen des Vortages normalisierte sich das öffentliche Leben wieder. Die Rettungskräfte verzeichneten deutlich weniger wetterbedingte Einsätze, die Bahn fuhr auf den meisten Strecken wieder weitgehend nach Plan, und am Münchner Flughafen wurden weniger als zehn Prozent der Flüge annulliert. Mit Ausnahme von fünf Landkreisen konnten auch die Schüler wieder zum Unterricht gehen.

Am Vortag war der Unterricht in Bayern flächendeckend ausgefallen. Auch der Bahnverkehr wurde nahezu komplett eingestellt. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen sowie Schienen und zerstörten Autos, auch herumfliegende Gegenstände hinterließen Schäden. Auch Menschen wurden verletzt, die meisten jedoch leicht. Schwere Rückenverletzungen erlitt jedoch ein 41 Jahre alter Arbeiter, der in Ostheim (Landkreis Rhön-Grabfeld) von einer Windböe erfasst und vom Dach einer Biogasanlage geblasen worden war, wie die Polizei mitteilte.

Am Dienstag blieb es zunächst ebenfalls stürmisch. Der Deutsche Wetterdienst kündigte lokal schwere - in den Kammlagen der östlichen Mittelgebirge sowie auf Alpengipfeln auch orkanartige - Sturmböen an. Außerdem sollte es immer wieder regnen beziehungsweise schneien - was selbst im Flachland zu Glätte durch Schneematsch führen konnte. In der Nacht zum Mittwoch sollten sich die Böen mit Ausnahme der Mittelgebirge und der Alpengipfel bis auf 60 Kilometer pro Stunde abschwächen. Vereinzelt wurden Schnee-, Regen- oder Graupelschauer sowie Gewitter angekündigt.

Der Niederschlag machte auch der Deutschen Bahn (DB) zu schaffen. „Aufgrund neuer aufkommender Sturmböen und Schneefall ist die Situation weiter angespannt“, hieß es am Dienstag. In Franken klappte schon in der Früh das meiste wieder nach Plan, im Laufe des Tages sollten auch alle Strecken der Münchner S-Bahn wieder freigegeben werden. Auch andere Strecken etwa im Allgäu sollten bis zum Abend geräumt beziehungsweise repariert sein.

Weiterhin Stillstand erwartete die Bahn hingegen bei der Werdenfelsbahn auf den Streckenästen nach Reutte sowie Mittenwald. Zwischen Kißleg und Wangen war zunächst ebenfalls noch keine Freigabe absehbar. Bei der Südostbayernbahn gab es zwischen Pocking und Passau noch Einschränkungen. Beim Meridian, der Bayerischen Oberlandbahn und der Bayerischen Regiobahn wurden die meisten Probleme bis zur Mittagszeit behoben. Die Strecke zwischen Aichach und Schrobenhausen blieb jedoch gesperrt, wie der private Betreiber mitteilte.

Auch einige Straßen blieben am Dienstag wegen umgestürzter Bäume, auf die Straße gewehter Dachziegel oder umgeblasener Anhänger zumindest zeitweise dicht. Immer wieder wurden dabei auch geparkte Autos beschädigt. Geschlossen blieben „wegen der anhaltend schwierigen Witterungsverhältnisse“ auch die Friedhöfe in München - Trauerfeiern und Beerdigungen wurden nach Angaben der Stadt größtenteils abgesagt. Andernorts wurde davor gewarnt, die Wälder schon zu betreten, weil „angezählte“ Bäume immer noch umfallen oder umgestürzte Bäume bersten könnten.

Um die Schüler keiner Gefahr auszusetzen, fiel der Unterricht am Dienstag in den Landkreisen Dingolfing-Landau, Freyung-Grafenau, Passau (Stadt und Land) sowie Rottal-Inn erneut aus. Im Landkreis München war eine Schule wegen eines Sturmschadens am Dach zu.

Weitgehend normalisiert hat sich derweil der Luftverkehr in Bayern. In München wurden am Dienstag noch 94 Flüge abgesagt. In Nürnberg gab es 2 Annullationen, nach 26 am Vortag. An beiden Flughäfen zusammen fielen an den beiden Sturmtagen mehr als 1000 Flüge aus. Auch die Rettungshubschrauber des ADAC mussten an 26 der 37 deutschen Luftrettungsstationen zeitweise am Boden bleiben - insgesamt zusammen fast 130 Stunden lang. In Bayreuth etwa musste die Crew knapp zehn Stunden warten. Laut ADAC Luftrettung gleicht ein Einsatz bei orkanartigen Windgeschwindigkeiten „einer Achterbahnfahrt, die schwer verletzten oder kranken Patienten nicht zugemutet werden kann“.

Das Orkantief „Sabine“ hatte am Montag in Bayern das öffentliche Leben teils zum Erliegen gebracht. Mehrere Menschen wurden verletzt, meist blieb es aber bei leichteren Blessuren. Die Sachschäden waren erheblich. Die Deutsche Bahn stellte nach dem Fernverkehr am Morgen auch den Regionalverkehr ein, an den Flughäfen wurden zahlreiche Flüge annulliert, fast alle Schulen blieben geschlossen, Veranstaltungen wurden abgesagt.

Warnseite des Deutschen Wetterdienstes

Sturmblog Deutsche Bahn

Meldungen zu größeren Bahneinschränkungen

Flughafen München

DB zu Sturmauswirkungen in Bayern

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