04.06.2020 - 11:12 Uhr
Deutschland & Welt

Staatsanwaltschaft geht vom Tod Maddies aus

Vor über zehn Jahren verschwand die dreijährige Maddie spurlos in einem Ferienort in der Algarve. Jetzt gibt es neue Ermittlungsansätze. Die Spuren führen zu einem Mann nach Deutschland.

Gerry und Kate McCann zeigen während einer Pressekonferenz im Juni 2007 ein Bild ihrer verschwundenen Tochter Maddie.
von Agentur DPAProfil

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hält die vor rund 13 Jahren in Portugal verschwundene dreijährige Madeleine "Maddie" McCann für tot. Die Ermittlungen gegen einen 43-jährigen Deutschen würden wegen Mordverdachts geführt. "Wir gehen davon aus, dass das Mädchen tot ist", sagte der Staatsanwalt und Sprecher der Behörde, Hans Christian Wolters, am Donnerstag vor Journalisten in Braunschweig.

Ermittlungen gegen Sexualstraftäter

Die Ermittlungen richteten sich gegen einen wegen sexueller Straftaten verurteilten Mann, der nach dpa-Informationen in Kiel hinter Gittern ist. Er lebte im Zeitraum des Verschwindens von Maddie an der portugiesischen Algarve. Die Ermittler hoffen nun auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Fragen beantwortet der Sprecher am Donnerstag nicht. Er verlas lediglich eine knappe Pressemitteilung, die bereits am Mittwochabend veröffentlicht wurde. Aufgrund der aktuellen Ermittlungen könnten keine Fragen zugelassen werden, er könne nicht in Form einer Pressekonferenz Rede und Antwort stehen. Er hoffe auf Verständnis.

Maddie verschwand 2007

Maddie verschwand am 3. Mai 2007 aus einer Appartementanlage im portugiesischen Praia da Luz. Die Eltern waren zu der Zeit in einem nahe gelegenen Restaurant essen. Die Ermittler waren von einer Entführung ausgegangen. Zeitweise standen auch die Eltern unter Verdacht.

Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) lebte der Beschuldigte zwischen 1995 und 2007 regelmäßig an der Algarve unter anderem einige Jahre in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz. "Nach hier vorliegenden Erkenntnissen ging er in dieser Zeit im Raum Lagos mehreren Gelegenheitsjobs, unter anderem in der Gastronomie, nach", teilte das BKA mit.

Nach Informationen der "Braunschweiger Zeitung" (Donnerstag) soll es sich bei dem Beschuldigten um einen Mann handeln, der Ende 2019 vom Landgericht Braunschweig wegen Vergewaltigung einer damals 72-jährigen Amerikanerin im Jahr 2005 in Praia da Luz zu sieben Jahren Haft verurteilt worden ist. Darauf deute vieles hin, so die Zeitung. Das Urteil sei noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte werfe der Justiz Rechtsfehler im Auslieferungsverfahren vor.

Bekannt ist nun auch, dass ein Auto des Tatverdächtigen in Bayern angemeldet war. In einer Mitteilung spricht das Bundeskriminalamt davon, dass der Mann zur "tatkritischen Zeit" einen dunkelroten oder aubergine-farbenen Jaguar XJR 6 genutzt habe. Die letzte bekannte Zulassung nach dem Tattag sei von der Stadt Augsburg gekommen. Weiter heißt es: "Der Verbleib des Fahrzeugs ist geklärt." In der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" am Mittwochabend hatte Moderator Rudi Cerne außerdem gesagt, das Kennzeichen sei öfter gewechselt worden und der Wagen habe unter anderem auch mal eine Münchner Zulassung gehabt.

Fall Maddie bei "Aktenzeichen XY..."

Der Fall Maddie war am Mittwochabend nicht zum ersten Mal Thema in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst". Auf die Spur des nun Verdächtigen kamen die Ermittler nach eigenen Angaben durch einen Hinweis nach der ZDF-Sendung zum Fall im Oktober 2013. "Die damaligen Informationen reichten nicht für Ermittlungen aus und schon gar nicht für eine Festnahme", sagte BKA-Ermittler Christian Hoppe in der Sendung. Auch ein weiterer Hinweis auf den Tatverdächtigen im Jahr 2017 habe noch nicht gereicht.

Madeleines Eltern hatten sich mit teils emotionalen Aufrufen immer wieder an die Öffentlichkeit gewandt, um Informationen über den Verbleib ihrer Tochter zu erhalten. "Alles, was wir je wollten, ist sie zu finden, die Wahrheit ans Licht zu bringen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen", heißt es in einem Statement der Eltern in der Scotland-Yard-Mitteilung. "Wir werden niemals die Hoffnung aufgeben, Madeleine lebend zu finden, aber was auch immer herauskommen sollte, wir müssen es wissen, weil wir Frieden finden müssen."

Der Fall Maddie McCann - seit 13 Jahren verschwunden:

Das Verschwinden der damals dreijährigen Britin Madeleine McCann 2007 in Portugal zählt zu den aufsehenerregendsten Fällen weltweit.

  • Mai 2007: Kurz vor ihrem vierten Geburtstag verschwindet Maddie aus einer Ferienanlage in Portugal. Madeleines Mutter fleht im Fernsehen mögliche Entführer an, das Kind freizulassen.
  • September 2007: Die Eltern gelten zu diesem Zeitpunkt als Verdächtige. Medien berichten, die Polizei gehe von einem Unglücksfall aus - die Eltern hätten die Leiche verschwinden lassen.
  • Juli 2008: Die portugiesische Polizei stellt die Ermittlungen ohne Ergebnis ein. Für ein Verbrechen gebe es keine Beweise.
  • Januar 2009: Ein Team ehemaliger Fahnder von Scotland Yard hat sich nach britischen Medienberichten im Auftrag der Eltern auf die Suche nach Madeleine gemacht. Ein Geschäftsmann finanziere die Aktion.
  • Mai 2009: Die Eltern flehen mögliche Entführer erneut an, ihre Tochter freizulassen. Sie nutzen dazu ein Gespräch mit US-Talkmasterin Oprah Winfrey, das Millionen Zuschauer sehen.
  • März 2011: Madeleines Eltern protestieren vergeblich gegen den Verkauf eines Buches, das der portugiesische Ex-Chefermittler über den Fall geschrieben hat. Er vertritt die These, das Kind sei bereits im Hotel der Familie gestorben und nicht entführt worden.
  • Mai 2011: Die Mutter, Kate McCann, veröffentlicht ein Buch mit ihrer Version der Geschichte. Die Ermittlungsakten würden erneut überprüft, kündigt der damalige britische Premierminister David Cameron an.
  • April 2012: Laut britischer Polizei ist Maddie möglicherweise noch am Leben. Es gebe Anhaltspunkte für Ermittlungslücken.
  • Oktober 2013: Die portugiesischen Behörden nehmen die Ermittlungen wieder auf, da es neue Indizien gebe.
  • Juni 2014: Eine neue Suche nach Spuren des verschwundenen Mädchens in der Nähe der portugiesischen Ferienanlage bringt keine Hinweise.
  • April 2017: Die britische Polizei hat die Hoffnung auf eine Lösung des Falls nicht aufgegeben. Vier Beamte seien weiter damit befasst, teilt Scotland Yard mit.
  • März 2018: Das britische Innenministerium bewilligt weiteres Geld für die Ermittlungen.
  • 3. Juni 2020: Der Fall Maddie ist - wie schon früher - Thema in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst". Ein Deutscher stehe unter Mordverdacht, teilt das Bundeskriminalamt mit. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittle gegen einen mehrfach vorbestraften 43-Jährigen.
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