10.05.2018 - 21:54 Uhr
Deutschland & Welt

Steinmeier beim Katholikentag: "Tragödie für die gemäßigten Kräfte"

Münster. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch US-Präsident Donald Trump als "Tragödie" und "Rückschlag für die Friedensdiplomatie" kritisiert. Man könne jetzt noch gar nicht abschätzen, was es für künftige Friedensbemühungen bedeute, wenn sich die USA nun nach gerade einmal zwei Jahren aus einem internationalen Abkommen verabschiedeten, sagte Steinmeier am Donnerstag beim Katholikentag in Münster.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender in Münster. Bild: Guido Kirchner/dpa
von Agentur DPAProfil

Der Schritt sei "ein Risiko für die gesamte Region" und auch eine Tragödie für die gemäßigten Kräfte im Iran. Am zweiten Tag des großen Katholikentreffens mit 50 000 Dauerteilnehmern und 20 000 Tagesgästen war vor allem Bundesinnenminister Horst Seehofer mit Spannung erwartet worden. Der CSU-Politiker sollte an einer Diskussion zum Thema Integration teilnehmen. Doch einige Stunden zuvor sagte er ab, und zwar "aufgrund der Verkehrslage", wie eine Moderatorin auf dem Podium bekanntgab. Die Mitteilung wurde im Saal mit lautstarkem Gelächter aufgenommen.

Für Seehofer sprang CDU-Präsidiumsmitglied und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ein. Der gab sich aber lammfromm und lobte die Bemühungen zur Integration von Flüchtlingen. "Ohne die Ehrenamtlichen hätten wir das nie geschafft", betonte er. Es gehe aber nicht nur darum, Feldbetten zu organisieren, sondern auch darum, darüber zu reden, was die Ankunft der Flüchtlinge auf mittlere und längere Sicht bedeute. "Es wird superherausfordernd werden", sagte er. "Aber wenn wir's richtig machen, hat es eben auch Chancen."

Seinen eigenen Heimatbegriff beschrieb der im Westmünsterland geborene Spahn mit den Worten: "Heimat ist für mich erstmal das, wo ich mich nicht erklären muss, wo ich mich geborgen fühle, wo ich mich wohl fühle." Auch die Flüchtlinge, die nach Deutschland kämen, machten es sich sicherlich nicht leicht, ihre Heimat aufzugeben.

Ein Höhepunkt für viele Besucher des Katholikentags war am Donnerstag eine Messe zu Christi Himmelfahrt auf dem Münsteraner Schlossplatz. Daran nahmen nach Angaben des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) rund 25 000 Gläubige teil.

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