18.09.2020 - 14:53 Uhr
VilseckDeutschland & Welt

Heavy-Metal-Hochburg: "Die Oberpfalz ist alles andere als süß"

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Hart, düster und episch. Die Oberpfalz und Heavy-Metal passen sehr wohl zusammen. Das beweist auch die Band "Atlantean Kodex" aus Vilseck. Doch sie sind längst nicht mehr die einzigen, die Heavy-Metal in der Region leben.

Die Stimmung auf einem Metal-Konzert ist unvergleichlich. Auch in der Oberpfalz gibt es etliche Bands des Genres, die ihren Fans ordentlich was auf die Ohren geben.
von Mareike Schwab Kontakt Profil

Harte Gitarrenriffs gab es in der Oberpfalz schon immer. Das sagt zumindest Mathias "Säm" Wagner, Popularmusikbeauftragter des Bezirks. Bereits in seiner Jugend habe es zwei Lager gegeben, sagt der 45-Jährige: "Entweder hat man sich ein Auto gekauft und ist in die Tuning-Szene gegangen, oder man kaufte sich eine E-Gitarre und gründete eine Metal-Band."

So ähnlich muss es bei den Bandmitgliedern von "Atlantean Kodex" auch abgelaufen sein. Die 2005 gegründete Heavy-Metal-Band aus Vilseck hat es mittlerweile geschafft: In der Metal-Szene hat sie bereits Kultstatus. Ihre Fans kommen längst nicht mehr nur aus der Oberpfalz, in Irland, Griechenland und Dänemark spielten sie schon auf großen Bühne. Ihre Alben wurden von Kritikern und Fans in den Himmel gelobt.

Oberpfälzer Sagen als Motiv

Atlantean Kodex - die Heavy-Metal-Band aus Vilseck.

Klarer Gesang, eindringliche Melodien und langsame epische Gitarrenriffs nehmen den Zuhörer von "Atlantean Kodex" mit auf eine musikalische Reise. Eine Reise an mystische Orte - inspiriert von der Fantasy-Literatur von H. P. Lovecraft, Robert E. Howard und J. R. R. Tolkien. Schön, schaurig und düster. "So wie die Oberpfalz", sagt Coralie Baier, die Gitarristin von "Atlantean Kodex". Die raue Oberpfälzer Natur und die alten Burgen dienten der Band ebenfalls als Inspiration für ihre Songs.

Aber auch Oberpfälzer Sagenmotive greift "Atlantean Kodex" immer wieder auf. Der Song "A Prophet in the Forest" auf ihrem ersten Album "The Golden Bough" beschäftigt sich zum Beispiel mit dem Waldpropheten Mühlhiasl. "Es ist unsere Hymne an die Oberpfalz", sagt die Musikerin.

Auch die Legende um die Schlacht am kalten Baum und die Sagengestalt des Bilmesschneiders werden in Songs thematisiert. Aber nicht nur die Vilsecker Band sorgt für harten Sound in der Oberpfalz. Laut "Säm" Wagner ist die Nordoberpfalz von Weiden bis Tirschenreuth eine richtige Heavy-Metal-Hochburg. Schwandorf und der Raum Regensburg würde hingegen eine große Hiphop-Szene beherbergen. Keine Szene habe aber einen so großen Wiedererkennungswert wie die Metal-Szene. "Die Szene lebt in sich, ist aber trotzdem präsent", sagt Wagner. Schwarze Bandshirts, Nieten, Biker-Boots und Lederjacke - "Ich kenne keine andere Szene, bei der man schon so stark am Outfit erkennt, welche Musik gehört wird", sagt er. Heavy-Metal wird es seiner Meinung nach auch immer geben. "Schaut man in die Albumcharts, sind fast immer Rock- oder Metal-Alben an der Spitze."

Trotzdem sei es laut Coralie Baier für eine Metal-Band schwer, von der Musik zu leben. "Als mittelständige Band ist es eher ein Liebhaberprojekt und eine Nischenangelegenheit", erklärt die Gitarristin. Obwohl "Atlantean Kodex" mittlerweile einige Alben verkauft hat und auf großen Festivals spielt, haben die Bandmitglieder alle noch ganz normale Berufe, um sich den Lebensunterhalt zu finanzieren oder ihre Familien zu ernähren.

ATLANTEAN KODEX - HAMMER OF DOOM 2019

"Es gibt gute Monate und dann gibt es wieder schlechte. Als Metal-Band führt man ein unbeständiges Leben", erklärt sie. Auch die Gitarristin hat neben ihrem Studium und der Band "Atlantean Kodex" noch zwei Nebenjobs. "Man steckt so viel Herzblut in seine Musik, aber leben kann man davon nicht", bedauert die Musikerin. Dabei sei es aber ganz egal, ob die Band aus Vilseck kommt oder aus Berlin. Metal würde überall nicht so gefördert werden wie beispielsweise Klassik, kritisiert Coralie Baier.

"Metal und Rock muss man ganz anders fördern", erklärt Säm Wagner. "Ein Orchester kann man zum Beispiel beim Kauf von Notenblättern finanziell bezuschussen. Aber was will eine Metal-Band mit Notenblättern?" Seine Aufgabe als Popularmusikbeauftragter der Oberpfalz sei es deshalb, die Sache neu anzugehen. Er berät Bands hinsichtlich Auftritts- und Aufnahmemöglichkeiten. 30 Prozent der Tonaufnahmen für das Album einer noch unbekannten Band könne er sogar durch den Bezirk finanziell fördern. „Jungen Bands sollte auch bewusst sein, dass in der Metal-Szene viel über das Internet läuft“, erklärt Coralie Baier. „Underground-Perlen findet man nicht im normalen Radio.“ Um mehr Bekanntheit zu erlangen, müsse man im Internet präsent sein. Das gelte vor allem zu Corona-Zeiten mehr denn je.

Ich komme aus Niederbayern, da ist alles viel niedlicher und freundlicher. Die Oberpfalz ist rau.


Coralie Baier, Gitarristin von "Atlantean Kodex"

Metal in der Corona-Zwangspause

Eigentlich wollten „Atlantean Kodex“ ihr neues Album dieses Jahr unter die Leute bringen, doch dann kam Corona. Die Band nutzte die konzertfreie Zeit deshalb für Proben. „Wir machen unsere Songs konzerttauglich. Jetzt haben wir mal Zeit dafür“, sagt Coralie Baier. „Je mehr wir proben, desto mehr spielen wir auch zusammen. Es hört nicht mehr jeder auf das, was er spielt, sondern auch auf die Musik des anderen.“

Das Ergebnis darf die Band dann Ende September in Leipzig und im Dezember in Würzburg bei kleinen Konzerten unter Hygiene-Auflagen präsentieren. Ansonsten sparen sich die Musiker ihre Kräfte für die verschobenen Festivals im nächsten Jahr. Davon gibt es in der Oberpfalz auch einige.

Vollzeit für Pop- und Rockmusik in der Region

Regensburg

Metal-Festivals in der Oberpfalz

Schon in den 90ern war ein beliebtes Reiseziel der Oberpfälzer Metalheads das Niederländische „Dynamo Open Air Festival“ in Eindhoven. Damals seien extra Busse gemietet worden, um von Weiden das Festival besuchen zu können, erinnert sich Wagner. Heute müssen die Metalfans gar nicht mehr so weit fahren. In Püchersreuth im Kreis Neustadt/WN findet jedes Jahr im September das „Storm Crusher Festival“ statt. Knapp 100 Kilometer entfernt spielen Bands im August auf dem „Metal United Festival“ bei Regensburg. Ein echter Geheimtipp sei laut Coralie Baier das „Void Fest“ in Sinzendorf/Waldmünchen im Landkreis Cham. „Die Festivalbetreiber stecken so viel Herzblut in ihre Veranstaltung“, sagt die Gitarristin. Von vielen verschiedenen Orten reisten die vergangenen Jahre Metalfans in die Oberpfalz, um gemeinsam die Musik zu genießen. Bands, Veranstalter und Fans hoffen nun, dass 2021 Heavy Metal in der Oberpfalz wieder gemeinsam erlebt werden kann.

Heavy-Metal-Duett der Sonderklasse

Winklarn
Mehr Metal aus der Oberpfalz:
  • „Ammyt“ (Weiden): „New Perspectives“ heißt das erste Studioalbum der Melodic-Death-Metal-Band „Ammyt“ aus Weiden. „Unsere Songs sollen vor allem den Hörer mitreißen. Doch genauso wichtig ist es, vielschichtig zu bleiben, um nicht langweilig zu werden“, so Fabian Wirth, der Sänger der Band. Das haben sich die vier Oberpfälzer auch für ihr neues Album vorgenommen. Es dreht sich alles um Krieg im eigenen Kopf. „Authentisch, abgefahren und abwechslungsreich“, so beschreibt es das Label STF-Records. www.ammyt.de
  • „Thorondir“ (Waldsassen): Dass eine gute Mischung aus Pagan- und Black-Metal nicht immer zwangsläufig aus dem hohen Norden kommen muss, zeigt „Thorondir“. Die sechs Männer gründeten ihre Band im Jahre 2007 und bekamen im Jahr darauf bereits einen Plattenvertrag bei dem österreichischen Label CCP-Records. Im Frühjahr 2009 kam das Debütalbum „Düsterwald“ auf den Markt. Das aktuelle Album „Des Wandrers Mär“ erschien im April 2020 beim renommierten Plattenlabel Trollzorn Records. www.thorondir.de
  • „Reaper’s Revenge“ (Amberg): „Reapers’s Revenge“ wurde im Jahr 2013 gegründet und spielt eine Mischung aus Power- und Thrash-Metal. Das Debütalbum „Wall Of Fear And Darkness“ erschien im Oktober 2014. Nachfolgend absolvierte die Band zahlreiche Auftritte in ganz Deutschland, unter anderem auf dem „Wacken Metal Battle“ . Das zweite Album der Band, „Virtual Impulse“, erschien im Februar 2018, das ebenso wie das Debüt komplett von „Reaper’s Revenge“ selbst produziert wurde. www.reapers-revenge.de
  • ... und außerdem:„Teeth Of Lamb“, Amberg www.teethoflamb.com, „Aspar“, Kastl
    www.aspar.band, „Sickatrice“, Speichersdorf www.sickatrice.de, „Aurora Storm“, Amberg
    facebook.com/aurorastormband, „Smokin Hell Bastards“, Tirschenreuth facebook.com/smokinhellbastards

Wirklich alle Metal-Genres in der Übersicht (Silence-Magazin)

Genre-Übersicht Metal bei "Metal Hammer"

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.