Corona und Schwangerschaft: Kann die Impfung unfruchtbar machen?

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Die Impfungen gegen das Coronavirus haben erst begonnen, da ranken sich bereits Gerüchte darum. Eins davon: Die Impfung macht junge Frauen unfruchtbar. Ein Mediziner aus der Oberpfalz sagt, was dran ist und was Schwangere beachten sollten.

Viele junge Frauen haben Angst vor der Corona-Impfung, denn seit einiger Zeit kursiert das Gerücht, die Imfpung könnte unfruchtbar machen. Ein Mediziner gibt jedoch Entwarnung.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Während der Corona-Impfstoff für viele Menschen Hoffnung auf Normalität bedeutet, begegnen einige ihm mit Skepsis und Angst. Viele Gerüchte um Nebenwirkungen kursieren bereits. Besonders häufig scheinen auch junge Frauen vor der Impfung zurückzuschrecken. Der Grund: Ein Gerücht darüber, dass die Corona-Impfung sie unfruchtbar machen könnte. Oberpfalz-Medien hat Professor Anton Scharl, Direktor der Frauenkliniken Amberg-Tirschenreuth-Weiden gefragt, was an der Behauptung dran ist.

Woher kommt das Gerücht?

Der Zusammenhang zwischen Coronavirus und Fruchtbarkeit wird in den meisten Theorien zu diesem Gerücht über das sogenannte Spike-Protein hergestellt, wie auch der Bayerische Rundfunk in seiner Rubrik "Faktenfuchs" berichtet. Das Coronavirus benutzt die Spike-Proteine, um an andere menschliche Zellen anzudocken. So können Zellen im menschlichen Körper befallen werden. Auf diese Proteine reagiert der Körper mit seiner Immunantwort. Auch in der Entwicklung des mRNA-Imfpstoffs (wie von Biontech/Pfizer) gegen das Coronavirus spielt das Spike-Protein eine wichtige Rolle.

Der mRNA-Impfstoff enthält die Bauanleitung für den Aufbau eines Proteins des Erregers – in diesem Fall den für das Spike-Protein. Der menschliche Körper bildet daraufhin nach diesem Bauplan selbst Proteine, die eine Immunantwort im Körper auslösen. Die Argumentation des Gerüchts: Der Impfstoff könnte nicht nur eine Immunreaktion auf das Spike-Protein auslösen, sondern auch auf Syncytin-1. Denn zwischen den beiden Proteinen gebe es Übereinstimmungen. Da Syncytin-1 an der Entstehung der Plazenta beteiligt ist, könnte das zur Unfruchtbarkeit bei Frauen führen. Aber ist das wirklich möglich?

Was ist dran an dem Gerücht?

Professor Anton Scharl, Direktor der Frauenkliniken Amberg-Tirschenreuth-Weiden sowie Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, hält das für nicht wirklich denkbar: "Für die These, dass die Impfung unfruchtbar macht gibt es weder Belege, noch eine theoretische Grundlage, wie das passieren soll." Auch die Form des mRNA-Impfstoffs nehme keinen Einfluss: "Die mRNA des Impfstoffs kann nicht in die DNA eingebaut werden. Dafür gibt es keinen biologischen Mechanismus, der das bewerkstelligen könnte. Eine Veränderung des Erbguts ist damit ausgeschlossen."

"Für die These, dass die Impfung unfruchtbar macht gibt es weder Belege, noch eine theoretische Grundlage, wie das passieren soll."

Professor Anton Scharl, Direktor der Frauenkliniken Amberg-Tirschenreuth-Weiden

Professor Anton Scharl, Direktor der Frauenkliniken Amberg-Tirschenreuth-Weiden

Lars Dölken, Professor für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg, sagte der dpa: Selbst wenn beide Proteine Ähnlichkeiten aufwiesen, könne man nicht schlussfolgern, dass die körpereigenen Abwehrkräfte gegen das Coronavirus auch das Protein Syncytin-1 angriffen. Zudem: Käme es tatsächlich zu einer solchen erweiterten Reaktion, hätte auch bereits eine Covid-Erkrankung schädliche Auswirkungen auf Schwangere haben müssen, so Dölken. Denn der Körper bildet bei einer Infektion dieselben Abwehrmechanismen wie nach einer Impfung. In Studien wurde allerdings keine erhöhte Zahl an Fehlgeburten oder Komplikationen festgestellt.

Ebenfalls erklärt das Paul-Ehrlich-Institut (deutsches Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel) auf seiner Website: "Es gibt keine Hinweise aus den nichtklinischen Untersuchungen der zugelassenen Impfstoffe Comirnaty und Covid-19 Vaccine Moderna, dass eine Impfung zu einer Beeinträchtigung der weiblichen oder männlichen Fruchtbarkeit führen könnte." Wie bei jedem anderen Impfstoff oder Medikament, sind allergische Reaktionen aber natürlich nicht gänzlich ausgeschlossen. Professor Scharl ist aber der Ansicht, dass junge Frauen im fruchtbaren Alter keine unnötige Angst vor einer Impfung haben müssten. Auch das Verhüten einer Schwangerschaft sei nach der Impfung nicht notwendig, sofern man schwanger werden möchte.

Wie gefährlich ist das Coronavirus für Schwangere?

Professor Scharl erklärt, dass schwangere Frauen und Frauen während des Wochenbetts bei einer Covid-19-Infektion im Vergleich zu gleichaltrigen nicht-schwangeren Frauen bisher seltener Erkrankungssymptome gezeigt haben. "Allerdings ist der Verlauf der Erkrankung, wenn Symptome auftreten, häufiger schwerer als bei Nichtschwangeren." Ein Risiko für einen schweren Verlauf hätten vor allem Schwangere über 35 Jahren oder mit Vorerkrankungen, wie Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht. "Auch Schwangerschaftskomplikationen, wie Thrombose oder Embolie, sind bei Frauen mit einer Covid-Infektion etwas erhöht."

Die Übertragung auf Fötus und Neugeborenes dagegen sei bislang nur sehr selten beschrieben worden. Auch ein gesundes Kind könne unter Einhaltung von Hygiene-Maßnahmen nach der Geburt bei der Mutter bleiben. Zum Thema Stillen erklärt Scharl: "Das Stillen wird auch bei einer Covid-19-Infektion der Mutter im internationalen Konsens der Fachgesellschaften befürwortet. Das Risiko einer Übertragung durch Muttermilch ist weiterhin unklar, aber unwahrscheinlich." Denn der Übertragungsweg der Corona-Viren gehe grundsätzlich eher über die Atemwege.

Können sich Schwangere und Stillende impfen lassen?

Wie auch das Robert Koch-Institut erklärt, liegen zur Anwendung der mRNA-Impfstoffe in Schwangerschaft und Stillzeit aktuell keine Daten vor. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt deshalb derzeit die generelle Impfung in der Schwangerschaft nicht. Das bestätigt auch Anton Scharl: "Für beide derzeit zugelassenen Impfstoffe gilt, dass die Entscheidung über Impfung bei Schwangeren in enger Abwägung der individuellen Vorteile und Risiken getroffen werden soll."

Schwangere sollten aber nicht grundsätzlich von der Impfung ausgeschlossen werden. Nach den Informationen der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sollte vor allem Schwangeren mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf und hohem Infektionsrisiko die Impfung angeboten werden. Zudem sei es möglich, sagt Scharl, dass schützende Antikörper in die Muttermilch übertreten und so einen Schutz des Säuglings darstellen. Auch die Stiko hält es für unwahrscheinlich, dass eine Impfung der Mutter während der Stillzeit ein Risiko für den Säugling darstellt.

Aktuelle Infos der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe

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Hintergrund:

Formen von Impfstoffen

  • Lebendimpfstoffe: Lebendimpfstoffe enthalten Erreger, die sich zwar noch vermehren können aber deren krankmachende Eigenschaften abgezüchtet wurden. Beispiele sind Impfstoffe gegen Mumps, Masern und Röteln.
  • Totimpfstoffe: Totimpfstoffe enthalten abgetötete, also nicht mehr vermehrungsfähige Krankheitserreger. Hierzu zählt man auch solche Impfstoffe, die nur Bestandteile oder einzelne Moleküle dieser Erreger enthalten. Beispiele sind Impfstoffe gegen Hepatitis A und Influenza.
  • Genbasierte Impfstoffe (mRNA/DNA): Bei diesen Impfstoffen werden gentechnische Informationen für den Aufbau eines Proteins (eines Antigens) übertragen. Ähnlich der Infektion mit einem Virus, beginnt die Zelle mit der Produktion von Proteinen, die als Antigene dem Immunsystem präsentiert werden und eine Immunantwort auslösen.
  • Vektorimpfstoffe: Vektorimpfstoffe bestehen aus für den Menschen harmlosen Viren, den sogenannten Vektoren. Die Vektoren sind im Menschen nicht oder nur sehr begrenzt vermehrungsfähig. Damit das menschliche Immunsystem die Abwehr gegen den Krankheitserreger aufbauen kann, muss es mit Molekülen (Antigenen) des Krankheitserregers in Kontakt kommen. Ein Beispiel für Vektorimpfstoffe ist der Impfstoff gegen Ebola oder der in der EU noch nicht zugelassene Corona-Impfstoff von Astra Zeneca.

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung

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