SPD stellt Landesliste für Bundestagswahl auf: Erster Stimmungstest für Uli Grötsch

Nicht nur die Umfragen, auch das Wetter könnte an diesem Wochenende aus Sicht der bayerischen SPD besser sein. Die Partei stellt ihre Landesliste für die Bundestagswahl auf. Wegen Corona im Fußballstadion.

So angenehm wie beim kleinen Parteitag der Bayern SPD in Taufkirchen im Jahr 2019 wird es an diesem Samstag in Schwabach für die bayerische SPD nicht. Die Delegierten sitzen wegen der Corona-Pandemie im Stadion.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Der Weg in den Bundestag führt bei der bayerischen SPD durchs Fußballstadion. Genauer gesagt durch das von SC 04 Schwabach. Wegen der Corona-Pandemie halten die Sozialdemokraten ihre Landesversammlung zur Aufstellung ihrer Landesliste für die Bundestagswahl im Freien ab. Zumindest der Spitzenkandidat ist schon bekannt: Das soll Generalsekretär Uli Grötsch werden. Auf den folgenden Plätzen scheint vieles offen. Noch liegt der Vorschlag der scheidenden Parteivorsitzenden Natascha Kohnen nicht vor.

Der Traditionsverein Schwabach belegt derzeit hinter Feucht den Platz 2 in der Landesliga Nordost. Der Aufstieg wäre in dieser Corona-Saison für Schwabach also noch möglich. Aufsteigen will auch die SPD. Nach der Bundestagswahl am 26. September wollen sie mit Olaf Scholz den Bundeskanzler stellen. Doch die Umfragen sprechen derzeit nicht dafür, dass der Bundesfinanzminister ins Kanzleramt wechseln kann.

Bei Wind und Wetter sechs Stunden im Stadion

An der Präsenzveranstaltung führt kein Weg vorbei, macht Grötsch deutlich. Die Partei habe das mit dem Landes- und Bundeswahlleiter abgestimmt. Bei einer digitalen Landesversammlung müsste jeder einzelne Platz auf der Liste für die Bundestagswahl per Briefwahl abgestimmt werden. Ein riesiger Aufwand. Nun müssen die 100 Delegierten bei Wind und Wetter für sechs Stunden auf der Tribüne Platz nehmen. Natürlich mit ausreichend Abstand. Zuvor gibt es für jeden einen Corona-Test und falls jemand positiv getestet werden sollte, würde der Ersatzdelegierte mobilisiert. Notfalls bleibt der Platz leer. Das Konzept ist mit der Stadt und dem Gesundheitsamt Schwabach abgestimmt, sagt Grötsch. Und das Wetter? "Sonnenschein und blauer Himmel wäre uns natürlich lieber".

Für Grötsch, der Mitglied im SPD-Bundesvorstand ist, seit dem Jahr 2013 im Bundestag sitzt und im Wahlkreis Weiden antritt könnte die Landesversammlung ein erster Stimmungstest sein. Beim Landesparteitag Ende April will er die Vorsitzende Kohnen beerben.

In Umfragen nur bei rund acht Prozent

Bundesweit pendelt die SPD um die 16 Prozent, deutlich hinter CDU/CSU und den Grünen. In Bayern kommen die Sozialdemokraten rund auf acht Prozent. Das Kanzleramt ist für die Sozialdemokraten weiter weg, als die Bayernliga für Schwabach. Dabei könnte die bayerische SPD einen wichtigen Beitrag zum Bundesergebnis der Sozialdemokraten leisten. Die meisten Wahlberechtigten gibt es in Nordrhein-Westfalen (12,8 Millionen), gefolgt von Bayern (9,4 Millionen) und Baden-Württemberg (7,7 Millionen), zusammen gut ein Drittel aller Wahlberechtigten schätzt das Statistische Bundesamt.

Die niedrigen Umfragewerte machen es für die bayerischen Sozialdemokraten nicht einfacher eine Bundestagsliste aufzustellen. Wer keinen der vorderen Plätze erhält, hat keine Chance, es nach Berlin zu schaffen. Derzeit müssen selbst altgediente Parlamentarier bangen, nicht wieder in den Bundestag zurückzukehren. Ein Direktmandat hat im Freistaat zuletzt kein Sozialdemokrat errungen. Vor vier Jahren erzielte die SPD in Bayern ein Zweitstimmenergebnis von 15,3 Prozent. Damals wurden 18 Frauen und Männern der bayerischen SPD gewählt, darunter die Oberpfälzer Marianne Schieder aus Wernberg-Köblitz (Kreis Schwandorf) und Grötsch aus Waidhaus (Kreis Neustadt/WN).

Oberpfälzer Jusos blitzen ab

Bei der Aufstellung der Listen in den Bezirksverbänden hat es schon geknirscht. In der Oberpfalz versuchten die Jusos, Carolin Wagner aus Regensburg auf Platz 1 bei den Frauen zu schieben. Sie blitzten ab. Die Oberpfälzer SPD schickt nun bei den Frauen Marianne Schieder auf Platz 1 und Carolin Wagner auf Platz 2 ins Rennen um die Landesliste. Bei den Männern steht Uli Grötsch auf Platz 1 und Johannes Foitzik aus Amberg Platz 2 der Oberpfälzer Vorschlagsliste.

In Oberbayern ist, der aus Leuchtenberg (Kreis Neustadt/WN) stammende, Florian Post ausgebremst worden. Bei ihm überrascht das weniger, er hat wenig Freunde in der Partei. Aber auch die 30 Jahre alte Bundestagsabgeordnete Bela Bach wurde von einem aussichtsreichen Platz verdrängt, von der ein Jahr älteren Carmen Wegge. Auch sie ist Juso. Wie es in Schwabach ausgehen könnte, können selbst erfahrende Sozialdemokraten schwer abschätzen. Es gab wegen Corona im vergangenen Jahr zu wenige persönlichen Begegnungen innerhalb der Partei. Generalsekretär Grötsch setzt darauf, dass sich alles in den Bezirken geklärt hat. Dennoch können die Konflikte auch beim Ringen um die Landesliste erneut hochkochen. Dass es ungemütlich wird, dafür sorgt schon das Wetter. Für Samstag sind in Schwabach rund 9 Grad, Regen und Böen angesagt.

Der Streit der oberbayrischen Sozialdemokraten

München

Kurze Rebellion in der Oberpfalz

Schwandorf
Uli Grötsch aus Waidhaus (Kreis Neustadt/WN) sitzt seit dem Jahr 2013 für die SPD im Bundestag.
Hintergrund:

Die Direkt-Kandidaten der Oberpfälzer SPD

  • Uli Grötsch sitzt seit dem Jahr 2013 im Bundestag. Der Generalsekretär der bayerischen SPD tritt im Wahlkreis Weiden an.
  • Marianne Schieder aus Wernberg-Köblitz ist seit dem Jahr 2005 im Bundestag. Die Juristin tritt im Wahlkreis Schwandorf-Cham an. Sie ist Parlamentarischen Geschäftsführerin der SPD Bundestagsfraktion.
  • Johannes Foitzik ist Direktkandidat der SPD im Wahlkreis Amberg-Neumarkt.
  • Carolin Wagner aus Lappersdorf ist SPD-Direktkandidatin für den Bundestagswahlkreis Regensburg.

 

 

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