04.03.2018 - 15:00 Uhr
Ebermannsdorf

Bürgerversammlung zur Neuen Mitte Ebermannsdorf mit 250 Besuchern Dorf bleibt gespalten

Überdimensioniert oder zukunftsweisend? Die Ebermannsdorfer schweigen nicht zur Neuen Mitte. Sie diskutieren. Am Freitagabend kommen 250 Bürger zusammen, um die Argumente für oder gegen die Planungen eines neuen Dorfzentrums zu hören und Fragen zu stellen.

Zur Bürgerversammlung mit dem Titel "Neue Mitte Ebermannsdorf - Wie soll es weitergehen?" kommen 250 Ebermannsdorfer in das DomCom und diskutieren über drei Stunden mit Gegnern und Befürwortern. Bilder: Wolfgang Steinbacher (3)
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

So weit schien man bereits vor einem Jahr gewesen zu sein. Im März 2017 hatte die Gemeinde ins DomCom zu einer Informationsveranstaltung geladen. 100 Leute erschienen damals und tauschten teilweise emotionsgeladen Argumente aus. Doch seitdem ist einiges passiert (siehe "Was bisher geschah"). Jetzt suchte man erneut den Dialog mit dem Bürger - und gleich doppelt so viele Menschen interessierten sich für das Thema. Die Organisatoren der Versammlung wollten nichts dem Zufall überlassen und ließen ein externes Moderatorenteam durch den Abend führen. Auf dem Podium saßen Befürworter und Gegner jeweils zu dritt. Jede Seite erhielt 15 Minuten Redezeit.

Während Bürgermeister Josef Gilch als Solo-Redner neben Jürgen Rieger und Hermann Stecher eine Lanze für die Neue Mitte brach, nutzten auf der gegnerischen Seite Beate May, Robert Maiwald und Herbert Jäger jeweils fünf Minuten, um ihre Argumente gegen das Bauvorhaben vorzutragen. Zuvor hatte das Publikum Gelegenheit bei einer "Visualisierung" dabei zu sein: Ebermannsdorfs Neue Mitte konnte in einem kurzen Film virtuell erlebt werden. Die Zuschauer reisten auf der Hauptstraße vorbei an dem Wohnkomplex, drehten sich um ihre eigene Achse auf dem Dorfplatz, der zu Füßen des geplanten Bürgerhauses liegt, ließen Cafétische rechts liegen und flogen über einen Gang zum Markthof, wo Parkplätze und Nahversorger entstehen sollen.

An den Bauwerken vorbei drehte der Betrachter noch eine Runde im Park auf geteertem Weg. Zahlen und Fakten servierten dazu die Diplomingenieure Martin Kühnl und Susanne Senf vom Architektenbüro mt2 aus Nürnberg sowie Landschaftsarchitekt Siegfried Lösch. Senf betonte, dass die Darstellungen keine endgültigen Versionen sondern lediglich Platzhalter für Baukörper seien.

"Die Fassaden haben nichts mit dem Bebauungsplan zu tun", sagte Verwaltungsleiterin Liane Kern. "Hier könnte man im Idealfall Naturstein verwenden", so Senf. Die Größe des neuen Dorfplatzes sei in etwa mit der Fläche des Friedhofes hinter dem Leichenhaus in Ebermannsdorf, dem Schlosshof in Theuern oder dem Dorfplatz in Dürnsricht zu vergleichen, erklärte Lösch. 9300 Quadratmeter "Bürgerwald" würden im Herzen der Ortschaft erhalten bleiben. Dem voraussichtlich bebauten Areal würden 21 000 Quadratmeter Ausgleichsflächen gegenüberstehen. "Das sind intensiv genutzte Ackerflächen, die ökologisch aufgeforstet werden, was bereits jetzt im März verwirklicht wird", sagte Lösch.

Nach drei Stunden intensiver Diskussionen lautete am Ende der Wunsch von Beate May ganz klar: "Wir fordern eine Bürgerbefragung." Stecher und Gilch dagegen hofften, dass das Bebauungsplanverfahren wieder eröffnet werde. "Jeder Bürger kann sich mit Einwendungen einbringen." Moderator Meyer lobte die Teilnehmer, die durch ihre Beiträge eine Basis für gute Gesprächskultur geschaffen hätten. Am Montag, 19. März, möchte er die Ergebnisse aus der Versammlung in der Gemeinderatssitzung vortragen.

Was bisher geschah

März 2018: Moderierte Bürgerversammlung.

Februar 2018: Bei der Gemeinderatssitzung stellt Discounter Penny sein Konzept für die Neue Mitte vor.

Dezember 2017: Der Gemeinderat beschäftigt sich mit 40 Einwendungen von Bürgern und von Trägern öffentlicher Belange zur Neuen Mitte.

November 2017: Die Gemeinde lässt um das Wäldchen unterhalb des Kindergartens einen Zaun errichten und begründet dies mit dem Sicherheitsaspekt wie etwa die Gefahr von herabfallendem Totholz. Der Zaun wurde an einigen Stellen umgedrückt.

November 2017: Michael May (ÖDP) tritt aus dem Gemeinderat aus.

Ende September 2017: Der Gemeinderat lehnt in einer Sondersitzung das von einer Interessengemeinschaft angestrebte Bürgerbegehren zur Neuen Mitte einstimmig ab. Begründet wurde die Entscheidung mit der Rechtslage bei der Fragestellung. Der Gemeinderat beschloss, das Bebauungsplanverfahren ruhen zu lassen und Moderatoren der Politide GmbH (Hemau) für einen tieferen Bürgerdialog zu engagieren, der laut Gemeindehomepage "möglichst in ein(en) Bürgerbegehren/-entscheid münden soll".

Anfang September 2017: Vertreter der Interessensgemeinschaft übergeben 782 Unterschriften an Bürgermeister Josef Gilch. Unterschrieben hatten Einwohner, die mit den Plänen zur Neuen Mitte nicht einverstanden sind.

Juli 2017: Der Gemeinderat segnet den Vorentwurf des Bebauungsplans mit großer Mehrheit ab. Gegenstimmen kommen von Michael May (ÖDP) und Reinhard Jäger (SPD).

Juni 2017: Gegner formieren sich. Es wird eine Interessengemeinschaft Alternative Dorfmitte gegründet.

Ende März 2017: Vier Stunden hitzige Diskussionen bei einer Bürgerversammlung. Die Neue Mitte ruft Gegner auf den Plan.

März 2017: Die Sieger des Architektenwettbewerbs stehen fest: mt2 aus Nürnberg und Landschaftsarchitekt Siegfried Lösch. (roa)

Zitate contra

"Die Dimensionierung dieses Projekts ist viel zu groß. Ich bin kein Fachmann. Das sagt mir der gesunde Menschenverstand."

"Es wird immer von einem Bürgerdialog gesprochen. Aber das ist ein Monolog."

"Wir sind nicht gegen Veränderungen im Dorf, aber wir wollen daran beteiligt werden."

Robert Maiwald

"Wir riskieren das Wagnis, von einem Ast zur Strecke gebracht zu werden."

"Wir sind nicht gegen einen Einkaufsmarkt, aber wir möchten die Sache kleiner dimensioniert haben. Der Wald soll erhalten bleiben."

"Ausgleichsflächen sind zwar schön, aber nicht im Ort."

"Es ist ein Unterschied, ob man Blätterrauschen hört oder Autos.

Beate May

"Es gibt keine vergleichbare Fläche, die so viel Wasser aufnehmen kann, wie ein Waldboden. Wenn so viel Wald abgeholzt wird, gibt es Probleme."

Herbert Jäger

"Das Bauensemble passt überhaupt nicht in unsere Struktur."

Franz Elsner

"Wer zieht in eine Gemeinde, nur weil dort das Rathaus schön ist?"

Martin Schaller

"Wir haben einen Bäcker und Metzger. Die, die am lautesten schreien, kaufen vermutlich dort nicht ein."

"Dieses Projekt spaltet das Dorf. Deshalb sollte jeder die Möglichkeit haben, darüber abzustimmen."

Andrea Elsner

Zitate pro

"Alle Behörden haben uns grünes Licht gegeben."

"Es ist unser gesetzlicher Auftrag, beste Lebensverhältnisse herzustellen. Dazu braucht es nachhaltige Raumentwicklung."

"Wenn keiner kommt und keiner bauen will, passiert dort auch nichts. All das baut nicht die Gemeinde, sondern Investoren."

"Das Bürgerhaus baut die Gemeinde je nach Finanzlage. Dafür wird der alte Standort verkauft."

"Wir haben 20 Jahre daraufhin gearbeitet, in zähen Verhandlungen die Grundstücke erworben. Wir haben Fördergelder. Wir haben Rücklagen geschaffen und jetzt haben wir schon einen Pennymarkt."

"Jeder Stillstand ist Rückschritt."

"Die Einbindung der Bürger ist gut und schön. Aber das geht nur bis zu einem bestimmten Punkt.

Bürgermeister Josef Gilch

"Das ist auf einen Schlag viel Beton, aber es soll ja auch modular das entstehen, wann es gebraucht wird."

Andreas Denk

"Diese Neue Mitte wurde im Gemeinderat, den wir alle gewählt haben, beschlossen. Und trotzdem sitzen wir hier und diskutieren."

Linda Denk

"Jeder Landwirt kann mehr Wald wegholzen, als dort wegkommt. Geben wir endlich der Gemeinde ein Herz und eine Seele, woran sie wachsen kann."

Reinwald Hofstetter

"Das ist seniorengerecht. Da ist alles drin, was Senioren brauchen."

Johann Bauer

Kommentare

Um Kommentare vefassen zu können müssen Sie sich Anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.