„Ebermanstorff die Hofmark“ blickt zurück
Viel erreicht in jungen Jahren

Mit Patenschaften hat Ebermannsdorfs historischer Verein 25 000 Euro zusammenbekommen, um das Altarbild der Johanneskirche (hier ein Foto der Abnahme im September zum Abtransport nach München) restaurieren zu können. Bild: wec
Vermischtes
Ebermannsdorf
03.12.2016
15
0

Im Sommer 2004 feierte Ebermannsdorf sein 1000-jähriges Bestehen. Damals wurde klar, dass die Geschichte des Ortes noch reichlich im Dunklen lag. 2006 wurde ein örtlicher historischer Verein gegründet.

15 Frauen und Männer hatten sich dazu zusammengefunden und sich den Namen "Ebermanstorff die Hofmark" gegeben. Heute, zehn Jahre später, sind daraus fast 60 Mitglieder geworden. Sie feierten natürlich ihr Zehnjähriges. Bürgermeister Josef Gilch ist seit der Gründung Vorsitzender. Er sieht die Hauptaufgabe des Vereins darin, die lokale Geschichte weiter zu erforschen und lebendig in die Gegenwart zu transportieren, um so ein wichtiges Stück Identitätsarbeit auch für zugezogene Ebermannsdorfer zu leisten.

Bei der internen Jubiläumsfeier rückte der Vorsitzende bereits vorweisbare Ergebnisse der zehnjährigen Arbeit in den Mittelpunkt. Etwa die Übernahme von Finanzierungs-Patenschaften zur Restaurierung der Altarbilder. Angefangen hatte diese Form des Engagements noch ganz klein mit der Sanierung des Kriegerdenkmals. Dann kam gleich der ganz große Brocken, die Renovierung der Johanneskirche. Am Anfang stand Quellenarbeit zur Entstehungsgeschichte.

Zurechtgerückt

So habe es laut Gilch immer geheißen, dass Wolfgang Dientzenhofer (1648 bis 1706) die Kirche entworfen und gebaut habe. Recherchen im Staatsarchiv Amberg haben jedoch ergeben, dass der bekannte Baumeister lediglich einen Kostenvoranschlag für die Sanierung der Vorgängerkirche erstellt hatte. Tatsächlich war Ignaz Anton Gunetzrhaner (1698 bis 1764) aus München der verantwortliche Architekt und Baumeister. Auf dieser Basis hätten dann weitere Mitstreiter für das ambitionierte Projekt Johanneskirchen-Sanierung mit ins Boot geholt werden können. Der Verein selbst übernahm die Patenschaft für die Altarbilder und sammelte allein für das Hauptbild rund 25 000 Euro.

Nicht minder stolz ist er auf die Wiederbelebung des Köhlerhandwerks in der Gemeinde. Inzwischen gibt es einen Köhlerplatz zum Errichten und Abbrennen von Meilern einmal im Jahr. In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege wird zudem auch in der weiteren Umgebung nach frühmittelalterlichen Kohlstätten gesucht.

Jetzt in Buchform

Auch ein erstes Buch aus den Reihen des historischen Vereins ist bereits erschienen. Klaus Schriml thematisiert darin die jüngere Geschichte, indem er den ehemaligen Flugplatz Schafhof der Reichsluftwaffe wieder ins Blickfeld und Bewusstsein der Bürger rückte. Bereits die in den vergangenen Jahren organisierten Vorträge und Wanderungen zu diesem Thema waren auf großes Interesse gestoßen.

Im nächsten Jahr, so Gilch, werde sich der Verein Hügelgräbern in der Umgebung zuwenden. Finanziell gefördert durch EU-Mittel und in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege sei zwar bereits ein Gräberfeld beim Meilerplatz nachgebaut worden, es soll aber weitere Veranstaltungen dazu geben, um die frühe Siedlungsgeschichte in der Region um Ebermannsdorf anschaulich darzulegen.

Die Mitglieder von "Ebermanstorff die Hofmark" widmen sich jedoch nicht nur "harten" Themen. Sie unternehmen auch Vereinsausflüge und überlegen derzeit, ob sie beispielsweise Töpfern für Kinder und Geschichten-Abende an den Hügelgräbern anbieten wollen. Im gesellschaftlichen Leben des Ortes ist der Verein sowieso nicht mehr wegzudenken: Apfelfest, Hollerfest, Tag des offenen Denkmals, Ferienprogramm und die Organisation der "Weihnacht unter der Burg" fordern die Mitglieder. Darüber hinaus sind etliche von ihnen auch als historisch gewandete Gruppe bei Festumzügen, Nordgautagen, Gemeindejubiläen oder dem Schweppermannsfest in Kastl regelmäßig vertreten.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.